09. Dezember 2018 / 11:57 Uhr

RB Leipzigs Probleme: Rückstand, Ballbesitz und Einstellung

RB Leipzigs Probleme: Rückstand, Ballbesitz und Einstellung

Anne Grimm
Leipziger Volkszeitung
08.12.2018, Baden-Württemberg, Freiburg: Fußball: Bundesliga, SC Freiburg - RB Leipzig, 14. Spieltag im Schwarzwaldstadion. Jean-Kevin Augustin, Timo Werner und Konrad Laimer (l-r) gehen nach der 0:3-Niederlage vom Patz. Foto: Patrick Seeger/dpa - WICHTIGER HINWEIS: Gemäß den Vorgaben der DFL Deutsche Fußball Liga bzw. des DFB Deutscher Fußball-Bund ist es untersagt, in dem Stadion und/oder vom Spiel angefertigte Fotoaufnahmen in Form von Sequenzbildern und/oder videoähnlichen Fotostrecken zu verwerten bzw. verwerten zu lassen. +++ dpa-Bildfunk +++
RB Leipzig hat im Auswärtsspiel gegen den SC Freiburg eine 0:3-Niederlage kassiert und büßt den dritten Tabellenplatz ein. © dpa
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Es war erst die dritte Niederlage für RB Leipzig in dieser Bundesligasaison. Doch beim 0:3 in Freiburg tauchten trotz starker Besetzung im Mittelfeld dieselben Schwächen beim Rangnick-Team auf, die auch schon in Wolfsburg oder bei den Pleiten in der Europa League zum Vorschein gekommen waren. 

Leipzig. RB Leipzig ist 0:3 beim SC Freiburg untergegangen. Der selbst ernannte Champions-League-Aspirant versus dem stets in der Bundesliga ums Überleben kämpfenden Verein aus dem Breisgau. Gegen den im Normalfall qualitativ unterlegenen Kontrahenten kassierte das Team von Trainer Ralf Rangnick am Samstag so viele Gegentore, wie in den vergangenen zehn Bundesligaspielen zusammen.

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SC Freiburg - RB Leipzig (3:0) Zur Galerie
SC Freiburg - RB Leipzig (3:0) ©

Einstellung? Aufstellung? Ein schwarzer Tag? Von einer Spitzenmannschaft war der Auftritt jedenfalls so weit entfernet, wie Weihnachten vom Hochsommer. „Wir haben viele gute Fußballer in unseren Reihen, aber hatten heute nichts mit Fußball am Hut. Das ist schon sehr enttäuschend“, sagte Marcel Sabitzer nach der dritten Bundesliganiederlage. Die Suche nach Gründen.

1. Die Abwehr:

RB-Coach Rangnick monierte: „Alle drei Tore sind nach dem bekannten Freiburger Strickmuster gefallen, den Flanken von außen. Wir haben die nicht verhindert und auch innen nicht gut verteidigt.“ Diego Demme traf einen wunden Punkt: „Die Gegentreffer waren auch bitter, weil wir immer kleine Fehler gemacht haben.“ Vor dem 0:1 landete der Abpraller von Peter Gulacsi direkt vor Petersens Füßen.

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Vor dem 0:2 brachte Upamecano seinen Gegenspieler im Strafraum zu Fall, obwohl Frantz keine Chance hatte, noch an den Ball zu kommen. Den vom Videoassistenten „beantragten“ Elfmeter sahen die RB-Spieler zwar „fragwürdig“, benutzten ihn aber nicht als Ausrede. Vor dem Kopfball zum 0:3 stand Sabitzer weit weg vom SC-Kapitän, nahm den Gegentreffer anschließend auf seine Kappe.

2. Der Ballbesitz:

Es zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison: Immer wenn die Leipziger in Rückstand geraten, bekommen sie spielerisch Schwierigkeiten, weil sie mehr Ballbesitz haben und selbst die Partie gestalten müssen. Siehe die 0:1-Pleite in Wolfsburg, oder die Niederlagen in der Europa League. In den acht Bundesligapartien mit Übergewicht an Ballbesitz gab es zwei Siege. In den sechs Partien mit weniger Ballbesitz ging RB hingegen fünfmal als Sieger hervor.

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(1) Peter Gulacsi: In der ersten Halbzeit mit Gymnastik beschäftigt, in der zweiten ähnliches Bild. Note 2 Zur Galerie
(1) Peter Gulacsi: In der ersten Halbzeit mit Gymnastik beschäftigt, in der zweiten ähnliches Bild. Note 2 ©

Auch im Breisgau wurde RB aus dem Spiel heraus kaum gefährlich. Rangnick gestand hinterher: „Wir tun uns schwerer ab dem Moment, wenn wir in Rückstand geraten. Und wir tun uns schwerer gegen Mannschaften wie Freiburg, die aus einem zunächst defensiven Ansatz die Räume eng machen, um dann selbst umzuschalten. Das ist ein Prozess, den wir noch vollziehen müssen.“

3. Die Einstellung:

Dauerläufer Demme monierte: „Die haben uns den Schneid abgekauft, in vielen Zweikämpfen.“ Zwar war RB nach der 1:2-Niederlage vergangene Saison sowie der Pleite in der Zweiten Bundesliga in Freiburg durchaus bekannt, welche mentale Stärke der SC im eigenen Stadion auf den Platz bringt, den Kampf angenommen haben die Rasenballer allerdings nicht. Rangnick fand klare Worte: „Im Moment ist es so, dass wir uns in Spielen in denen wir gegen halten und physische Präsenz zeigen müssen, wenn es eher über den Fight geht und wir nicht von vornherein einen Schönheitspreis zu gewinnen gibt, schwerer tun.“

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Christian Streich (Trainer SC Freiburg): „Ich freue mich extrem, dass wir ein so umkämpftes Spiel für uns entscheiden konnten. Die Mannschaft war sehr präsent. Wir haben extrem gut verteidigt. Es war eine Top-Leistung von uns.“ Zur Galerie
Christian Streich (Trainer SC Freiburg): „Ich freue mich extrem, dass wir ein so umkämpftes Spiel für uns entscheiden konnten. Die Mannschaft war sehr präsent. Wir haben extrem gut verteidigt. Es war eine Top-Leistung von uns.“ ©

4. Die Auswärtsschwäche:

Auch wenn sich der RB-Trainer gegen eine "Auswärtsschwäche" wehrt, weil er an starke Leistungen und Siege gegen Hoffenheim und Hertha erinnert: Wettbewerbsübergreifend hat seine Mannschaft zuletzt viermal in Folge auf fremden Plätzen verloren (Glasgow, Wolfsburg, Salzburg, Freiburg). Sabitzer meint: „Wir haben es in den letzten Auswärtsspielen nicht viel besser gemacht als in Freiburg. Wir müssen daran arbeiten, dass wir auswärts mehr Punkte holen. So funktioniert es nicht, wird es irgendwann eng.“

Dank der Niederlage von Frankfurt bei der Hertha rutscht RB nach dem 14. Spieltag nur um einen Rang in der Tabelle auf vier, bleibt also auf einem Champions-League-Platz. Die zweite gute Nachricht: Nächste Woche kommen Rosenborg Trondheim und Mainz 05 nach Leipzig – zu Hause hat RB zumindest in der Bundesliga noch kein einziges Spiel verloren.