23. September 2021 / 07:21 Uhr

RB Leipzigs Poulsen will keine Ausreden: "Irgendeine relativierende Statistik" lässt sich immer finden

RB Leipzigs Poulsen will keine Ausreden: "Irgendeine relativierende Statistik" lässt sich immer finden

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Yussuf Poulsen weiß, dass RB Leipzig dringend Siege braucht.
Yussuf Poulsen weiß, dass RB Leipzig dringend Siege braucht. © dpa
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Seit 2013 kickt Yussuf Poulsen nun schon für RB Leipzig. Der Däne war nicht nur maßgeblich an den Aufstiegen beteiligt, sondern spielte sich auch in die Herzen der Fans. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der 27-Jährige über den Fehlstart der Roten Bullen, die schwere Aufgabe in Berlin und das Wiedersehen mit einem alten Bekannten.

Leipzig. Er ist Liebling der RB-Fans, Rekordspieler der Roten Bullen, braucht noch zwei Einsätze zu seinem 300. Pflichtspiel-Match und ein Tor zu seinem 75er-Jubiläum. Yussuf Poulsen, 27, seit 2013 bei RB, über die (Schief-)Lage beim Vize-Meister, ein 1:1 in Köln, das auch 6:3 für RB ausgehen kann, das (Noch-)Los des Ergänzungsspielers, das Heimspiel gegen die Hertha mit seinem Kumpel Davie Selke (Sonnabend, 15.30 Uhr) und die hochemotionale Erfolgsgeschichte namens EM.

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SPORTBUZZER: Sie und Emil Forsberg haben in Köln für Wellengang und nach Rückstand fast noch für einen Dreier gesorgt. Haben Sie dem Trainer hinterher gesagt, dass das gut abgehangene Duo mit Freuden auch zum Anpfiff zur Verfügung stehen würde?

Yussuf Poulsen: Wenn es nach mir gehen würde, würde Emil sehr oft von Anfang an spielen. Er ist zwar keine 19 mehr, obwohl er so aussieht und so spielt. Ich muss dem Trainer nicht sagen, was ich kann. Er weiß, was er von mir bekommt. In verschiedenen Spielen sind verschiedene Spieler gefragt. Das verstehe und akzeptiere ich.

Das Hertha-Spiel wäre ein Spiel nach Ihrem Gusto.

Natürlich möchte ich spielen, alle im Team wollen das. Ich habe nach der EM etwas Zeit gebraucht, um auf‘s körperliche Niveau der anderen zu kommen. Jetzt bin ich fit, fühle mich gut.

Sie haben in Manchester ein Tor von Christopher Nkunku vorgelegt, in Köln Herrn Szoboszlai den Siegtreffer nahezu aufgedrängt, aber selbst zwei Top-Chancen ausgelassen. Woran hat´s gelegen?


Den Ersten hätte ich wahrscheinlich mit einem Tick mehr Konzentration reingemacht, das war eine 100-Prozentige. Wir haben viele Chancen ausgelassen. Wenn das Spiel 6:3 ausgeht, kann sich kein Kölner beschweren. Aber es gibt diese Phasen, da muss man durch, und ich bin und bleibe optimistisch.

Gegen Mainz, Stuttgart, Wolfsburg, Bayern und Köln hat RB unter Julian Nagelsmann in der Vorsaison auch nur vier Punkte geholt. Sagt uns das was?

Man kann wahrscheinlich zu jeder Situation irgendeine tröstende oder relativierende Statistik finden. Und zur Wahrheit gehört auch, dass uns das Glück momentan nicht gerade hinterherrennt, viele knappe Entscheidungen gegen uns fallen. Fakt ist aber, dass wir zu wenig Punkte haben und keinen guten Start hingelegt haben. Da helfen nur Siege. Und damit müssen und werden wir gegen Berlin anfangen.

