08. April 2021 / 10:43 Uhr

RB Leipzigs Upamecano vermisst in der Pandemie seine Familie

RB Leipzigs Upamecano vermisst in der Pandemie seine Familie

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
RB Leipzigs Dayot Upamecano hat fünf Geschwister - die er pandemiebedingt in letzter Zeit nur selten gesehen hat.
RB Leipzigs Dayot Upamecano hat fünf Geschwister - die er pandemiebedingt in letzter Zeit nur selten gesehen hat. © Getty Images
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Dayot Upamecano wird im Sommer RB Leipzig verlassen. Sein neuer Arbeitgeber heißt FC Bayern München. Den Traum, Profifußballer zu werden, konnte sich der Franzose bereits erfüllen. Und alles mit der Unterstützung seiner Familie, die er in der Pandemie schon länger nicht mehr gesehen hat.

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Leipzig. Innenverteidiger Dayot Upamecano hat sich bei RB Leipzig als feste Größe etabliert. Sogar so fest, dass international viele Vereine Interesse an ihm gefunden haben. Das Buhlen um den Abwehrriesen der Roten Bullen hat aber ein deutscher Verein gewonnen – der FC Bayern München. Für einen Fußballprofi sind die Münchener mittlerweile ein genauso begehrenswertes Ziel wie der FC Barcelona oder gar Real Madrid. Upamecano befindet mit seinen 22 Jahren also bereits auf einer der höchsten Sprossen der Fußball-Leiter.

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"Auf den Fußballplätzen der Nachbarschaft gekickt"

Den Traum vom Profifußballer konnte er sich auch nur erfüllen, weil seine Familie stets hinter ihm stand, sagte der Verteidiger dem Magazin „Fußball und Familie“ in einem Interview. „Meinen Eltern war früh klar, dass ich Fußballer werden möchte. Aber in den Jugendteams hast du dann auch viele frustrierende Momente: Man hat verloren, selbst schlecht gespielt. Aber wenn ich dann enttäuscht nach Hause gekommen bin, haben sie gesagt: ,Kopf hoch! Komm, es geht weiter!’ Sie haben mich aufgebaut.“ So sei in ihm das Gefühl, sich durchschlagen zu können, stets gewachsen. „Heute sind sie stolz auf mich – und ich auf sie.“

DURCHKLICKEN: Dayot Upamecano bei RB Leipzig

2017 Januar: Upamecano aktiv im Spiel (@GEPA Pictures) Zur Galerie
2017 Januar: Upamecano aktiv im Spiel (@GEPA Pictures) ©

Dabei lief sicherlich nicht immer alles so entspannt im Hause Upamecano, denn Dayot ist eines von sechs Kindern. Er hat vier Schwestern und einen jüngeren Bruder. „Na ja, mit vier Frauen an meiner Seite war es schon ein bisschen schwierig, das ist es auch heute noch [lacht].“ Viel werde nicht über Fußball geredet, ließ der Franzose durchscheinen. „In meiner Kindheit habe ich die meiste Zeit draußen verbracht und auf den Fußballplätzen der Nachbarschaft mit meinen Freunden gekickt.“

"Aufgeben war keine Option"

In der Pandemie vermisst er seine Familie, wie viele andere auch, denn ein Besuch in der Heimat sei schon lange her. „Ich genieße es, meine Familie um mich zu haben, sie gibt mir Halt und Kraft. Man kann über alles reden und Sorgen teilen.“ Deshalb möchte Dayot Upamecano irgendwann selbst auch eine große Familie haben. „Aber ich bin noch nicht 30, sondern habe noch eine Menge Zeit. Momentan drehen sich meine Gedanken eher um meine Karriere. Ich konzentriere mich auf mein Spiel, meinen Verein RB Leipzig und unsere Ziele.“

Bei RB Leipzig hält und koordiniert er die Abwehrreihen, hat aber in seinen jungen Jahren im Angriff gespielt. „Ich habe nicht so viele Tore geschossen, habe aber gekämpft, bin viel gelaufen, war sehr beweglich. Dann wurde ich ins Mittelfeld gestellt, später in die Abwehr.“ Deshalb habe er auch die Fähigkeit, gegnerische Stürmer besser zu „lesen“. Als er mit 15 Jahren beim FC Valenciennes ein Probetraining durchlaufen durfte, hätten ihn die Zuständigen gefragt, auf welcher Position er denn spiele. Seine Antwort darauf: „Ihr könnt mich überall aufstellen, nur nicht ins Tor.“

Der körperlich imposante Abwehrspieler hat wahrscheinlich auch seine doch physische Herangehensweise im Fußball bereits in der Kindheit entwickelt. Denn auf dem Boltzplatz lief es nicht so ab, wie auf den Spielfeldern der Bundesliga. „Es gab keinen Schiedsrichter, es waren immer knallharte Duelle. Aber wir haben auch keinen Schiedsrichter gebraucht. Die Regeln waren klar, und jeder hat sich daran gehalten. Wir haben füreinander gekämpft. Auf dem Bolzplatz hat man vor allem gelernt, seinen Mitspieler niemals im Stich zu lassen. Selbst blutige Knie waren keine Ausrede, um sein Team im Stich zu lassen.“ Vor allem habe sich sein Verständnis des Miteinanders dadurch verändert. „Das Team stand über allem, und Aufgeben war keine Option.“