06. Mai 2019 / 21:03 Uhr

RB Leipzigs Rangnick: „Wie Herberger mit gezinkten Karten spielen – das geht nicht“

RB Leipzigs Rangnick: „Wie Herberger mit gezinkten Karten spielen – das geht nicht“

Frank Schober
Leipziger Volkszeitung
Ralf Rangnick zu Gast beim LVZ-Talk mit Guido Schäfer am 6. Mai 2019 in der Kongresshalle Leipzig.
Hatten reichlich Zuhörer vor sich: Ralf Rangnick und Gastgeber Guido Schäfer. © Dirk Knofe
Anzeige

Die Kongreßhalle war gut gefüllt. 600 Zuschauer lauschten RB Leipzigs Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick beim LVZ-Talk. Die Themen: Bayern München, seine Top-Stürmer Poulsen und Werner und Einiges mehr. Der SPORTBUZZER hat den Abend zusammengefasst.

Anzeige
Anzeige

Leipzig. Die Champions League ist ebenso wie das Pokalfinale in Sack und Tüten, Tabellenplatz drei in der Bundesliga zementiert. Grund genug für RB Leipzigs Trainer Ralf Rangnick, am Montag in guter Tradition als gefeierter Talk-Gast bei LVZ-Chefreporter Guido Schäfer Rede und Antwort zu stehen.

Die Einnahmen des Abends vor 600 Zuschauern in der Kongreßhalle am Zoo flossen in die Stiftung von Ralf Rangnick, die Leipziger Grundschüler – insbesondere beim Thema Fahrradführerschein, gesunde Ernährung und Digitalisierung – unterstützt. Der 60-Jährige bedankte sich bei Messe-Chef Martin Buhl-Wagner, dass für den Abend keine Mietkosten fällig waren.

DURCKLICKEN: Bilder vom LVZ-Talk mit Ralf Rangnick

RB Leipzigs Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick war am 6. Mai zu Gast im LVZ-Talk in der Kongreßhalle. Sein Gesprächspartner vor mehreren hundert Gästen: Guido Schäfer. Zur Galerie
RB Leipzigs Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick war am 6. Mai zu Gast im LVZ-Talk in der Kongreßhalle. Sein Gesprächspartner vor mehreren hundert Gästen: Guido Schäfer. © Dirk Knofe

Zuletzt saß der RB-Sportdirektor vor einem Jahr bei Guido Schäfer im LVZ-Podium, als er gemeinsam mit Dominik Kaiser auf die Leipzig-Karriere des Vorzeige-Profis und langjährigen RB-Kapitäns blickte. Diesmal ging es natürlich um die bevorstehenden Knaller-Spiele gegen den FC Bayern. Beifall erhielt der Moderator, als er mit Blick auf das Pokalfinale am 25. Mai von „chancenlosen Bayern“ sprach und festhielt: „Eines steht fest: In Leipzig werden sie am Sonnabend nicht Meister.“ Ralf Rangnick sagte...

Zur „verspielten“ Titelchance:

„Am Freitagabend habe ich unserem verpassten Sieg in Mainz doch etwas nachgetrauert, aber nach dem 3:1 der Bayern gegen Hannover hatte ich den Mainzer Ausgleich zum 3:3 dann doch überwunden.“

Guido Schäfer und RB-Trainer Ralf Rangnick im LVZ-Talk

Zum Aus in der Europa League im Dezember:

„Das letzte Gegentor gegen Trondheim tut immer noch weh. Aber als ich Eintracht Frankfurt am Sonntag sah, wie sie in Leverkusen nach einer halben Stunde 1:6 zurücklagen, habe ich mich gefragt: Wo würden wir in der Bundesliga stehen, wenn wir auch noch das Halbfinale der Euro League spielen würden? Womöglich hätten wir jetzt zehn, zwölf Punkte weniger. Wenn ich ganz ehrlich bin, spiele ich lieber in der nächsten Saison wieder Champions League.“

Über Yussuf Poulsen, der 2013 für 600.000 Euro verpflichtet wurde:

„Erstens hat er das Doppelte gekostet, das kann ich ja heute mal sagen. Von ihm war ich von Anfang an überzeugt. Er war schon damals ein außergewöhnlicher Junge von der Persönlichkeitsstruktur. Dieses Jahr freut mich besonders, dass er noch einen Riesensprung gemacht hat in Sachen Technik und Toreschießen. Er ist schon jetzt einer der besten Stürmer der Bundesliga, ich sehe aber auch in den kommenden Jahren für ihn keine Grenzen.“

Mehr zu RB

Zum Trainer-Verhalten gegen Schiedsrichter und vierte Offizielle:

"Ich habe mir vor der Saison vorgenommen, mich nicht durch Emotionen aus meiner Mitte und Balance bringen zu lassen. Denn ich muss im Spiel viele Entscheidungen treffen, die stimmig sind. Es macht Sinn, die Dinge zu akzeptieren und nicht ständig mit dem Zeigefinger auf die Unparteiischen zuzugehen.“

Zu den Duellen gegen den FC Bayern:

„Grundsätzlich will ich immer gewinnen. Am Samstag mit gezinkten Karten zu spielen und wie Sepp Herberger 1954 gegen Ungarn mit einer B-Elf 3:8 zu verlieren, geht nicht. Ein Erfolgserlebnis hat psychologische Auswirkungen fürs Pokalfinale. Wir wollen die Bayern fordern und wenn möglich schlagen. Aber nicht, um sie zu ärgern, sondern aus Eigennutz. Im Idealfall wollen wir beide Spiele gewinnen.“

DURCHKLICKEN: Die bisherigen Duelle zwischen RB und Bayern

21.12.2016:  Bayern München - RB Leipzig 3:0, Yussuf Poulsen mit Philipp Lahm im Zweikampf. Zur Galerie
21.12.2016: Bayern München - RB Leipzig 3:0, Yussuf Poulsen mit Philipp Lahm im Zweikampf. ©

Zum Problem von Profis wie Per Mertesacker, Beruf und Spiele zu genießen:

„Es hängt viel vom Typ ab. Das Thema Geld ist kein Motivator. Die hohen Gehälter führen bei jungen Profis eher zu zusätzlicher Belastung. Es heißt trotzdem Fußballspielen, die Profis brauchen Lockerheit und spielerische Leichtigkeit. Am Ende hat das was mit Energie zu tun. Wir versuchen, Spielern nicht die Rolle des Sündenbocks oder Schuldgefühle zuzuschieben. Das musste ich in meiner Trainer-Karriere auch erst lernen.“

Und direkt zu Lebemann und Ex-Zweitligaprofi Schäfer:

„Eines kann ich dir sagen: Wenn du Spieler bei mir gewesen wärst, hättest du unter Garantie mit Rauchen und Trinken aufgehört.“ Schäfer erwiderte: „Lieber Spaß im Leben haben als spaßbefreit in der Bundesliga spielen.“