20. Februar 2018 / 19:13 Uhr

RB-Salzburg-Torhüter Alexander Walke im Interview über Leipzigs Naby Keita, Liverpools Sadio Mane und Arschtritte für Mitspieler

RB-Salzburg-Torhüter Alexander Walke im Interview über Leipzigs Naby Keita, Liverpools Sadio Mane und Arschtritte für Mitspieler

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Torwart Alexander Walke spielt seit Juli 2010 für RB Salzburg.
Torwart Alexander Walke spielt seit Juli 2010 für RB Salzburg. © imago
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Der Oranienburger spielt seit 2010 für RB Salzburg und ist seit März 2017 Kapitän. Im Interview spricht er über die Unterschiede zu Deutschland, die Qualität von RB Leizpigs Naby Keita und die Verkleinerung des Salzburger Stadions.

Alexander Walke wurde am 6. Juni 1983 in Oranienburg geboren. Aus der Jugend des Oranienburger FC wechselte er 1997 zu Energie Cottbus, zwei Jahre später zu Werder Bremen. 2005 zog es ihn zum SC Freiburg, drei Jahre danach zu Wehen Wiesbaden. Nach der Station in Wiesbaden ging es 2009 zu Hansa Rostock, wo er nach einem Jahr weiter zu RB Salzburg ging. Im Winter 2011 wechselte er für ein halbes Jahr zu Greuther Fürth, seit Sommer 2011 ist er ohne Unterbrechung in Salzburg (192 Spiele), seit März 2017 ist er dort auch Kapitän. Im Interview spricht der 34-jährige Torwart über die Rolle seines ersten Trainers, das Europa-League-Highlight am Donnerstag (21.05 Uhr) gegen San Sebastián und die Stärke der österreichischen Liga.

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Herr Walke, auf der Internetseite Ihres Vereins sieht man Sie vor Ihrem Spind, darüber ein Spruch, den man allerdings nicht lesen kann – klären Sie uns auf.
Alexander Walke: Da steht: „Wenn eine deutsche Eiche so denken würde wie ein Mensch, dann würde sie bei drei Metern aufhören zu wachsen und sich sagen: Mehr kann ich nicht!“

Wie kamen Sie auf den Spruch?
Wir durften uns unseren Spind selbst gestalten, ich habe im Internet ein bisschen gesucht und ihn gefunden, er passt zu mir.

Warum?
Ich finde, das spiegelt einfach meine Persönlichkeit wider, dass ich immer weitermache und nicht aufgebe, gerade auf dem Fußballplatz.

Das könnte auch am Donnerstag gelten, Sie empfangen Real Sociedad San Sebastián in der Europa League zum Rückspiel, nachdem es im Hinspiel in der Runde der letzten 32 Mannschaften noch zu einem 2:2 reichte.
Das ist eine sehr gute Ausgangsposition. Wir haben in der Nachspielzeit noch den Ausgleich geschossen, das war vor allem eine gute kämpferische Leistung, wir haben extrem dagegengehalten. San Sebastián ist ein unglaublich guter Gegner, wir sind da an unsere Grenzen gestoßen und wurden für den Fight belohnt. Ich denke, es ist alles möglich, aber wir brauchen mindestens so eine gute Leistung wie im Hinspiel.

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Tom Mickel (Hamburger SV, Tor): Gesamtbewertung: 65; Potenzial: 65. Vorherige Vereine: Greuther Fürth, Energie Cottbus, Lausitz Hoyerswerda. ©

Wie viele Zuschauer sollen kommen?
Ich denke, dass 15 000 bis 16 000 Zuschauer kommen werden.


Das wäre deutlich mehr als in der Liga, dort liegt der Schnitt bei rund 7000. Der Verein denkt sogar darüber nach, die Kapazität des Stadions von 30 000 auf 19 000 zu verkleinern. Woran liegt das geringe Interesse?
Dafür gibt es, aus meiner Sicht, mehrere Gründe. Zum einen ist es das Format der Liga. Es gibt zehn Mannschaften, gegen jedes Team spielt man viermal pro Saison. Da können sich die Zuschauer aussuchen, wann sie uns sehen wollen. Zum anderen ist Salzburg eben eine Skiregion. Wenn hier die erste Schneeflocke fällt, dann gehen die Leute auf die Piste und nicht ins Stadion. Deshalb wäre es sicher besser, in einem Stadion mit einer Kapazität von 19 000 Zuschauern zu spielen als mit 30 000.

