13. November 2018 / 13:24 Uhr

RB Leipzigs Ralf Rangnick über Löw-Fehler, WM-Tickets und Herbstbelastung

RB Leipzigs Ralf Rangnick über Löw-Fehler, WM-Tickets und Herbstbelastung

Frank Schober
Ralf Rangnick kommt am Donnerstag mal wieder in die glückliche Lage, ein DFB-Spiel live im Stadion verfolgen zu können.
Ralf Rangnick kommt am Donnerstag mal wieder in die glückliche Lage, ein DFB-Spiel live im Stadion verfolgen zu können. © dpa
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Sein erstes Länderspiel besuchte RB Leipzigs Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick 1974. Erspielt hatte er sich die Tickets beim Torwandschießen. Mit dem SPORTBUZZER hat er über seine Zuschauererfahrungen bei internationalen Spielen, Ballbesitzfußball und Spielerbelastung gesprochen.

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Leipzig. Länderspiele der deutschen Fußball-Nationalmannschaft sieht auch Ralf Rangnick – aus Zeitgründen – nur selten live im Stadion. Zuletzt war das vor drei Jahren der Fall, als die Elf von Jogi Löw in Leipzig gegen Georgien 2:1 gewann. In dieser Woche ist RB Leipzig nun Gastgeber fürs DFB-Team, das in der Akademie der Roten Bullen am Cottaweg mehrere Trainingseinheiten absolvieren wird.

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Julian Brandt gibt bei der Ankunft am Leipziger Hotel The Westin Autogramme. Zur Galerie
Julian Brandt gibt bei der Ankunft am Leipziger Hotel "The Westin" Autogramme. ©
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Mit echten Strumpfschüssen zur WM

Am Donnerstag (20.45 Uhr, RTL) wird der RB-Trainer und -Sportdirektor die Partie gegen Russland von der Tribüne der Red-Bull-Arena aus verfolgen. Sein erstes Länderspiel – erzählte er dem SPORTBUZZER – habe Rangnick mit 16 Jahren bei der WM 1974 in Stuttgart gesehen – ohne deutsche Beteiligung. Wie er zu den Tickets kam? „Eine Woche vor dem WM-Auftakt habe ich mit dem SV Unterweissach ein Turnier gewonnen. Ganz zum Schluss durfte ich noch beim Torwandschießen mitmachen – die wollten gerade abbauen. Der Gewinner des Torwandschießens hat zwei WM-Karten bekommen. Ich habe meine Kickschuhe ausgezogen und strumpfig geschossen. Bis dahin hatte der Führende vier Treffer – ich habe fünf Mal getroffen und damit die Karten gewonnen.“

Er habe dann ein Spiel der Polen gesehen. Der spätere WM-Dritte mit Torschützenkönig Grzegorz Lato zeigte begeisternden Fußball, bezwang in Stuttgart Argentinien und Italien. „Ich war dann auch Polen-Fan“, erinnert sich Ralf Rangnick, der als Kind bei Länderspielen länger aufbleiben durfte. „Ich bin ja 1958 am Tag des WM-Finales zwischen Brasilien und Schweden geboren. Mein Vater hatte mit Fußball nichts am Hut. Meine Mutter war der Fußballfan in der Familie. Was mich betrifft: Was soll aus mir anderes werden bei dem Geburtsdatum?“

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Ralf Rangnick übernimmt zum zweiten Mal den RB-Trainerposten. Zur Galerie
Ralf Rangnick übernimmt zum zweiten Mal den RB-Trainerposten. ©

1982 fuhr Ralf Rangnick mit Freunden zur WM nach Spanien – als England-Fan. Denn er hatte damals schon ein Jahr in England studiert. „Die WM war für mich und meine Freunde eine tolle Mischung aus Strandurlaub in Biarritz und alle vier, fünf Tage ein klasse Spiel in San Sebastian oder Bilbao, wo die Engländer gespielt haben.“ Gegen Frankreich hatten seine Freunde und er aber Karten im Block der Franzosen. „Dort wollten wir als England-Fans allerdings nicht sitzen. Wir haben dann beim Einlass den Ordner abgelenkt und sind dadurch in unseren Wunsch-Sektor gelangt.“ England gewann 3:1 – alle England-Fans hätten die Taschentücher geschwenkt und „Au Revoir“ gesungen.

