23. Mai 2020 / 10:29 Uhr

Re-Start: Der 12-Tage-Rettungsplan von Hannover 96

Re-Start: Der 12-Tage-Rettungsplan von Hannover 96

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
96-Trainer Kenan Kocak warnt: Wir sind nicht über den Berg.
96-Trainer Kenan Kocak warnt: "Wir sind nicht über den Berg." © Florian Petrow
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Am Samstag (13 Uhr) startet die 2. Bundesliga auch für Hannover 96 wieder. Nach der Partie beim VfL Osnabrück folgen innerhalb von nicht einmal zwei Wochen drei weitere Spiele - gegen drei Kellergegner. 96-Trainer Kenan Kocak warnt vor der Situation.

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Szenarien werden entworfen und verworfen – und immer wieder dreht sich auch im Fußball monatelang alles um die Corona-Entwicklung. Nicht anders bei 96, schließlich hatte der Verein mit Timo Hübers den ersten Infizierten im deutschen Profifußball. Am Samstag startet 96 aber nur als Vorletzter der 36 Profiklubs in den Corona-Notbetrieb. Allein Dresden hängt noch weiter hinterher.

Das Tabellenbild ist verzerrt – 96 fehlt der erhoffte Heimsieg gegen Dynamo in der Abrechnung. Der Blick richtet sich wieder neu auf sportliche Szenarien, denn „die Situation ist nach wie vor prekär, wir sind nicht über den Berg“, warnt der 96-Trainer.

Das sind die restlichen Spiele von Hannover 96 in der Saison 2019/20 in der 2. Bundesliga nach der Corona-Zwangspause:

28. Spieltag (Mittwoch, 27. Mai, 18.30 Uhr): Karlsruher SC (H) Zur Galerie
28. Spieltag (Mittwoch, 27. Mai, 18.30 Uhr): Karlsruher SC (H) ©

"Brauchen schnell Punkte und Erfolgserlebnisse"

Ab sofort geht es für Kenan Kocak um Punkte – und darum, sich möglichst schnell in sichere Regionen zu hieven. 96-Chef Martin Kind, der am Samstag im Stadion dabei sein wird, wünscht sich, „dass wir bald einen sicheren Platz im Mittelfeld der Tabelle erreichen“.

Dazu bietet sich in den nächsten 12 Tagen die große Chance. Mit Osnabrück, Karlsruhe, Sandhausen und Dresden hat 96 vier Gegner aus dem Tabellenkeller. Bei jetzt 32 Punkten kann Kocaks Team schon mit drei Siegen die 40 Punkte knacken. Wer diese Grenze überschritten hat, kann nach branchenüblichen Rechnungen den Sicherheitsgurt abschnallen. „Wir brauchen schnell Punkte und Erfolgserlebnisse“, fordert Kocak.

Individuell scheint jedenfalls 96 deutlich besser besetzt als die vier nächsten Gegner – das könnte gerade in Geisterspielen zum Vorteil werden. Kocak weiß aber, „Mannschaften, die über Dominanz und Ballbesitz kommen, haben Probleme, den Rhythmus zu finden. Da ist noch Sand im Getriebe.“´Leichter fällt der Einstieg denjenigen, die „nur auf Umschalten und Standards setzen“, meint der 39-Jährige. 96 hat da allerdings einen anspruchsvolleren Plan.

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Vorteil für Hannover 96?

Das enge Programm mit fünf Spielen in 16 Tagen könnte helfen, schnell den Rhythmus zu finden. Die Osnabrücker haben dabei den Vorteil, beim 1:1 bei Spitzenreiter Bielefeld am vergangenen Sonntag schon die Geisteratmosphäre gespürt zu haben. „Nichts ersetzt den Wettkampf“, keine neue Erkenntnis von Kocak, aber sie gilt nun mal. Er sagt: „Ich bin selber gespannt, wie wir rauskommen“ aus der 77-tägigen Corona-Pause.

Sollte 96 am Samstag in Osnabrück und auch am kommenden Mittwoch gegen Karlsruhe verlieren, dann taucht das Abstiegsgespenst wieder in Hannover auf. Das schien vertrieben worden zu sein durch Siege gegen Kiel (3:1) und in Nürnberg (3:0).

Für Kocak zählt erstmal nur die Partie gegen Osnabrück. Es soll keiner geschont werden mit Blick auf die nächsten Wochen. Es gebe „keinen Millimeter Raum für Taktiererei“, stellt der Coach klar. „Das können wir uns nicht erlauben. Wir müssen zusehen, dass wir uns retten.“

Es werden aber auch viele genau hinsehen, wie 96 bei etwaigen Toren jubelt. DFL-Chef Christian Seifert hat die Profis in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ ermahnt: „Ich gehe davon aus, dass sich alle an die Empfehlung halten, auf die Nähe beim Jubeln zu verzichten.“ Der 96-Trainer hofft natürlich auf das Siegszenario – und „dass wir viele Gründe zum Jubeln haben. Ich bin gespannt, was sich die Jungs da einfallen lassen.“