20. Mai 2021 / 10:29 Uhr

RB Leipzigs Profis und die EM: Henrichs hofft auf Olympia, Fragezeichen bei Laimer

RB Leipzigs Profis und die EM: Henrichs hofft auf Olympia, Fragezeichen bei Laimer

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
Benjamin Henrichs fährt nicht zur EM, Konrad Laimer kann immerhin hoffen.
Benjamin Henrichs fährt nicht zur EM, Konrad Laimer kann immerhin hoffen. © Getty Images
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Nach der EM-Nominierung von Deutschland und Österreich ergeben sich Fragen. Wie begründet Bundestrainer Joachim Löw die Nominierung von Lukas Klostermann und Marcel Halstenberg? Warum ist Konrad Laimer beim ÖFB eingeplant, obwohl er in dieser Saison noch keine Partie über 90 Minuten absolviert hat? Und was ist eigentlich mit Benjamin Henrichs?

Leipzig. Während RB Leipzigs Abwehrspieler Lukas Klostermann und Marcel Halstenberg der Deutschen Nationalmannschaft zur Europameisterschaft fahren, muss Benjamin Henrichs zu Hause bleiben. Für ihn gab es kein Ticket vom Bundestrainer Joachim Löw. Hoffen darf der 24-Jährige dennoch, und zwar auf die Reise nach Tokio zu den Olympischen Spielen. U21-Coach Stefan Kuntz hatte erst Ende April betont: "Ich plane ihn fest ein, wenn ihn Jogi nicht für die EM braucht." Kuntz mahnte allerdings mehr Spielzeit für Henrichs an, der in der laufenden Saison lange mit Patellasehnenproblemen kämpfte.

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Klostermann "ist etabliert"

Diese Einsatzzeit bekam der Verteidiger zuletzt im RB-Trikot und machte seine Sache dabei nicht schlecht. Trainer Julian Nagelsmann fand vor allem nach seiner Einwechslung gegen Werder Bremen im DFB-Pokal-Halbfinale (2:1) lobende Worte: „Er war heute der beste Spieler auf dem Feld, als er reinkam. Er war der Auffälligste, ein großes Kompliment dafür.“ Auch im Ligaspiel gegen Stuttgart (2:0) zeigte sich Henrichs in guten Verfassung. Dennoch hat er weit weniger Einsätze als Klostermann und Halstenberg, die trotz ihrer Ausfälle in der Liga immerhin 22 beziehungsweise 23 Spiele mitgemacht haben.

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Lukas Klostermann verpasste in der Hinrunde aufgrund einer Arthroskopie im Knie neun Partien, konnte lange Zeit nicht ins Mannschaftstraining einsteigen. Die Hoffnung, dass es noch vor dem Jahreswechsel mit einem Einsatz klappt, erfüllte sich nicht. Eine Begegnung über 90 Minuten absolvierte er nach drei Monaten erstmals wieder im Januar gegen Union Berlin (1:0). Aus dem Kader ist er seither nicht mehr wegzudenken, überzeugt auf der Position des rechten Innenverteidigers. Nagelsmann ließ ihn allein in der Rückrunde sieben Mal über die komplette Spielzeit auf dem Platz. Auf diese Routine setzt auch Jogi Löw. "Er ist etabliert, ist schon lange bei uns dabei", sagte der Bundestrainer bei der Nominierungs-PK am Mittwoch.

Wiedersehen mit Timo Werner

Auch Marcel Halstenberg verpasste aufgrund diverser Probleme, vor allem im Adduktorenbereich, sieben Spiele in der laufenden Saison. Dreimal stand er überhaupt nicht im Kader. Trotzdem brachte er es auf über 660 Spielminuten in der Rückrunde. Kam er zum Einsatz, war der Coach mit seiner Leistung grundsätzlich zufrieden. Dass Löw ihn nominierte, hat der 29-Jährige auch den Champions-League-Auftritten mit RB zu verdanken. "Klostermann und Halste haben jetzt international mit Leipzig Einiges an Erfahrung gesammelt", begründete der Coach der DFB-Elf. "Beide sind in den letzten Jahren stetig besser geworden."

Bei der EM werden beide ihren Ex-Kollegen Timo Werner wiedersehen. Der gebürtige Stuttgarter kämpft seit seinem Wechsel zum FC Chelsea immer wieder mit Problemen, bezeichnete die laufende Spielzeit zuletzt gegenüber Sky Sports als die "vielleicht unglücklichste Saison, die ich je hatte und je haben werde. Denn schlimmer kann es nicht sein." Auch in der Nationalelf lief es nicht mehr so recht, vor allem nach der Partie gegen Nordmazedonien stand der Angreifer in der Kritik. Dennoch vertraut Bundestrainer Löw auf das Talent der 25-jährigen Stürmers, lobte am Mittwoch vor allem dessen Schnelligkeit.

Fragezeichen hinter Laimer

Aus den Reihen der Roten Bullen sind zudem Marcel Sabitzer und Konrad Laimer für die Österreichische Elf berufen worden. Überraschend ist dabei vor allem die Nominierung von Laimer Laimer, der nach seiner Arthroskopie 263 Tage lang kein Spiel bestritten hatte und zuletzt nur zweimal in der Liga und einmal im DFB-Pokalfinale gegen Borussia Dortmund (1:4) auflief. Am längsten stand er in der Partie gegen den VfL Wolfsburg (2:2) auf dem Platz, als ihn Trainer Nagelsmann eine ganze Halbzeit ran ließ.


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Dennoch steht hinter Laimers EM-Einsatz ein Fragezeichen. Denn Teamchef Franco Foda benannte zunächst 30 Spieler, muss seinen endgültigen Kader also bis zum Stichtag 01. Juni noch um vier Akteure reduzieren. Die Österreicher kämpfen mit Verletzungsproblemen. Neben Kapitän Julian Baumgartlinger (Kreuzbandriss im Januar) sind auch Marko Arnautovic (muskuläre Probleme im Oberschenkel) und Christoph Baumgartner (Sprunggelenksverletzung) zumindest fraglich. Er habe mit allen Akteuren telefoniert, so Foda, der zum speziellen Fall des Leipzigers sagte: "Klar hat Laimer über längere Zeit nicht über 90 Minuten gespielt, aber er bewegt sich auf jeden Fall in die richtige Richtung."