29. Juni 2018 / 07:53 Uhr

RB Leipzigs Sportdirektor wird 60: Happy Birthday, Ralf Rangnick!

RB Leipzigs Sportdirektor wird 60: Happy Birthday, Ralf Rangnick!

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
RB Leipzigs Sportdirektor Ralf Rannick feiert am 29. Juni seinen 60. Geburtstag. 
RB Leipzigs Sportdirektor Ralf Rannick feiert am 29. Juni seinen 60. Geburtstag.  © GEPA Pictures
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Der RB-Sportdirektor feiert heute in Backnang mit Familie und engen Freunden einen runden Geburtstag. Nach Triumphen in Hoffenheim und auf Schalke führte er Leipzig von der vierten Liga in die Champions League. Die Mission des ewigen Gärtners ist noch nicht beendet.

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Leipzig. Er hat Ausdauerwerte wie einst Waldemar Cierpinksi, er achtet auf den so wichtigen Schlaf vor 24 Uhr, er hat noch nie in seinem Leben einen Kurzen getrunken, und wenn er keinen Gürtel tragen würde, würden ihm die Jeans in den elastischen Kniekehlen hängen. Heute feiert der Mann, der RB Leipzig wachgeküsst und den Körper eines Mitvierzigers hat, seinen 60. Geburtstag. In Backnang im kleinen Kreis. Familie, enge Freunde. Mit Pasta und ein, zwei Gläslein Wein. Heute darf gesündigt werden, heute ist vieles erlaubt. Nur Meeresfrüchte gibt es keine, die mag er nicht.

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Beitragen zum Geburtstag-Beitrag kann und will Sportdirektor Ralf Rangnick nicht. Interviews gibt es erst wieder am 9. Juli zum Trainingsauftakt seiner Roten Bullen. Gut möglich, dass er an jenem Tag als Nachfolger von Ralph Hasenhüttl auf dem Podium sitzt. RB muss die Zeit bis zum Dienstantritt von Julian Nagelsmann im Sommer nächsten Jahres mit einer überzeugenden und über den Dingen schwebenden Lösung füllen. Alle diesbezüglichen Wege führen zu: Rangnick.

Sechs Jahre Ralf Rangnick bei RB Leipzig. Auf Spurensuche nach einem Getriebenen.

Ungezählte Interviews

Unser erstes Mal: Salzburg, Hangar 7, Ende Juli 2012. Pressekonferenz mit Rangnick, dem neuen Herrn & Gebieter über die Red-Bull-Fußball-Standorte Salzburg und Leipzig. Die österreichischen Journalisten nehmen keine Rücksicht auf die Piefkes Schäfer (LVZ) und Stefan Krause (Bild), fragen ohne Unterlass, kreisen um sich und Salzburgs Kicker. Eine deutsche LVZ-Grätsche später sind die journalistischen Wunderwuzzis eingenordet. Salzburg wird auf Sicht Leipzigs Werkbank, kein Mensch interessiert sich für den 85. Ösi-Titel, solche Sachen. Rangnick sagt, dass er beide Clubs auf links zu drehen gedenkt und beide gleich lieb hat.

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Sechs Jahre Rangnick, ungezählte Interviews. Rangnick kann ein charmanter Gesprächspartner, aber auch ganz anders sein. Wer schlecht vorbereitet ist, hat ein Problem. Wer 0815-Fragen stellt, hat ein noch größeres Problem. Über die Güte der Vorbereitung und Fragen und den Sitz der Gürtellinie befindet: Rangnick. Nach Niederlagen sollte man den Höher-Schneller-Weiter-Schwaben nur ansprechen, wenn es gar nicht anders geht. Rangnick kann nicht aus seiner Haut, will immer gewinnen. Selbst beim Mau-Mau mit seinen Kindern.

Aus den gesammelten LVZ-Werken

„Veränderungen erfüllen keinen Selbstzweck. Wir verfolgen eine Strategie. Gute, motivierte Leute schicken wir nicht weg.“ (2012)

„Wir haben in fünf Wochen in Salzburg und Leipzig so viel verändert, wie andere Klubs in fünf Monaten.“ (2012)

Leipzig wird irgendwann Bundesliga spielen, das ist für mich klar. Als Verantwortlicher will ich, dass es möglichst schnell geht.“ (2012)

„Der Fußballer Rangnick war laufstark, willig und wissbegierig, hatte das Zeug für irgendetwas zwischen dritter und zweiter Liga. Mehr war da nicht.“ (2013)

Bilder: RB-Leipzig-Sportdirektor Ralf Rangnick im LVZ-Talk mit Guido Schäfer

RB-Leipzig-Sportdirektor Rangnick im LVZ-Talk (28) (Dirk Knofe) Zur Galerie
RB-Leipzig-Sportdirektor Rangnick im LVZ-Talk (28) (Dirk Knofe) ©

„Erfolgsorientiertes Arbeiten und Freude am Leben müssen sich nicht ausschließen. Man muss auf sich aufpassen. Das tue ich. Ich ernähre mich gesund, esse regelmäßig, schlafe gut, bin energetisch auf einem sehr guten Level“ (2014)

„Dietrich Mateschitz ist nah dran am Geschehen, verfolgt auch wirtschaftliche Interessen. Ich sehe da keinen Widerspruch.“ (2015)

„Ich überfordere keinen. Aber klar ist auch, dass nicht jeder jede Entwicklung mitmachen kann und will. Wenn man sich trennt, passiert das bei uns auf möglichst einfühlsame Art und Weise.“ (2016)

„Glückshormone melden sich bei mir beim Joggen nicht. Ich laufe, weil es gesund ist.“ (2016)

