26. Mai 2021 / 07:40 Uhr

RB Leipzigs Tops und Flops: Die Bilanz einer durchwachsenen Rückrunde

RB Leipzigs Tops und Flops: Die Bilanz einer durchwachsenen Rückrunde

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
Justin Kluivert (links) und Dani Olmo (Mitte) zählen zu den Gewinnern der Rückrunde. Angelino hingegen zu den Verlierern.
Justin Kluivert (links) und Dani Olmo (Mitte) zählen zu den Gewinnern der Rückrunde. Angelino hingegen zu den Verlierern. © IMAGO/Sven Simon/motivio (Montage)
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Vieles war möglich in dieser Rückrunde für RB Leipzig. Verwirklicht haben die Kicker des scheidenden Julian Nagelsmann davon am Ende nur einen kleinen Teil. Die Zweite Saisonhälfte hatte dennoch einige Tops, aber eben auch Flops. SPORTBUZZER-Reporterin Elena Boshkovska hat genauer hingeschaut.

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Leipzig. Kein Pokal, kein Punkterekord, Trainer weg, wohl gleich zwei herausragende Verteidiger auch: Ist bei RB Leipzig am Ende der Saison 2020/21 der Verein der große Verlierer? Eher nicht. Der Club bekommt im Sommer einen neuen Coach, der zwar eine andere Spielweise als die Nagelsmannsche mitbringt. Aber Jesse Marsch hat das, was der 33-Jährige in zwei Jahren bei den Sachsen nicht vollbracht hat: Titel im Gepäck. Und zwar vier in zwei Jahren. Denn der US-Amerikaner holte mit Red Bull Salzburg zweimal hintereinander sowohl den österreichischen Meistertitel als auch den Pokal.

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Zudem haben die RB-Verantwortlichen bereits frühzeitig drei außergewöhnliche, junge Talente geholt. Mit den Verpflichtungen von Josko Gvardiol (Dinamo Zagreb) und Mohamed Simakan (RC Straßburg) haben sich die Roten Bullen nicht nur angesichts des Abgangs von Abwehrchef Dayot Upamecano gerüstet, sondern auch entsprechend früh einen Ersatz für eventuelle weitere Abgänge in der Abwehr gefunden. So ist auch die Lücke, die Ibrahima Konaté bei einem Wechsel nach Liverpool hinterlassen wird, gefüllt. Zudem holt RB Sturmtalent Brian Brobbey von Ajax Amsterdam. Für seine Qualitäten dürfte allein der Einsatz von Trainer Erik ten Hag sprechen, der zuletzt sogar bereit gewesen wäre, den 19-Jährigen von den Leipzigern zurückzukaufen. Es gibt weitere Tops der Rückrunde am Cottaweg, aber natürlich auch Flops.

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Die Tops:

Verträge verlängert: RB Leipzigs Routiniers Willi Orban, Yussuf Poulsen und Emil Forsberg bleiben dem Club erhalten. Forsberg, der zwischenzeitlich die Option eines Wechsels ins Spiel gebracht hatte, wollte nicht ohne Verlängerung in sein letztes Vertragsjahr gehen. Seine offensive Taktik hatte Erfolg. Der Schwede bleibt nun bis 2025, Poulsen bis 2024. Orban erhielt neben einem Kontrakt bis 2025 zudem eine Anschlussvereinbarung, will auch nach seiner aktiven Karriere am Cottaweg bleiben. In welcher Fuktion? Das ist noch offen.



Justin Kluivert: Von Julian Nagelsmann gab es zwischenzeitlich Kritik deutliche Kritik an dem von der AS Rom ausgeliehenen Niederländer. Der Coach sprach davon, Kluivert im Training kaum zu sehen. Doch in der Rückrunde konnte sich der Linksaußen steigern, was sich auch in seinen Einsätzen wiederspiegelte. Bestritt der 22-Jährige in der Hinrunde nur sechs Spiele, so stand er in der zweiten Saisonhälfte glatte zwölfmal auf dem Rasen, fünfmal davon in der Startelf. Auch seine Torausbeute verbesserte sich: Nach dem einen Tor gegen den FC Bayern, konnte er sich in der zweiten Saisonhälfte immerhin zweimal in die Torschützenliste (gegen Wolfsburg und Union Berlin) eintragen. Wermutstropfen: Kluivert ist auch der Mann der vergebenen Chancen.

