12. August 2021 / 07:34 Uhr

RB Leipzigs Orban über Coach Marsch: "Für so einen Trainer geht man durchs Feuer"

RB Leipzigs Orban über Coach Marsch: "Für so einen Trainer geht man durchs Feuer"

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Leipzigs Willi Orban (rechts) schwärmt von Trainer Jesse Marsch.
Willi Orban möchte noch viele Jahre als Profifußballer tätig sein. © PICTURE POINT
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Am Sonntag startet RB Leipzig in die neue Bundesliga-Saison. Im Vorfeld sprach Abwehrchef Willi Orban im SPORTBUZZER-Interview über seinen spielerfreundlichen Chef Jesse Marsch, die EM mit der ungarischen Nationalmannschaft und ein betagtes italienisches Abwehr-Duo.

Leipzig. Die Fans der Roten Bullen haben ihn in ihr Herz geschlossen - und können sich auf viele weitere Jahre mit ihrem Williiiiee freuen. Grund: Willi Orban, 28-jähriger Abwehrchef der Rasenballer und seit 2015 Leipziger (151 Pflichtspiele/16 Tore), hat sich ein Haus am See in Leipzig gekauft. Und er schwärmt für die italienischen Abwehr-Oldies Leonardo Bonucci, 34, und Giorgio Chiellini, 36, kann sich gut vorstellen, seiner großen Liebe Fußball ähnlich lang treu zu bleiben. Der ungarische Nationalspieler (25 Einsätze, fünf Tore) über die EM, das geschärfte Schwert namens Standard-Situationen, den Qualitätsspieler Marcel Sabitzer und die Nähe, die Coach Jesse Marsch zulässt.

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SPORTBUZZER: Herr Orban, Ihnen und Ihren ungarischen Teamkollegen fehlten gegen Deutschland nur ein paar Minuten zur K.o-Runde. Überwiegt der Stolz auf Geleistetes oder Frust über Entgangenes?

Willi Orban: Direkt nach dem Spiel war nur Platz für Frust. Ein paar Tage später habe ich, haben wir, die EM als großartig für unser kleines Land empfunden. Wir haben gegen große Nationen mitgehalten, hatten einen klaren Plan und haben alles rausgehauen. Das bleibt für immer. Dass wir gerne das Achtelfinale gepackt hätten, ist aber auch klar.

Was hatte der Europameister, was anderen fehlte?

Bei Italien hat alles gestimmt. Teamspirit, individuelle Klasse, Taktik. Schon wie die ihre Hymne gesungen haben - einmalig. Die Spieler haben ihr Herz auf dem Platz gelassen.

Fotogalerie: Willi Orban bei RB Leipzig

2015 Juli: Orban spielt für RB (@GEPA Pictures) Zur Galerie
2015 Juli: Orban spielt für RB (@GEPA Pictures) ©

An den betagten Herrn Bonucci und Chiellini kam entweder der Ball oder der Gegenspieler vorbei, nie sowohl als auch. Das dürfte ihnen besonders gut gefallen haben.


Hat es, ein wirklich geiles Abwehr-Duo. Physisch stark, selbstbewusst, extrem spielintelligent. Man hat ihnen angesehen, dass sie immer wussten, was zu tun ist. Und dass ihnen ihr Job Spaß macht. Überragend.

Wenn Ihr Vertrag 2025 endet, sind Sie zarte 32. Was sagt uns das?

Dass es danach weiter geht, wenn ich gesund geblieben bin. Ich liebe meinen Beruf, will jeden Tag ein Stückchen besser werden.

Wie lange haben Sie nach der EM die Füße hochgelegt?

Zwei Tage.

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Doch so lang?

Danach ging es weiter. Ich habe an meinem Kraft-Niveau gearbeitet.

Und haben jetzt noch mächtigere Oberschenkel?

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Es geht immer um Muskelketten, Herr Schäfer.

Ein dicker Schenkel bringt nix, wenn es wadial oder im Beckenboden-Bereich klemmt.

