20. November 2020 / 18:06 Uhr

Re-Start der Regionalliga Nordost? Bereitschaft und Skepsis in Brandenburg

Re-Start der Regionalliga Nordost? Bereitschaft und Skepsis in Brandenburg

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
Märkisches Regionalliga-Derby: Pascal Borowski vom FSV 63 Luckenwalde (l.) gegen den SV Babelsberg 03 um Philip Saalbach.
Märkisches Regionalliga-Derby: Pascal Borowski vom FSV 63 Luckenwalde (l.) gegen den SV Babelsberg 03 um Philip Saalbach. © Jan Kuppert
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Ab 4. Dezember soll wieder gespielt werden. Doch es bleiben offene Fragen - mit einem Verweis in die West-Staffel. 

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Die Regionalliga Nordost steht womöglich vor einem Neustart. Der Nordostdeutsche Fußball-Verband (NOFV) teilte am Donnerstagabend mit, dass die Saison ab dem 4. Dezember weitergeführt werden soll, bis Weihnachten sollen drei reguläre Spieltage stattfinden, außerdem ausgefallene Spiele nachgeholt werden. „Gemäß den Verfügungslagen und im Interesse der Eindämmung der Pandemie ist die Durchführung der Spiele ohne Zuschauer in den Stadien erforderlich“, heißt es in der Mitteilung, weshalb man mit dem MDR in „positiven Gesprächen“ sei, um möglichst viele Spiele auch im Internet zu übertragen.

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Abwarten auf politische Entscheidungen

Zuvor war sogar über einen Wiederbeginn am kommenden Mittwoch spekuliert worden. Allerdings dürfen acht Vereine – die sieben Berliner Teams sowie Germania Halberstadt (Sachsen-Anhalt) – derzeit vor dem 1. Dezember keine Meisterschaftsspiele austragen.

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Brandenburger Vereine signalisierten ihre Bereitschaft für den Re-Start nach dann einem Monat Pause. „Wir würden natürlich gerne im Dezember wieder spielen, auch wenn einige Teams das nicht möchten. Aber wir müssen den 25. November abwarten, erst dann wird es eine endgültige Entscheidung geben“, sagte Optik-Rathenow-Trainer Ingo Kahlisch und bezog sich damit auf die Beratungen zwischen Bund und Ländern am kommenden Mittwoch. Dort soll über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie beraten werden. „Angesichts der aktuellen Fallzahlen muss man aber skeptisch sein, ob der Ball wirklich wieder rollen kann“, sagte Peter Könnicke, Vorstandsmitglied des SV Babelsberg 03.

Geisterspiele keine Dauerlösung

Kahlisch erklärte außerdem, dass zwei oder drei Heimspiele ohne Zuschauer möglich wären und dies auch Konsens unter den Vereinen gewesen sei. „Aber darüber hinaus müssen Zuschauer dabei sein, sonst wird es wirtschaftlich schwierig“, sagte der Optik-Trainer. „Am Ende ist das ja auch keine eigene Beschäftigungstherapie, denn wir machen das ja gerade auch für die Fans“, meinte Könnicke. Die wirtschaftlichen Folgen von Geisterspielen sieht auch Dirk Heinze kritisch. „Gleichzeitig brauchen die Vereine aufgrund fehlender Zuschauereinnahmen Unterstützung – nicht zuletzt, weil die Fixkosten wie Schiedsrichterkosten, Spielabgaben und natürlich auch die Spielergehälter weiterlaufen“, erklärte der Vorsitzende des FSV 63 Luckenwalde.


Auch Stefan Scharfenberg-Hecht betonte, dass Geisterspiele nur temporär tragbar seien. Der Sprecher des besonders publikumsstarken FC Energie Cottbus fügte hinzu: „Geht es über einen längeren Zeitraum ohne Zuschauer, wären finanzielle Hilfen zur Kompensation notwendig.“ Er verwies auf die Regionalliga West, die derzeit als einzige vierte Fußball-Spielklasse weiterläuft – auch dank 15 Millionen Euro Förderung durch das Land Nordrhein-Westfalen.

Scharfe Kritik von Lok Leipzig

Es regt sich im Nordosten allerdings auch Widerstand gegen eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs in diesem Jahr – insgesamt fünf Vereine haben nach MAZ-Informationen ihre Ablehnung kundgetan, darunter Lok Leipzig. „Mit einer möglichen Entscheidung, noch in diesem Jahr die 4. Liga fortzusetzen, wird der Fußball und in diesem Fall der NOFV an Ansehen verlieren. Während eines Lockdowns, in dem eine Vielzahl von Unternehmen ums nackte Überleben kämpfen und Familien aufgefordert werden, auf jegliche private Weihnachtsfeiern zu verzichten, ist es aus unserer Sicht unverantwortlich und gesellschaftlich nicht zu vertreten, die 4. Liga fortzusetzen“, hieß es in einem offenen Brief, den der Tabellensechste bereits vor der Konferenz an den NOFV geschickt hatte. Der Club formulierte auch Fragen an den Verband – etwa zur Finanzierung von möglichen Corona-Tests, Ausgleichszahlungen für Geisterspiele und finanzielle Hilfe durch die Politik.

„Der Wunsch und die Absicht vieler Vereine, bald wieder spielen zu dürfen, sind grundsätzlich nachvollziehbar“, sagte Babelsbergs Könnicke, mahnte für weitere Entscheidungen aber an: „Die Gesundheit geht vor allem – und daher sollten wir uns der gesellschaftlichen Vorbildfunktion, die auch die Fußball-Regionalliga hat, bewusst sein.“