Dani Olmo: Der Mittelfeldspieler gehörte regelmäßig zum Stammpersonal, verpasste nur die letzten zwei Bundesligapartien aufgrund einer kleineren Verletzung. Seine Einsätze und seine Leistung bei RB überzeugten auch Luis Enrique. Auch beim spanischen Nationaltrainer ist Olmo nicht mehr wegzudenken, kam seit dem 6. September in jedem Spiel der La Furja Roja zum Einsatz und fährt natürlich mit dem Team zur EM.

Die Defensive: Nur 30 Gegentore und ganze 15 Mal zu null gespielt: RB Leipzig hatte in der Saison 2020/21 die stabilste Defensive der Bundesliga. Torhüter Peter Gulacsi erwies sich als bester Keeper im deutschen Oberhaus, sicherte sich zum zweiten Mal die "Weiße Weste". Dabei lief es in der Rückrunde für ihn und die Abwehr etwas schlechter als in der Hinrunde: Denn 16 der 30 Gegentore kamen in der zweiten Saisonhälfte zustande, die Roten Bullen spielten mit Gulacsi im Kasten von 16 Partien sieben ohne einen gegnerischen Treffer.

DURCHKLICKEN: Peter Gulacsi bei RB Leipzig

Mai 2016: Gulacsi feiert den Aufstieg  Zur Galerie
Mai 2016: Gulacsi feiert den Aufstieg  ©

Die Flops:

Die Punkteausbeute: Für die punktbeste Saison der Vereinsgeschichte reichte es am Ende nicht, auch weil den Roten Bullen im Endspurt die Luft ausging. Aus den letzten zehn Spielen holten sie lediglich zwölf Zähler. In der zweiten Saisonhälfte standen so fünf Punkte weniger zu Buche als in der ersten. Zwar war das immer noch ein Punkt mehr als in der Rückrunde der vergangenen Saison. In der Rückrundentabelle rangieren die Messestädter dennoch einen Platz tiefer als 2019/20 (5. Platz, 29 Punkte).

Angelino: Der Spanier, der eine überragende Hinrunde hinlegte, konnte sich in der Rückrunde nicht noch einmal auf ähnliche Weise durchsetzen. Schuld daran war vor allem eine Verletzung am Oberschenkelmuskel, die zunächst für rund fünf Wochen unfreiwillige Pause sorgte. Danach konnte der Linksaußen nicht mehr an seine Leistungen anknüpfen. Acht seiner zehn Scorerpunkte in der Bundesliga konnte er in der Hinrunde sammeln (vier Tore, vier Vorlagen). In der Rückrunde brachte er dann nur noch zwei Assists, beide im Spiel gegen Schalke 04. Zudem sorgte der 24-Jährige zweifach für Twitter-Wirbel, dementierte unter anderem eine offizielle Verletztenmeldung des Clubs. Nagelsmann nahm den ersten Ausrutscher noch mit Humor, konnte bei der Wiederholung dann aber nicht mehr lachen. Negativer Höhepunkt war dann ausgerechnet das Pokalfinale: Der Coach strich Angelino gegen Borussia Dortmund aus dem Kader. Grund: Motivationsmangel.

Die Stürmer: Den Hoffnungen, die Verein und Fans in sie gesteckt hatten, konnten weder Alexander Sørloth noch Hee-chan Hwang gerecht werden. Der Norweger schien sich im System von Julian Nagelsmann nicht wirklich zurecht zu finden. Hwang kämpfte bis weit in die Rückrunde mit den Folgen einer Covid-Erkrankung und dem daraus resultierenden Trainingsrückstand. Und obwohl der Coach in elf Spielen der Rückrunde einen von beiden in die Startelf berief, reichte es für lediglich fünf Tore, alle erzielt von Sørloth. Hwang traf in der Liga gar nicht. Auch Poulsen, der in sechs Partien von Beginn an im Aufgebot stand, konnte „nur“ fünf Treffer erzielen.

Julian Nagelsmann: Der scheidende Coach hat nur eines seiner Ziele mit dem Verein erreichen können, und zwar die Qualifikation für die Champions League. Für DFB-Pokal oder einen neuen vereinseigenen Punkterekord reichte es hingegen nicht. Auch das Viertelfinale der Königsklasse, von Nagelsmann zwischenzeitlich zur "Pflicht" erkoren, wurde nicht erreicht. Gegen den Liverpool FC war nach zwei 0:2-Niederlage im Achtelfinale Schluss.