09. Oktober 2019 / 07:56 Uhr

RB Leipzigs Tyler Adams: "Du hältst es für selbstverständlich, gesund zu sein"

RB Leipzigs Tyler Adams: "Du hältst es für selbstverständlich, gesund zu sein"

Anton Zirk
Leipziger Volkszeitung
Tyler Adams' Leidenszeit bei RB Leipzig neigt sich dem Ende entgegen.
Tyler Adams' Leidenszeit bei RB Leipzig neigt sich dem Ende entgegen. © Anton Zirk
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Auf einen traumhaften Start bei RB Leipzig folgte für Tyler Adams eine monatelange Leidenszeit. Kurz vor seinem Comeback hat der US-Boy mit dem SPORTBUZZER über Parallelen zwischen Leipzig und New York, Deutschkenntnisse und seltsame Verletzungen gesprochen.

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Leipzig. Handgestoppte 45 Minuten lässt Tyler Adams beim Interview-Termin auf sich warten. Doch RB Leipzigs verletzter US-Boy hat eine gute Begründung. Die Behandlungen laufen in den letzten Wochen vor seinem Comeback auf Hochtouren, dauern manchmal länger als geplant. Nach mehreren Rückschlägen sollen Risiken möglichst minimiert werden. Ohnehin kann man dem 20-Jährigen seine Verspätung nicht übel nehmen, als er im Kapuzen-Pullover, strahlend und höflich wie gewohnt den Medienraum des Trainingszentrums am Cottaweg betritt.

Herr Adams, das Wichtigste zuerst. Wie geht es Ihnen?

Mir geht es gut. Es ist viel besser.

Das heißt, wir sehen Sie bald wieder auf dem Platz?

Der Plan ist im Moment, nach der Länderspielpause zum Team zu stoßen. Genauer gesagt, versuche ich nach dem Wolfsburg-Spiel (19. Oktober, d. Red) im Training dabei zu sein. Dann muss ich ein paar Wochen ohne Probleme trainieren. Am Ende wird der Trainer entscheiden, wann ich wieder bereit für Spiele bin.

Vor ein paar Wochen standen Sie schon mal vor dem Comeback. Was ist dann passiert?

Ursprünglich war es ja meine Leiste, die mir seit Mai Probleme bereitet hat. Ich war nach der Reha eigentlich fit und hatte auch wieder mit der Mannschaft trainiert. Leider habe ich im Training einen Schlag auf die Fußsohle bekommen. Das hat mich ein paar Wochen zurückgeworfen. Jetzt bin ich zurück auf dem Platz und fühle mich endlich gut.

Sie waren im Mai nicht zu 100 Prozent fit, aber im Pokalfinale dabei. Bereuen Sie diesen Einsatz?

Die Probleme kamen danach zurück und wurden wahrscheinlich auch ein bisschen dadurch verstärkt, dass ich gegen Bayern gespielt habe. Aber das lag in meinen Händen. Wenn du leidest, aber gewinnst, dann ist es eine gute Entscheidung. Wenn du verlierst, wünschst du dir auch mal, nicht gespielt zu haben.

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Ist Ihre Verletzung vergleichbar mit den Problemen, die Emil Forsberg im vergangenen Jahr hatte?

Es ist schwierig, weil es bei Emil eine etwas andere Verletzung war. Bei ihm war es eine richtige Adduktoren-Verletzung. Bei mir war die Wachstumsfuge offen, kombiniert mit einer Überbelastung.

Haben Sie mit ihm über Ihre Situation gesprochen?

Natürlich. Es ist gut, von so einem guten Spieler zu hören, wie er damit umgegangen ist. Denn es ist hart. An manchen Tagen fühlst du dich gut und denkst, du kannst ein Spiel machen und am nächsten Tag weißt du nicht mehr, was los ist.

Was ist das Schwierigste?

Die Geduld. Es braucht Zeit und das ist für mich als junger Spieler hart. Du siehst das Team und willst Champions League spielen. Aber wenn ich zu früh einsteige, kann es das schlimmer machen. Für mich ist wichtig, mit den Höhen und Tiefen klarzukommen.

Hat die erste langfristige Verletzung Ihrer Karriere Ihren Blick auf den Fußball verändert?

Zu 100 Prozent. Es ist einfach, wenn du in deiner kompletten Karriere nicht wirklich verletzt warst. Du hältst es für selbstverständlich, gesund zu sein. Jetzt habe ich eine andere Perspektive. Wenn ich zurück auf den Platz komme, weiß ich, dass ich alles tun muss, um gesund zu bleiben.

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Hannes Wolf teilt dieses Schicksal. Wie ist Ihr Kontakt?

Wir kannten uns nicht, als er zu RB kam. Schon während des Trainingslagers waren wir dann im selben Zimmer und haben uns dort besser kennengelernt. Er ist ein lustiger Typ. Jemanden zu haben, der in einer ähnlichen Situation ist, bringt dich näher zusammen. Das ist gut, weil du die anderen Spieler in so einer Phase nicht so regelmäßig siehst.

Was holt sie hoch, wenn Sie einen schlechten Tag haben?

