25. August 2018 / 08:25 Uhr

RB Leipzigs Ralf Rangnick: „Wir Trainer sind der Spiegel der Mannschaft“

RB Leipzigs Ralf Rangnick: „Wir Trainer sind der Spiegel der Mannschaft“

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
RB-Coach Ralf Rangnick
RB-Coach Ralf Rangnick © dpa
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Ralf Rangnick spricht im Sportbuzzer-Interview u.a. über den Weggang des Trainer-Duos Hasenhüttl & Löw sowie den idealen Fußballer.

Leipzig. Seit Sepp Herberger wissen wir, dass nach dem Spiel vor dem Spiel ist. Matthias Sammer toppte die Nummer mit „das nächste Spiel ist immer das nächste“. Zuweilen ist das nächste auch noch hundsgemein schwer. RB Leipzig muss nach dem 0:0 in einem gewöhnungsbedürftigen Stadion gegen ein gewöhnungsbedürftiges Team auf Bundesliga-Hochleistungsmodus umschalten. Beim Auftakt am Sonntag in Dortmund (18 Uhr) ist alles anders als beim Playoff-Kick in Saporischschja. 80 000 Fans statt 5000, öffentlicher Fokus statt Nachtschatten, Marco Reus statt Chomtschenowsky. RB-Coach Ralf Rangnick, 60, über neue und alte Liebe, den Einfluss der Sportwissenschaft auf Training und Aufstellung, neu angeschaffte Seven-Sundays-Betten, Doppel-Pass mit Timo Werner und die morgige Partie im Signal-Iduna-Park.

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Bei Steffen Göpels Golf-Charity haben Sie Leipzig Ihre Liebe gestanden. Wen oder was lieben Sie?

Das Gesamtpaket. Die Menschen hier sind freundlich, herzlich und offen. Bei uns Schwaben dauert es für gewöhnlich etwas länger, bis wir mit „Reingeschmeckten“ warm werden. Und über die Lebensqualität in dieser sensationellen Stadt muss ich ihnen nichts erzählen. Dass die Jobzufriedenheit immer auch dazugehört, ist selbstverständlich. Ich fühle mich hier extrem wohl und Leipzig ist meine neue Heimat geworden.

11.GRK Golf Charity Masters Leipzig auf dem Golfpark in Machern. Ralf Rangnick
Foto: Andre Kempner
11.GRK Golf Charity Masters Leipzig auf dem Golfpark in Machern. Ralf Rangnick Foto: Andre Kempner © Kempner

Ralf kommt vom althochdeutschen Radulf, setzt sich zusammen aus der Ratgeber und der Wolf. Wussten Sie das?

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Nein, danke für den Hinweis. Wölfe sind in Deutschland ja wieder zahlenmäßig im Kommen.

Trainerjahre sind Hundejahre, Männern Ihres Metiers kann man beim Altwerden zusehen. Bei Ihnen hat man den Eindruck, dass das zweite Comeback einen jungen Mann aus Ihnen macht.

Warten wir mal ab, ob Sie das am Ende der Saison immer noch so sehen. Wahr ist, dass ich mit sehr gut fühle, energetisch auf einem sehr guten Level bin. Dass der Trainerjob zu den stressigsten Berufen überhaupt gehört, steht außer Frage. Wir müssen ständig Entscheidungen treffen, werden permanent intern und natürlich auch öffentlich bewertet. Es ist ein wundervoller und gleichzeitig auch unglaublich anspruchsvoller Beruf.

Stimmt es, dass Sie Zsolt Löw den Cheftrainer-Job angetragen haben?

Wir haben mit ihm über seine Zukunft gesprochen. Zsolt hatte mir schon im Februar gesagt, dass er sich verändern will. Ich habe mit allen Mitteln, die mir zur Verfügung standen, versucht, ihn davon zu überzeugen, bei uns zu bleiben. Ich wünsche ihm, dass er in Paris mit Thomas Tuchel Erfolg hat und glücklich wird. Zsolt hat absolutes Cheftrainer-Potenzial, ist charakterlich und fachlich überragend.

Wie blicken Sie heute auf die Gemengelage in Sachen Ralph Hasenhüttl?

Ich wollte mit Ralph in die Saison 2018/2019 gehen, hatte keinen Plan B. Ralph wollte aber nur bleiben, wenn sein Vertrag über 2019 hinaus verlängert wird. Das war seine Bedingung.

Vorhaben
Julian Nagelsmann wird zur kommenden Saison das Traineramt bei RB Leipzig antreten. © Uwe Anspach

Das konnten, wollten Sie nicht, weil Sie da schon mit Herrn Nagelsmann einig waren und der Job ab 2019 besetzt war.

Nein, es gab zu diesem Zeitpunkt keine Einigung mit einem anderen Trainer.

Wie hat man sich die Gesprächsatmosphäre beim finalen Treffen mit Hasenhüttl vorzustellen? Wurde es laut?


Wir sind in ruhigem Ton auseinandergegangen. Das Ganze lief sehr anständig, respekt- und niveauvoll ab.

Sie selbst sind Hasenhüttls Nachfolger geworden. War das alternativlos?

Nach Abwägung aller Vor- und Nachteile war das die sinnvollste Lösung für den Verein. Ich bin jetzt wieder mittendrin. Es ging in dieser Situation wie 2015 darum, Verantwortung zu übernehmen.

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Und ab sofort wird vom neuen alten Chef ab und an zum zeitigen Heimgang geblasen?

Ja, das passiert. Wir Trainer sind der Spiegel der Mannschaft, wenn man so will ihr Barometer. Wenn unsere Akkus nicht aufgeladen sind, wirkt sich das negativ auf die Spieler aus.