So ungefähr.

Sie stehen für einen ganzheitlichen Ansatz, überlassen in Sachen Ernährung, Regeneration und Schlaf nichts dem Zufall. Ihr Life-Kinetik-Coach Veit Gabrysiak beschreibt Sie so: Willi ist klug, bescheiden, demütig, vielseitig interessiert, blickt über den Tellerrand. Einverstanden?

Wenn Veit das sagt, muss es stimmen. Ich mache mir viele Gedanken über meinen Beruf, will mir nicht irgendwann den Vorwurf machen, etwas nicht versucht zu haben.

LVZ-Direktabnahme

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Life-Kinetik ist Jogging fürs Gehirn. Wird man dadurch durchtriebener beim Kicken?

Man trifft unter Druck und auch mit hohem Puls bessere Entscheidungen, hat ein komplexeres Bild von der Situation und darüber, was kommen kann. Ich bin überzeugt von Life-Kinetik, mache das schon seit meiner Zeit in Kaiserslautern.

Die RB-Fans haben Sie zum Spieler der Saison gewählt. Dürfte Ihnen gefallen haben.

Das ist eine sehr schöne Anerkennung. Die Fans haben ein feines Gespür dafür, ob man alles gibt, was drin ist. Und dann respektieren sie dich, auch wenn dir mal ein, zwei Sachen misslingen.

Viele Fußballer rennen frühmorgens an den Briefkasten, um in der Zeitung nach ihrer Benotung zu illern. Sind Sie so einer?

Ich lese in der Zeitung nicht nur den Sportteil, bekomme das mit den Noten in der LVZ oder im Kicker aber natürlich mit. Manchmal wundere ich mich.

Weil Sie zu schlecht weggekommen sind?

Oder zu gut. Ein Spieler weiß genau, ob er seinen Job gemacht hat oder nicht. In die Notengebung fließen aber oft einzelne Aktionen ein. Tor gemacht? Mindestens drei, Tendenz zur zwei. Tor verschuldet? Vier bis fünf. Ich kann damit leben, weil ich weiß, ob ich gut war oder weniger gut.

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Beim 4:0 in Sandhausen setzten Sie mit einem Kopfball den Zug aufs Gleis. Täuscht der Eindruck oder wird Standards unter Mister Marsch eine größere Bedeutung zugemessen?

Wir wollen da gefährlicher werden, haben mit Angelino, Christopher Nkunku und Emil Forsberg klasse Schützen. Nicht zu vergessen Dominik Szoboszlai, da kommen richtige Kanonen in den Strafraum. Die Gegner studieren, was wir so alles anstellen. Also müssen wir uns und unsere Standards immer wieder neu erfinden.

Zurück zu den Wurzeln der Balljagd. Gefällt Ihnen Jesse Marschs Ansatz?

Das stimmt so nicht ganz, wir wollen die Inhalte, die wir unter Julian Nagelsmann gelernt haben, integrieren. Die beiden ersten Phasen Spieleröffnung und Übergangspiel waren unter Julian überragend. Ab und zu hat uns in Phase drei der schnelle Tiefgang gefehlt. Bälle in die Tiefe sind für jeden Abwehrspieler ekelhaft. Und bei unseren Passgebern im Mittelfeld und Sprintern im Sturm wollen und brauchen wir Tiefe.

Wie nehmen Sie Jesse Marsch wahr?

Es gab noch keinen Trainer, der so viel Nähe zugelassen hat. Er sagt zu uns: ,Jungs, eure Probleme sind meine Probleme.´ Das gibt ein unglaublich gutes Gefühl, für so einen Trainer geht man durchs Feuer.

Wie wäre es, wenn Sie ihren langjährigen Kollegen Marcel Sabitzer für ein weiteres RB-Jahr entflammen?

Ich mag Sabi, er ist ein Qualitätsspieler, liefert verlässlich. Ich bin selbst gespannt, wie es weitergeht.