Als ich noch in New York gespielt habe, war meine Familie um mich herum. Jetzt muss ich zum Telefon greifen, um einen meiner Brüder anzurufen oder jemanden, den ich kenne. Aber je länger diese schwierigen Zeiten andauern, umso schwerer ist es, damit klarzukommen. Es ist fast immer in deinem Kopf.

Wie lenken Sie sich ab?

Ich arbeite am Laptop, lerne Deutsch oder für meine Online-Kurse, alles was mir einfällt. Aber du brauchst Motivation.

Haben Sie in den vergangenen Monaten Besuch von Ihrer Familie bekommen?

Meine Freundin war da, meine Freunde auch. Es ist super, bekannte Gesichter hier zu haben, um den Fußball auch mal ein paar Stunden zu vergessen. Aber zur gleichen Zeit bin ich sehr diszipliniert und fokussiert auf mein Comeback. Jede Möglichkeit, die ich habe, mit dem Physio zu arbeiten, nutze ich.

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Was haben Sie Ihren Freunden in Leipzig gezeigt?

Sie waren zur richtigen Zeit hier. Es war wärmer. Beim aktuellen Wetter will ich lieber im Haus bleiben. Das ist mir zu kühl. Im Sommer sind wir zum Cospudener See gefahren, wir waren essen, haben Radtouren gemacht. Es ist so ähnlich wie in der Zeit, als ich in New York gelebt habe – das viele Grün und die Natur, du kannst in den Zoo gehen. Es gibt ein paar Parallelen.

Was hat Ihnen Julian Nagelsmann über Ihre Rolle nach dem Comeback verraten?

Das werden wir rausfinden. Wenn ich raten müsste, würde ich sagen, dass ich ähnlich eingesetzt werde, wie in der vergangenen Saison. Wir haben einen neuen Trainer und ich komme in eine Mannschaft, die es bis jetzt super gemacht hat. Das ist nicht einfach. Ich brauche gute Leistungen und muss das Beste aus jeder Möglichkeit machen.

Haben Sie Angst, im Team keinen Platz zu finden?

Das Wort Angst nehme ich nicht gern in den Mund. Ich bin nicht nervös. Es braucht Zeit. Ich war eine Weile weg, muss das Momentum und Selbstbewusstsein bekommen. Aber Angst habe ich nicht, nein.

Wie lauten Ihre persönlichen Ziele für die restliche Saison?

Meine ersten Monate, in denen ich für RB gespielt habe, konnten nur einen ersten Eindruck von dem geben, was ich zu leisten im Stande bin. Jetzt möchte ich mich wirklich etablieren. Für mich ist das Wichtigste, zurück zum Team zu kommen. Dann will ich meinen Teil dazu beitragen, dass wir so viele Spiele wie möglich gewinnen. Wir wollen irgendwann Meister werden und auch in der Champions League so weit wie möglich kommen.

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Wie haben Sie die vergangenen Spiele Ihrer Mannschaft gesehen?

Es ist nicht ganz einfach. Wenn du es am Anfang der Saison so gut machst, sind die Erwartungen hoch. Die Leute müssen erst verstehen, dass es eine sehr komplizierte Sache ist, den Standard über eine lange Zeit hoch zu halten. Wir hatten zuletzt ein paar Ausrutscher. Da wirst du auf diesem Niveau knallhart bestraft, aber das sind Erfahrungswerte. Es liegt alles noch vor uns. Auch in der Champions League ist alles offen.

Sehen Sie einen Grund, warum ein Stück der Effektivität vor dem Tor verlorengegangen ist?

Das ist unsere geringste Sorge. Wir haben fünf Stürmer, die jederzeit treffen können. Timo kann jederzeit einen Hattrick machen – alles eine Frage der Zeit. Er wird von Tag zu Tag besser und hat es bis jetzt unglaublich gut gemacht. Es gilt jetzt, unsere Fehler zu minimieren und vorn das Maximale rausholen.

Wie wichtig ist es für Sie, dass im Sommer mit Ademola Lookman und Ethan Ampadu zwei englischsprechende Spieler dazugekommen sind?

Das ist gut, aber auch schlecht. Natürlich neigt man dazu, seine Muttersprache zu sprechen. Wenn Ethan und Ademola da sind, spreche ich natürlich Englisch mit ihnen. Gleichzeitig weiß ich, dass ich besser deutsch sprechen muss.

Wie ist der Stand?

Es ist ok. Ich arbeite hart daran, mache so viele Stunden wie möglich. Wenn du hier lebst, musst du die Sprache sprechen. Viele Menschen sprechen Englisch mit mir, dann antworte ich auch auf Englisch. Aber ich verstehe auch auf Deutsch immer mehr, besonders auf dem Platz, wenn der Trainer mit uns spricht. Das ist für mich auch das Wichtigste. Für das Sprechen braucht es aber mehr Übung.

Klappt es schon mit dem Einkaufen?

Für solche Dinge kann ich auf jeden Fall genug. Wenn es um Sachen geht, die ich gewohnt bin, ist es einfacher. Deswegen ist es ja auch beim Fußball leicht. Aber ausführliche Konversationen zu führen, ist sehr schwer.

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