08. November 2021 / 21:20 Uhr

RB Leipzigs Sieg gegen Dortmund: Jesse Marschs Explosion der Gefühle

RB Leipzigs Sieg gegen Dortmund: Jesse Marschs Explosion der Gefühle

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Jesse Marsch schreit seine Freude über den Heimsieg von RB Leipzig gegen Borussia Dortmund ins weite Rund des Stadions.
Jesse Marsch schreit seine Freude über den Heimsieg von RB Leipzig gegen Borussia Dortmund ins weite Rund des Stadions. © Getty Images
Anzeige

Die Druckentladung bei Jesse Marsch nach 2:1 gegen Dortmund war deutlich sichtbar. Der Berlin-Besuch des RB-Trainers mit seiner Familie an seinem 48. Geburtstag sorgt hingegen wieder für Entspannung.

Leipzig. Man stelle sich nur für einen Moment vor, die Roten Bullen hätten sich am Sonnabend wieder nicht belohnt, hätten auch gegen den BVB wider aller Logik des Spielverlaufs nicht gewonnen. Wie schon in Köln, in Frankfurt, gegen Paris, als jeweils nur ein Pünktchen um die Ecke kam und sich die Gegnerschaft übers Remis wunderte und selbiges freudig erregt entgegennahm.

Anzeige

Hoher Besuch in Leipzig

Ein Unentschieden gegen Dortmund hätte Cheftrainer Jesse Marsch und Co. vor der Länderspielpause in Mark, Bein und sonst wohin getroffen. Ein Remis hätte das Vorhandensein von Gerechtigkeit im Sport ad absurdum geführt. Nur ein Pünktchen und zwischen Anspruch (Champions-League-Quali) und Wirklichkeit (Platz neun) hätte ein Gelenkbus der LVB gepasst. Quer.

JETZT Durchklicken: Die Bilder vom 2:1-Erfolg gegen den BVB

Ganz stark RB Leipzig! Mit der bisher besten Saisonleistung gewannen die Messestädter gegen Borussia Dortmund mit 2:1. Zur Galerie
Ganz stark RB Leipzig! Mit der bisher besten Saisonleistung gewannen die Messestädter gegen Borussia Dortmund mit 2:1. ©

Kein Heimsieg hätte zudem einen Schatten über einen prominenten Leipzig-Besuch geworfen. Philipp Lahm, 37, Turnierdirektor der Euro 2024, und Euro-Botschafterin Celia Sasic, 33, schauen sich am Dienstag die Euro-Austragungsstätte Red-Bull-Arena an, sprechen mit hochrangigen Vertretern des Clubs und der Stadt. Und sie „zünden“ um 18 Uhr den von den Rasenballern organisierten Laternen-Umzug an.

Brodelnder Marsch

Der 2:1-Sieg der 94 Minuten lang marschierenden Marsch-Männer liefert die Gesprächsgrundlage für den hohen Besuch und die ums Stadion leuchtenden Glühwürmchen, taucht das Ganze in warmes, rosarotes Licht. Lahm, Sasic, Oliver Mintzlaff (RB-Boss), Ulrich Wolter (Direktor Club Competitions & Relations mit besten Beziehungen zum DFB) und all die Laternen-TrägerInnen werden sich am Dienstag des Lebens freuen und sich denken: RB rollt das Feld in der Bundesliga von hinten auf. RB wird in Hoffenheim (20. November), daheim Leverkusen (28.), bei Union Berlin (3. Dezember) und gegen Gladbach (11. Dezember) mindestens zwölf Punkte holen. Und: Leipzig ist der Nabel der Fußball-Welt und idealer Gastgeber für die Euro 2024.

Berlin, Berlin, die Marschs waren in Berlin: Jesse Marsch, Ehefrau Kim und ein Marsch-Sohn flanierten am Montag durch Berlin. Auf Einladung des Familien-Oberhauptes. Der US-Amerikaner feierte seinen 48. Geburtstag im Kreis seiner Lieben, lud zum Essen, gönnte sich und den Seinen eine Auszeit vom Fußball-Stress. Marsch sagt, dass er mit dem Begriff Druck nichts anfangen kann und Unwägbarkeiten, Rückschläge, Dellen als Herausforderung begreift. Beim Abpfiff sah es dann aber doch schwer nach einem brodelnden Kochtopf aus, von dem gerade der Deckel wegfliegt und die Sicht auf schmackhafte Al-Dente-Nudeln bietet.

Marsch und Nkunku in einem Haus

Dieser Sieg und das Zustandekommen waren von elementarer Bedeutung für Marsch, für seine Fußballer und all die Bediensteten, die täglich im Detail am großen Ganzen arbeiten. Auch für Chef Oliver Mintzlaff. OM umarmte Marsch, wollte den Coach nicht wieder loslassen. Er, Mintzlaff, sei in den letzten Wochen immer ruhig geblieben, habe nie an Marsch gezweifelt, sagte er später im ZDF. Und falls es sich mit den Nicht-Zweifeln im Oktober/November 2021 geringfügig anders zugetragen hat, wird das nie jemand erfahren.


Mehr zu RB Leipzig

Living next door to Christo: Weil Marsch einen engen Draht zu seinen Fußballern hat und ein dankbarer Typ ist, sollte Christopher Nkunku unbedingt einen Stiefel oder Turnschuh vor seine Haustür stellen.

Marsch und Nkunku wohnen in Gohlis in einem Haus (unterschiedliche Etagen), verstehen sich sozusagen blind. Und weil der eine (Marsch) dem anderen (Nkunku) zu neuer Blüte (Weltklasse) verholfen hat und der andere (Nkunku) dem einen (Marsch) den Dreier gegen Dortmund auf dem Silbertablett serviert hat, ist klar: Marsch wird Nkunku etwas in den Schuh/Stiefel packen. Vielleicht für Nkunkus Baby.