DURCHKLICKEN: Einige Bilder aus der Partie in Köln

1:1 in Köln: RB Leipzig erkämpft sich nach zuletzt drei Pflichtspielniederlagen in Folge wieder einen Punkt. Zur Galerie
1:1 in Köln: RB Leipzig erkämpft sich nach zuletzt drei Pflichtspielniederlagen in Folge wieder einen Punkt. ©

Die Dose hat ihre erste Delle, würden Sie schon von Krise reden?

Dellen gab es in meinen acht Jahren in Leipzig immer mal wieder. Und dass es nicht immer bergauf gehen kann, ist doch auch klar. In der dritten Liga haben wir im Januar 2014 daheim 0:1 gegen Burghausen verloren, sind dann nach Duisburg gefahren …

…und haben nach einem missglückten Jo-Kimmich-Dribbling im eigenen Fünf-Meter-Raum 1:2 verloren.

Ja, das war bitter. Aber danach haben wir zig Mal hintereinander gewonnen und sind aufgestiegen. In der zweiten Liga war es auch nicht immer prickelnd. Wir kamen 2015 aus der Hitze in Doha in‘s eiskalte Aue, haben 0:2 verloren. Und mit dem 0:1 auf St. Pauli war der Aufstieg futsch.

Sie vergessen das 0:4 gegen Sandhausen ein paar Tage nach St. Pauli.

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Ich habe das nicht vergessen, nur verdrängt. Wie gesagt: Wir hatten schon schwierige Zeiten, kamen immer wieder zurück. Das werden wir auch jetzt schaffen. Haben Sie das Training gesehen?

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Ja. Viel Tempo, hohe Qualität.

Wenn wir das, was in uns ist, auf den Platz bringen und uns weiter so viele Chancen erarbeiten, werden die Spiele nicht immer 1:1 ausgehen.

Defensiv sieht es weniger gut aus. Fällt der Abgang von Dayot Upamecano stärker als erwartet ins Gewicht?

Dayot ist ein Superspieler, keine Frage. Aber das ist kein Problem, das man an einem Spieler festmachen kann. Zumal wir ja auch mit Mohamed Simakan und Josko Gvardiol starke Abwehrspieler geholt haben. Wir müssen als Mannschaft besser verteidigen, alle besser und abgestimmter gegen den Ball arbeiten. Daran arbeiten wir jeden Tag.

Dayot Upamecano, Marcel Sabitzer und Julian Nagelsmann sind weg. Leiden Sie persönlich unter Trennungsschmerzen?

Nein, Wechsel gehören zum Job. Außerdem sind sie ja nicht aus der Welt.

DURCHKLICKEN: Bilder vom Cottaweg

Die Bundesliga-Profis von RB Leipzig trainierten am 21. September 2021 vor den Augen von Zuschauern am Cottaweg. Zur Galerie
Die Bundesliga-Profis von RB Leipzig trainierten am 21. September 2021 vor den Augen von Zuschauern am Cottaweg. ©

Die RB-Bilanz gegen Hertha ist bis auf eine Ausnahme heldenhaft. Im Dezember 2017 gewann Berlin in Leipzig 3:2. Ihr Ex-Kollege Davie Selke traf doppelt. Haben Sie noch Kontakt?

Ja, haben wir. Ich bin froh, dass er wieder regelmäßig spielt. Aber das ändert nichts: Wir brauchen die drei Punkte.

Wie oft denken Sie noch an die hochdramatischen Minuten rund um ihren Teamkollegen Christian Eriksen bei der EM?

Immer mal wieder. Man wird ja auch öfter darauf angesprochen. Für mich ist das aus heutiger Sicht und dem Wissen um den glücklichen Ausgang eine Erfolgsgeschichte. Wir alle, Spieler, die Zuschauer im Stadion und am Fernseher, Ärzte, Sanitäter, vielleicht auch der liebe Gott, haben in diesen Minuten zusammengehalten und dazu beigetragen, dass es Christian geschafft hat.