16. August 2021 / 17:58 Uhr

RB Leipzigs uninspirierter Auftritt gegen Mainz 05: Woran hat's gelegen?

RB Leipzigs uninspirierter Auftritt gegen Mainz 05: Woran hat's gelegen?

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Angelino
Auch Angelino konnte RB Leipzigs Niederlage gegen Mainz 05 nicht verhindern. © Getty Images
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Kaum Power, kaum Tempo, kaum Schärfe: RB Leipzig verpatzt den Saisonauftakt gegen coronagebeutelte Mainzer. So eindeutig die Ausgangslage eigentlich war, so bitter sind auch die drei Punkte, die nun im Kampf um die Spitze den Bayern und Dortmundern gegenüber fehlen.

Leipzig. Sie haben eine klasse Vorbereitung hingelegt, Lust und Laune versprüht, den SV Sandhausen im Pokal vor sich her gespielt, 4:0 gewonnen. Folge aus erbaulichen fünf Wochen unter dem neuen Übungsleiter Jesse Marsch: Die Roten Bullen scharrten vorm Liga-Start in Mainz mit den Hufen, wollten eine männlich-herbe Duftmarke in dem von Bayern und Dortmundern besetzten botanischen Meistergarten setzen.

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„Nicht scharf genug“

Und dann bekommen sie das Bein nicht hoch. Beziehungsweise zu hoch. In der entscheidenden Szene setzt RB-Abwehrmann Nordi Mukiele zu einer Art Biellmann-Pirouette an, bugsiert den Ball Richtung eigene Torlinie, wo es nur noch ein Stößchen von Moussa Niakhaté zum 1:0 bedarf. Das hätte in der 13. Minute auch Mainz-Sportdirektor Martin Schmidt, in dessen Vita sieben (!) Kreuzbandrisse auftauchen, hinbekommen.

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RB Leipzig hat am Sonntag gegen aufopferungsvoll kämpfende Mainzer mit 0:1 verloren. Zur Galerie
RB Leipzig hat am Sonntag gegen aufopferungsvoll kämpfende Mainzer mit 0:1 verloren. ©

Schmidt, 54, gehört mit Sportvorstand Christian Heidel, 58, und Cheftrainer Bo Svensson, 42, zum Triumvirat, das die Nullfünfer aus der Aussegnungshalle geholt und das Überlebenswunder Klassenerhalt geschafft hat. Und nach 32 Rückrunden-Punkten machten die Corona-dezimierten Mainzer (elf Profis fehlten) einfach weiter, feierten einen Dreier, den man in Fachkreisen als glücklich, aber nicht unverdient bezeichnet. Schmidt: „Eine Chance ist immer da, auch gegen RB. Wir waren topfit über 102 Minuten. Riesenkompliment an alle und Bo. Das war ein Spiegelbild des Vereins.“


Und während Coach Bo Svensson die Seinen auf eine Runde Applaus-Abfassen durchs Stadion schickte, versuchten die Besiegten die Frage aller Fragen zu erklären: Woran hat‘s gelegen? Die Frage ist mindestens so uninspiriert wie es die Bemühungen der Gäste über weite Strecken waren. Willi Orbans Versuch einer Annäherung: „Uns hat die Power nach vorne gefehlt.“ Emil Forsberg: „Wir hatten kein gutes Gegenpressing, unser Passspiel war zu langsam.“ Jesse Marschs Beitrag: „Wir waren nicht spritzig, nicht scharf genug.“

Ja, ein gebrauchter Tag, an dem schiefgeht, was schiefgehen kann. Wie im wahren Leben. Man wird vom Wecker aus dem Tiefschlaf geholt, stößt sich beim Gang zur Toilette den Zeh, stellt fest, dass die Zahnpasta-Tube platt wie eine Flunder ist, humpelt zum Briefkasten, greift ins Leere. Keine Zahnpasta, keine Zeitung, Schmerzen. Lööft.

Nächster Gegner: Der Tabellenführer

So ähnlich ist es den Männern von Marsch in Mainz ergangen. Matte Anfangsphase, verlorene Zweikämpfe, Pässe ins Niemandsland. Nix zu sehen vom Mix aus Ballbesitzfußball und Balljagd. Mainz bekommt serviert, was Mainz gegen die Pressingmonster aus Sachsen eigentlich nicht haben darf: Raum und Zeit. Mut haben sie sowieso. All das mündet im 1:0.

DURCHKLICKEN: Das sagen Spieler und Trainer

<b>Jesse Marsch (Trainer RB Leipzig):</b> Das war nicht der erhoffte Start. Das frühe Gegentor tat uns sehr weh, da haben wir eine Ecke schlecht verteidigt. Danach stand Mainz tiefer und tiefer, sie haben richtig gut verteidigt - vor allem unsere Flanken. Wir haben nicht genügend Lösungen am Ball gefunden, hatten zu wenig Tempo und dadurch nicht genug Chancen. Wir hatten auch nicht die dynamischen Spieler im Strafraum. Das ist Lehrgeld für uns fürs nächste Spiel. Wir hatten eine gute Saisonvorbereitung, aber das heute war nicht gut genug. Wir haben viel Arbeit vor uns. Zur Galerie
Jesse Marsch (Trainer RB Leipzig): "Das war nicht der erhoffte Start. Das frühe Gegentor tat uns sehr weh, da haben wir eine Ecke schlecht verteidigt. Danach stand Mainz tiefer und tiefer, sie haben richtig gut verteidigt - vor allem unsere Flanken. Wir haben nicht genügend Lösungen am Ball gefunden, hatten zu wenig Tempo und dadurch nicht genug Chancen. Wir hatten auch nicht die dynamischen Spieler im Strafraum. Das ist Lehrgeld für uns fürs nächste Spiel. Wir hatten eine gute Saisonvorbereitung, aber das heute war nicht gut genug. Wir haben viel Arbeit vor uns." ©

Das Tor teilt das Spiel wie Moses das Meer. Auf der einen Seite die neben sich stehenden Favoriten, denen die Felle und Einfälle davon schwimmen. Auf der anderen Seite die beseelten Nullfünfer, die mit Hingabe an dieser Führung gearbeitet hatten und mit dem 1:0 im Rücken jedwedem Wellengang trotzen. Mit jeder Minute wachsen die Mainzelmännchen in der Gluthitze, mit jeder vergebenen Chance schrumpfen bei den gegen die Hitze und elf Helden in spe kämpfenden Roten Bullen die Hoffnungen auf einen adäquaten Spielausgang. Möglichkeiten zum 1:1? Sind da, durch Mohamed Simakan, Willi Orban und Nordi Mukiele. Möglichkeiten zum 2:0 gibt es allerdings ebenfalls.

Aus und vorbei, der Leipziger Saisonstart geht in die Hose. Ist nicht das erste Mal. Unter Ralph Hasenhüttl setzte es 2017 ein müdes 0:2 auf Schalke. Ralf Rangnick und Co. gingen 2018 1:4 beim BVB ein. Nächster Halt: Red-Bull-Arena. Am Freitag (20.30 Uhr) empfängt RB den glänzend gestarteten VfB Stuttgart (5:1 gegen Greuther Fürth). Marsch will mehr Schärfe und Würze. Yussuf Poulsen, Marcel Sabitzer und Lukas Klostermann sind scharf, drängen ins Team. Der FC Bayern hat sich in Sachen Sabitzer nach wie vor nicht bei RB gemeldet. Das könnte so bleiben.