Karsten Günther (Manager SC DHfK Leipzig): Lieber Ralf, ich wünsch dir im Namen unseres Teams alles Gute zum Ehrentag. Viel Gesundheit, Kraft und Freude für die kommenden Aufgaben. Wir hoffen, dass die „Glückssträhne“ bei deinen Handballbesuchen, die wir uns 4 Jahre lang hart erarbeiten mussten, auch in der neuen Saison hält:-).
 (Zum Hintergrund: So lange hat es gedauert, bis der SC DHfK mal ein Heimspiel gewonnen hat, als Rangnick Zuschauer war.)
Karsten Günther (Manager SC DHfK Leipzig): "Lieber Ralf, ich wünsch dir im Namen unseres Teams alles Gute zum Ehrentag. Viel Gesundheit, Kraft und Freude für die kommenden Aufgaben. Wir hoffen, dass die „Glückssträhne“ bei deinen Handballbesuchen, die wir uns 4 Jahre lang hart erarbeiten mussten, auch in der neuen Saison hält:-)." (Zum Hintergrund: So lange hat es gedauert, bis der SC DHfK mal ein Heimspiel gewonnen hat, als Rangnick Zuschauer war.) © Andre Kempner

Und, 2017, zeitnah nach der Qualifikation zur Champions League: „Ralph Hasenhüttl ist einfach ein guter Typ. Er ist bei uns ein noch besserer Trainer geworden. Es ist eine Freude, sich mit ihm auszutauschen. Nicht nur über Fußball. Er passt einfach perfekt zu uns.“

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Zeiten ändern sich. Rangnick hätte gerne noch ein Jahr mit Ralph Hasenhüttl gearbeitet. Aber eben nur dieses eine Jahr. Weil im Hintergrund die Drähte nach Hoffenheim glühten.

DURCHKLICKEN: Rangnicks Karriere bei RB Leipzig in Bildern

Ralf Rangnick übernimmt zum zweiten Mal den RB-Trainerposten. Zur Galerie
Ralf Rangnick übernimmt zum zweiten Mal den RB-Trainerposten. ©

Wer im Glashaus sitzt hat den Rundumblick: Der junge Rangnick hat gegen den Ball getreten, wickelte den Kollegen Tape-Verbände um die Füße, war Teilhaber eines Reha-Zentrums, steuerte notfalls den Teambus, war mit 25 Jahrgangsbester beim Fußball-Lehrer-Lehrgang, wurde Bundesliga-Trainer und Sportdirektor.

Aus dem Fußballer Rangnick wird Anfang der 80-er Jahre der Spielertrainer Rangnick. Beim FC Viktoria Backnang führt Rangnick die trinkfesten Amateurkicker auf den Pfad der Tugend, weil er mit dem besten und durstigsten Mann einen Deal gemacht hat. Gebechert wird ausnahmslos nach dem Spiel. Über sein Erweckungserlebnis als Trainer und die Begegnung mit einer sowjetrussischen Pressingmaschine sagt Rangnick 2014: „Das hatte ich in den 80-er Jahren als Spielertrainer in Backnang bei einem Test gegen Dynamo Kiew. Nach ein paar Minuten habe ich durchgezählt, ob die ein, zwei Leute mehr auf dem Platz haben.“ Rangnick ist fasziniert vom Fußball, den Walerij Wassyljowytsch Lobanowskyj spielen lässt. Die RB-Philosophie fußt auf jenes Testspiel.

Rangnicks Königstransfers

Im Sommer 2012 zaubert der Sportdirektor Alexander Zorniger aus dem Hut. Alexander wer? Zorniger ist nur Insidern ein Begriff. Jahrgangs-Bester beim Fußball-Lehrer-Lehrgang, lässt im kleinen Großaspach Hochgeschwindigkeits-Fußball spielen, ist junger Wilder der Trainergilde. Nach zwei Aufstiegen trennt man sich – geräuschvoll. Alphatiere flüstern nicht. Weil beide nicht nachtragend sind, sind sie längst wieder dicke Tinte.

Achim Beierlorzer (Ex-RB-Coach, Cheftrainer des Zweitligisten Jahn Regensburg): Lieber Ralf, ich wünsche Dir alles erdenklich Gute zu Deinem 60. Geburtstag. Ich denke immer wieder gerne an unseren Aufstieg in die 1. Bundesliga zurück. Für die nächsten Jahre wünsche ich Dir viel Gesundheit und Freude an all dem was Du tust.
Achim Beierlorzer (Ex-RB-Coach, Cheftrainer des Zweitligisten Jahn Regensburg): "Lieber Ralf, ich wünsche Dir alles erdenklich Gute zu Deinem 60. Geburtstag. Ich denke immer wieder gerne an unseren Aufstieg in die 1. Bundesliga zurück. Für die nächsten Jahre wünsche ich Dir viel Gesundheit und Freude an all dem was Du tust." © dpa

Dominik Kaiser stößt 2012 zu RB, wird zur Legende und im Mai 2018 gebührend verabschiedet.

Naby Keita wird 2016 Roter Bulle und zum besten Fußballer, der je bei RB gekickt hat. Für den Mehrwert aus dem Verkauf müsste eine alte Frau lange stricken.

Im selben Jahr holt Rangnick Timo Werner aus Stuttgart. Dessen Mehrwert ist ähnlich exorbitant hoch wie Keitas, soll aber noch eine fiktive Hausnummer bleiben.

Ebenfalls ein Rangnickscher Glücksgriff: Ralph Hasenhüttl führt RB auf die Plätze zwei und sechs.

Rangnicks Mantra: „Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Aber man kann es gießen und düngen.“

Wir wünschen dem ewigen Gärtner alles Gute.