Sie sind mit Salzburg Serienmeister, wird Erfolg da nicht auch mal langweilig?
Niemals! Mit dem Spiel am Donnerstag ist wieder so ein Highlight gekommen, für das wir die ganze letzte Saison gearbeitet haben. Das kommt nur durch konstant gute Leistungen, dass man am Ende international dabei sein kann.

Wobei Salzburg in der Qualifikation zur Champions League zehnmal in Folge gescheitert ist.
Da fehlte uns oft ein bisschen das Glück und sicherlich war da auch immer wieder ein wenig Unvermögen dabei. Natürlich ist das schade und traurig. Aber dafür haben wir regelmäßig in der Europa League für Furore gesorgt.

Sie haben eine ziemlich junge Mannschaft in Salzburg, mit 34 Jahren sind Sie der Älteste in der Mannschaft und auch Kapitän. Haben Sie dadurch eine besondere Rolle für die jungen Spieler?
Manche Mitspieler sind tatsächlich halb so alt wie ich. Das ist eine völlig andere Generation. Wichtig ist es einfach, den Jungs zu helfen. Manche nehmen das an, mit manchen ist es schwieriger. Wenn man von unserem Kooperationspartner  FC Liefering aus der zweiten Liga kommt, dann braucht man eben eine Umstellungszeit, das ist ganz normal. Manchen muss man da manchmal auch in den Arsch treten, aber das passt. Ich bin da ein Ansprechpartner und das mache ich auch gerne.

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Aus Salzburg sind in den vergangenen Jahren sehr viele Spieler zu RB Leipzig in die Bundesliga gewechselt. Wer hat in der jetzigen Mannschaft das Zeug dazu?
Da gibt es mehrere Spieler, die das Können haben, in der deutschen Bundesliga mitzuspielen. Aber ob sie jetzt nach Leipzig, Dortmund oder Arsenal wechseln, das müssen sie selbst entscheiden. Valentino Lazaro hat sich etwa für Hertha BSC entschieden, Martin Hinteregger ist nach Augsburg gewechselt.

Sie haben auch mit Sadio Mané, der jetzt beim FC Liverpool spielt, und Naby Keita, der aus Leipzig im Sommer für 70 Millionen Euro dorthin wechselt, zusammengespielt. Hat man schon in ihrer Zeit bei Salzburg gesehen, dass sie einmal internationale Topspieler werden können?
Man darf nicht unterschätzen, dass die ganze Mannschaft es geschafft hat, die Stärke der beiden auch auf den Platz zu bringen. Sie haben aber schon damals eine enorme individuelle Klasse gezeigt. Sadio ist ein unglaublicher Fußballer. Der ist so schnell auf den Beinen, das gibt es gar nicht. Wenn du denkst, du hast ihn gleich, dann hast du eigentlich schon verloren, denn dann ist er weg. Und Naby ist ebenfalls ein toller Spieler. Der spielt Pässe, da wussten andere gar nicht, dass es die gibt. Der sieht Räume, wo eigentlich gar keine sind.

Ihr Vertrag läuft noch bis 2019, verlängern Sie nochmal?
Vorstellen kann ich mir vieles, aber ich habe da überhaupt keine Hektik, das ist noch über ein Jahr hin.

Sie haben in Deutschland in der 1. und 2. Bundesliga gespielt, wo würden sie das Niveau der österreichischen Bundesliga einordnen?
Es gibt sicher mehrere österreichische Vereine, die in der 1. Liga mitspielen können. Für den Rest wäre es da sicherlich schwierig. Das ist aber insgesamt schwer einzuschätzen, es ist ein anderer Fußball in Österreich. In Deutschland ist das Spiel sehr viel körperbetonter, die österreichische Liga ist da technisch sogar ein bisschen besser.

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Wie oft sind Sie noch in Oranienburg?
Ich versuche, an Weihnachten immer zu kommen. Ansonsten bin ich ab und an unter dem Jahr da, wenn wir mal Länderspielpause haben. Meine ganze Familie wohnt ja noch unter anderem auch meine Oma Erika, die mir sehr am Herzen liegt.

Das waren die beeindruckendsten Choreografien der Hansa-Fans.

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Die Fans des FC Hansa Rostock ©

Haben Sie noch Kontakt zu ihrem ersten Torwarttrainer Wolfgang Gill?
Ich war vor zwei Jahren mal bei ihm zu Hause und wir haben uns in die Arme geschlossen, Kaffee getrunken und gequatscht. Mit seinem Sohn Steffen habe ich noch regelmäßig Kontakt.