Sie sind seit über 30 Jahren in Geschäft. Wie sehr hat sich das Anforderungsprofil des Trainers verändert?

Es hat sich extrem verändert, ist facettenreicher und anspruchsvoller geworden. Es gibt da die Geschichte von Hansi Müller, der mit Erst Happel reden wollte. Happel soll gesagt haben: ,Wenn’st reden willst, geh‘ zum Frisör.‘ Das geht heute nicht mehr. Die Basis erfolgreicher Arbeit ist ein guter und vertrauensvoller Umgang mit den Spielern. Jeder Spieler ist anders, Spieler aus verschiedenen Ländern brauchen unterschiedliche Ansprache, Behandlung und Führung.

Ein Sinnbild für Leipzigs Offensiv-Power: Emil Forsberg.
RB Leipzigs Emil Forsberg hat seine Wechselabsichten ad acta gelegt und wird in der Messestadt bleiben. © Imago

Emil Forsberg ist Vater geworden und hat die gepackten Koffer wieder ausgepackt.

Vom Baby weiß ich, von gepackten Koffern weiß ich nichts. Emil ist mit 26 im besten Fußballer-Alter, muss wieder in die körperliche Verfassung kommen, die er 2016/2017 hatte. Dann ist er in der Bundesliga ein Unterschiedsspieler mit herausragenden Fähigkeiten. Er braucht jetzt die Fitness, um wieder Vertrauen in sein Spiel zu bekommen.

Die Forsbergs haben Ihr Babyglück mit der Welt geteilt. Wann steigen Sie bei Instagram, Twitter, Facebook ein?

Das wird nicht passieren. Wen soll es interessieren, was ich esse und wo ich im Urlaub bin? Ich habe dazu auch keine Zeit. Aus Zeitgründen habe ich die Mailbox bei meinem Handy ausgeschaltet. Wer etwas Wichtiges auf dem Herzen hat, simst oder ruft so lange an, bis er mich erreicht.

Lobanowski, Klopp, Hasenhüttl, Heynckes, Rangnick, Nagelsmann, Guardiola und so weiter. Wer ist der ideale Trainer?

Wichtig ist es, authentisch zu sein, niemandem nachzueifern. Pep Guardioala hat aus meiner Sicht in den vergangenen zehn Jahren Maßstäbe gesetzt. Er hat eine klare Philosophie, eine dementsprechende Kaderplanung, er ist belastbar und nie zufrieden. Ich kann mich an eine Szene erinnern, da stand es 6:0 für die Bayern und er hat an der Seitenlinie eine Minute lang auf Jo Kimmich eingeredet und ihm erklärt, was er besser machen kann. Pep ist ein Perfektionist und er hat immer auch ein gutes Verhältnis zu seinen Spielern.

RB-Trainer Ralf Rangnick vertraut auch in dieser Saison auf die Qualitäten von Nationalspieler Timo Werner. 
RB-Trainer Ralf Rangnick vertraut auch in dieser Saison auf die Qualitäten von Nationalspieler Timo Werner.  © dpa

Wir basteln uns aus einem Leipziger Sportler den idealen Fußballer. Was könnte Timo Werner beisteuern?

Schnelligkeit und Abschlussstärke.

Er könnte auch eine Vertragsverlängerung beisteuern.

Er hat uns den Ball zugespielt, den nehmen wir gerne auf. Wir befinden uns in Gesprächen.

Yussuf Poulsen?

Yussis Lernwilligkeit, Lernfähigkeit und seine Physis sind phänomenal. Er hat bei uns dritte Liga gespielt und spielt jetzt international. Hut ab.

Dominik Kaiser (RB #24) beim KaiseRBall Abschiedsspiel von RB Leipzig für Dominik Kaiser (RB #24) am 13.05.2018 in der Red-Bull-Arena Leipzig (Sachsen).
Dominik Kaiser verabschiedet sich von den Fans und bedankt sich für die Unterstützung. © Christian Modla

Dominik Kaiser ...

... ist und bleibt eine RB-Legende. Note 1 als Mensch und Fußballer.

Willi Orban ....

Ist 100-Prozent-Vollprofi. Er gibt und tut alles für seinen Beruf. Und für die Mannschaft.

Das Puzzleteil namens Selbstbewusstsein könnte Marcel Sabitzer beisteuern.

Marcel weiß, was er kann. Selbstzweifel gehören bei ihm nicht zur Grundausstattung.

Leipzigs Tor-Debütant Dayot Upamecano feiert seinen Treffer zum 1:0 gegen Augsburg.
Körperliche Präsenz und Schnelligkeit sind die Stärken von RB Leipzigs Abwehrjuwehl Dayot Upamecano. © Jan Woitas

Die Physis käme von Dayot Upamecano dazu.

Aktuell ist noch etwas Sand im Getriebe, aber das wird in ein paar Wochen schon wieder ganz anders aussehen.

Das Werben um neue Spieler wäre einfacher, wenn RB Leipzig Champions League spielen würde.

Nein. Es hat mir noch kein einziger Spieler abgesagt, weil er unbedingt Champions League spielen will.

Der Pariser Julian Draxler wird mit RB in Zusammenhang gebracht.

Alfred Draxler (Journalist; Red.) könnten wir wahrscheinlich bezahlen, Julian definitiv nicht.

Meister wird Bayern?

Im Normalfall ja. Aber ich habe die Hoffnung, dass es oben enger zugeht. Dass man mit einem Punkteschnitt von 1,6 Dritter und mit 1,5 Fünfter bzw. Sechster wird, wird so schnell nicht wieder passieren.

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