17. Mai 2019 / 10:58 Uhr

RB Leipzigs Premieren-Torschütze Michael Lerchl: "Allen war klar, dass wir aufsteigen"

RB Leipzigs Premieren-Torschütze Michael Lerchl: "Allen war klar, dass wir aufsteigen"

Anton Zirk
Leipziger Volkszeitung
RB Leipzigs Michael Lerchl ist vor Lok Leipzigs Torsten Jülich am Ball. Die Roten Bullen gewannen die Partie gegen den Stadtrivalen aus Probstheida mit 3:0. 
RB Leipzigs Michael Lerchl ist vor Lok Leipzigs Torsten Jülich am Ball. Die Roten Bullen gewannen die Partie gegen den Stadtrivalen aus Probstheida mit 3:0.  © PICTURE POINT
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RB Leipzig hat in den zehn Jahren seit der Gründung viele Spieler kommen und gehen gesehen. Einer, der in der Premieren-Saison dabei war, ist Michael Lerchl. Der heute 32-Jährige erinnert sich an Anfeindungen und seinen letzten Versuch im professionellen Fußball.

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Leipzig. Wie Thomas Kläsener oder Ingo Hertzsch gehörte auch Michael Lerchl vor zehn Jahren zu jener Mannschaft, mit der die Erfolgsgeschichte RB Leipzig begann. Aus der zweiten Mannschaft von Energie Cottbus wechselte der damals 22-Jährige im Sommer 2009 zu den Roten Bullen.

Fußballerisch in der Jugendabteilung von Dynamo Dresden und später beim FC Bayern München ausgebildet, lief Lerchl auch für deutsche Junioren-Nationalmannschaften auf und schaffte bei seiner Rückkehr zur SGD den Sprung in den Zweitliga-Kader. Nach seinem Wechsel zu Energie Cottbus kam er jedoch nur noch für die zweite Mannschaft der Lausitzer zum Einsatz. "Ich stand damals mit 22 am Scheideweg und habe überlegt, ob ich den Fußball runterschraube. RB war dann eine super Gelegenheit, so etwas wie der letzte ernsthafte Versuch", erinnert sich Lerchl.

Bewerbung bei RB

Den Kontakt zu RB hätten damals sein Vater und er über einen Mitarbeiter von Cottbus hergestellt. Statt eines Probetrainings folgte eine Art Vorstellungsgespräch bei Andreas Sadlo, RB Leipzigs ersten Vorstandsvorsitzenden. "Das lief wohl ganz gut", sagt Lerchl rückblickend, denn kurz darauf unterschrieb er einen Einjahres-Vertrag beim neu gegründeten Oberligisten. Die Entwicklung habe damals nur eine Richtung gekannt: "Druck wurde uns nicht gemacht, jedenfalls habe ich keinen verspürt", sagt Lerchl heute: „Aber allen war klar, dass wir aufsteigen. Daran hat auch niemand im Team gezweifelt. Die Mannschaft war sich ihrer Stärke bewusst."

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Er war der erste Torhüter von RB Leipzig: Sven Neuhaus. Der Keeper wechselte vom FC Augsburg nach Sachsen und blieb bis 2011. Anschließend heuerte Neuhaus beim Hamburger SV an. Heute arbeitet er beim HSV für die Stiftung „Hamburger Weg“. ©
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Und sportlich lief es: Nach einem glücklichen 1:1 gegen die Reserve von Carl Zeiss Jena, bei dem erst ein spätes Eigentor der Thüringer die Punktteilung sicherte, konnte sich Lerchl am zweiten Spieltag beim 4:0 gegen den FSV Zwickau als erster RB-Profi in die Torschützenliste eintragen. "Dass ich der erste war, daran kann ich mich gar nicht mehr erinnern", sagt Lerchl. Mehr als die Ergebnisse der Leipziger Premieren-Saison blieben dem offensiven Mittelfeldspieler ohnehin die Reaktionen auf RB im Gedächtnis: "In Markranstädt hat damals irgendjemand Hass-Botschaften an eine Wand gesprüht und natürlich haben uns die Fans der anderen Mannschaft ebenfalls nicht gerade mit offenen Armen empfangen."

Professionell, aber nicht freundschaftlich

Innerhalb des Teams sei der Umgang in erster Linie professionell gewesen. Große Freundschaften hätten sich auch wegen der Kürze der Zeit nicht entwickelt. "Ich hatte noch Glück, dass Robert Scannewin auch für RB spielte. Ihn kannte ich vom Sportgymnasium in Dresden und wir haben viel zusammen gemacht", berichtet Lerchl. Am Ende der Spielzeit reichte es mit 22 Punkten Vorsprung für den geplanten Aufstieg in die Regionalliga und der sportliche Erfolg nahm seinen Lauf.

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Für Lerchl war hingegen nach einem Jahr bei den Roten Bullen Schluss: "Ich wusste schon während der Saison, dass ich nach Markranstädt gehe, dort weiterspiele und eine Ausbildung mache." Die Entscheidung sei ihm damals nicht schwergefallen, wenn überhaupt sei sie zu spät gekommen. Heute sagt Lerchl: "Ich bin nicht gemacht für dieses Geschäft."

Vater nimmt die Last

Er erzählt, dass ihn sein Vater in einem Telefonat endgültig von der Last des Fußballs befreit hätte, als er sagte: "Nur, weil man etwas gut kann, heißt das nicht, dass man etwas sein Leben lang machen muss." Bis dahin habe er immer den Druck verspürt, seinen Vater und seine Geschwister nicht enttäuschen zu wollen.

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Während RB unaufhaltsam den Weg Richtung Bundesliga weiterging, spielte Lerchl noch fünf Jahre für den SSV Markranstädt und war dabei sportlich nach eigenen Angaben ein letztes Mal richtig verbissen. Obwohl sein aktuelles Team vom SV Blau-Weiß Zorbau derzeit auf dem letzten Platz der Oberliga Süd steht, hat der Mittelfeldspieler erst hier wieder wirklich Freude am Fußball gefunden: "Niemand im Verein baut Luftschlösser, hier hat niemand zu viel Geld in den Taschen und mein Trainer versteht wirklich was vom Sport".

Kein Interesse für Profi-Fußball

Die Entwicklung der Roten Bullen spielt für Lerchl hingegen gar keine Rolle mehr: "Ich habe noch nie gern Fußball geschaut. Mir wurde erzählt, dass RB im Pokalfinale steht, aber mir ist das wirklich egal."

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