Hohe Belastung im Herbst

Zurück zur Gegenwart. Das Spiel in Leipzig gegen Russland ist eines der wenigen Freundschaftsspiele in diesem Herbst inmitten der Nations League. Fremdelt Ralf Rangnick mit dem neuen Wettbewerb? „Da gibt es zwei Betrachtungsweisen. Freundschaftsspiele waren auch immer eine Belastung für die Spieler, selbst wenn es sportlich um nicht so viel ging. Insofern kann man sagen, jetzt ist im positiven Sinne mehr Druck da, weil es ein Wettbewerb ist.“

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Die andere Betrachtungsweise sei: „Um jungen Spielern eine Chance zu geben und mal was auszuprobieren, geht das leichter in Freundschaftsspielen. Jogi Löw konnte jetzt im Herbst nur in überschaubarem Maße Dinge ausprobieren. Für ihn war wichtig, dass die Ergebnisse stimmen. Ich finde es zwar besser, wenn es in den Spielen um etwas geht, aber von einem eher künstlich neu geschaffenen Wettbewerb bin ich nicht unbedingt Fan.“

Die Gesamtbelastung für die Spieler schätzt der RB-Trainer gerade im Herbst als sehr hoch ein: „Ich persönlich würde mir als Trainer und Sportdirektor zwischen Sommer und Weihnachten eine Abstellungsperiode weniger wünschen – also zwei statt drei. Ich glaube, da spreche ich im Namen vieler anderer Kollegen.“

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Weltmeister-Macher und Rekord-Bundestrainer: Bereits seit 2006 trainiert Joachim Löw die deutsche Nationalmannschaft. Der SPORTBUZZER zeigt die emotionalsten Momente der Ära Löw!  ©

Ballbesitzfußball kein exklusives deutsches Problem

Warum die DFB-Elf bei der WM in Russland so weit unter ihren Möglichkeiten blieb, könne Ralf Rangnick „nur aus der Ferne und als Außenstehender“ beurteilen. „Mich hat damals die Nichtnominierung von Leroy Sané überrascht. Er wurde als bester Nachwuchsspieler der Premier League geehrt, hat mit Manchester City souverän die Meisterschaft gewonnen und war bei Pep Guardiola gesetzt. So ein Spieler hat uns mit seinem Tempo sowie seiner frechen und mutigen Spielweise schon gefehlt.“

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Ein weiterer Punkt sei die Spielanlage, „wenn du Ballbesitzfußball zu sehr kultivieren willst. Das hat der Bundestrainer in seiner Analyse ja auch selbst bereits erwähnt. Und dieses Problem hatte Deutschland nicht exklusiv. Das ging auch anderen Nationen, die sich zumindest Hoffnungen auf das Halbfinale gemacht hatten, so – Spanien, Argentinien, Brasilien, Portugal.“ Oder den Italienern, die erst gar nicht bei der WM dabei waren.

Ralf Rangnick ist gespannt auf das Match in Leipzig gegen Russland. Dass es wenige Tage vorher noch reichlich Tickets gibt, liege seiner Meinung nach auch daran, dass es sich um ein Freundschaftsspiel handelt. „Wenn es um richtig was gehen würde, wäre das Stadion sicher längst ausverkauft.“ Dann erzählt der 60-Jährige mit Augenzwinkern aus seiner Zeit auf Schalke: „In Gelsenkirchen hieß es immer scherzhaft: Wenn du dort das Flutlicht anschaltest, laufen schon mal 30 000 los, weil sie denken, es findet ein Spiel statt. Ganz so weit sind wir in Leipzig noch nicht.“

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