27. Juli 2021 / 17:30 Uhr

RB Leipzigs Torwart Péter Gulácsi: „Ich will Titel gewinnen“

RB Leipzigs Torwart Péter Gulácsi: „Ich will Titel gewinnen“

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Péter Gulácsi hat sich bei RB Leipzig zu einer der besten, wenn nicht sogar zum besten, Torhüter der Bundesliga entwickelt.
Péter Gulácsi hat sich bei RB Leipzig zu einer der besten, wenn nicht sogar zum besten, Torhüter der Bundesliga entwickelt. © Picture Point
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RB-Sympathieträger Péter Gulácsi, 31, kommt gerade erst ins beste Torhüter-Alter, ruht in sich und hat noch viel vor in und mit Leipzig. SPORTBUZZER-Reporter Guido Schäfer hat mit ihm am Rande des Trainingslagers in Saalfelden unter anderem über den Weggang des Hünen-Duos Upamecano/Konaté, den ewigen Gábor Király, und familiäres Glück gesprochen.

Leipzig. Er hat in 225 Pflichtspielen im RB-Trikot Unverzichtbarkeit nachgewiesen, ist ein klasse Keeper, wunderbarer Mensch, lässt seine Prämien aus der ungarischen Nationalmannschaft wohltätigen Zwecken zukommen. Péter Gulácsi (31/Vertrag bis 2025), spricht im SPORTBUZZER-Interview nach der Dienstag-Früh-Einheit im Saalfelden-Camp über die EM, Erdverbindung trotz Prominenz, und die Rochade auf der Trainerbank.

SPORTBUZZER: Sie kennen das RB-Camp aus dem Effeff, haben sich mit Ihren ungarischen Kollegen hier auf die EM vorbereitet. Es folgte ein nahezu heldenhaftes Championat, das um ein Haar in die der K.o-Runde geführt hätte. Gutes Omen für die RB-Saison?

Péter Gulácsi: Wir haben uns hier jedenfalls sehr wohlgefühlt, es fehlte an nichts. Das kleine Ungarn hat gezeigt, dass wir ein leidenschaftliches Team sind und gegen große Nationen punkten können. Am Ende haben uns gegen Deutschland fünf Minuten zum Weiterkommen gefehlt.

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DURCHKLICKEN: Die Bilder vom dritten Tag des RB-Trainingslagers

Auch am dritten Tag des Trainingslagers kamen die Profis von RB Leipzig ordentlich ins Schwitzen. Zur Galerie
Auch am dritten Tag des Trainingslagers kamen die Profis von RB Leipzig ordentlich ins Schwitzen. ©

Sie hatten maßgeblichen Anteil an der Qualifikation und den formidablen Partien in der Gruppenphase. Dann der Lapsus zum 1:1 gegen Deutschland. Torhüter-Schicksal?

Na ja, wir sind ja zwei Minuten später gleich wieder in Führung gegangen, deshalb war es halb so wild. Insgesamt war die EM fantastisch für uns, ganz Ungarn hat mitgefiebert. Mit meiner Leistung war ich auch sehr zufrieden. Meine Familie und ich haben danach drei Wochen Urlaub in Ungarn gemacht. Ich habe gerne viele Selfies geknipst und Autogramme geschrieben.

Und mussten sich kein Stück quälen.


Nein, das mache ich von Herzen gerne. Ich war früher Balljunge und glücklich, als ich endlich ein Autogramm von Gábor Király hatte.

Apropos: Király stand noch mit 40 im Tor. Ist die gelebte graue Jogginghose diesbezüglich ein Vorbild für Sie?

Ich komme gerade ins beste Torwart-Alter, bin topfit, habe noch viel vor. Andere Keeper in meinem Alter haben schon zehn, elf Saisons in einer Top-Liga absolviert, ich gehe erst in meine sechste Saison, bin spät oben angekommen. Es gibt kein Datum, keinen Plan fürs Karriere-Ende. Ich spiele, solange ich gut genug bin für die Bundesliga und für die Nationalmannschaft. Ich komme jetzt in eine Phase in meiner Karriere, in der ich auch mal einen Titel gewinnen will. Wir waren schon öfter kurz davor.

Manche sehen in Ihnen den besten Bundesliga-Torhüter. Wie sehen Sie sich?

Die letzten drei, vier Jahre waren gut und stabil, da gab es keine großen Ausreißer nach unten. Aber als Torhüter bist du abhängig von deiner Mannschaft. Die kann dich gut oder weniger gut aussehen lassen. Dass wir so wenige Tore kassiert haben, ist nicht mein alleiniger Verdienst, sondern Ergebnis sehr guter gemeinschaftlicher Arbeit.

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Der Kader von RB Leipzig bleibt (natürlich) nicht unverändert. Folgende Zugänge zur Saison 2021/22 stehen bereits fest. Zur Galerie
Der Kader von RB Leipzig bleibt (natürlich) nicht unverändert. Folgende Zugänge zur Saison 2021/22 stehen bereits fest. ©

Mit Dayot Upamecano und Ibrahima Konaté sind zwei Asse hinaus in die weite Welt gezogen. Freuen Sie sich mit den beiden?

Ja, sehr sogar. Das sind zwei Super-Jungs, die auf dem Spielfeld und in der Kabine wichtig waren. Bayern und Liverpool - da kann man nur gratulieren. Auch den Clubs.

Wurden die Abgänge adäquat ersetzt? Wie machen sich Josko Gvardiol und Mohamed Simakan?

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Was ich gesehen habe und was mir berichtet wurde, ist ausnahmslos positiv. Das sind ehrgeizige, junge, talentierte Spieler. Wir haben eine fantastische Truppe zusammen, jeder sagt: „You can do anything“.

Sind Sie traurig über Julian Nagelsmanns Weggang?

Traurig ist der falsche Begriff. Julian hat bei uns gute Arbeit geleistet und sich mit Bayern seinen Traum erfüllt. Das ist Fußball, damit muss man umgehen.

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Ist Marsch der logische Nachfolger?

Aus meiner Sicht, ja. Jesse passt zu uns, wir passen zu ihm. Er hat sich hervorragend entwickelt, kennt uns, weiß, was er spielen will. Das kann richtig gut werden.

Ralf Rangnick hält eine Wiederholung der Vize-Meisterschaft für möglich und einen engeren Titelkampf für denkbar. Gehen Sie da mit?

Wenn es so laufen würde, hätte keiner von uns etwas dagegen. Ralf kennt sich im Fußball sehr gut aus (lacht).

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Sie setzen Ihre Nationalmannschafts-Einnahmen für soziale Zwecke ein. Wie hat man sich das in der Praxis vorzustellen?

Wenn eine Prämie aus Ungarn kommt, nutzen meine Frau und ich das Geld, um Menschen, denen es nicht so gut wie uns geht, zu helfen. Das sind die unterschiedlichsten Projekte in Ungarn und es ist uns eine Herzensangelegenheit.

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