11. März 2021 / 10:43 Uhr

Reaktion zur Streichung der Fördermittel in Sachsen: "Integration ist kein Sprint, sondern ein Dauerlauf"

Reaktion zur Streichung der Fördermittel in Sachsen: "Integration ist kein Sprint, sondern ein Dauerlauf"

Britt Schlehahn
Leipziger Volkszeitung
Rotation Leipzig
Rotation Leipzig integriert Flüchtlingskinder in den Jugendmannschaften. © Andre Kempner
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Bisher stellte der Freistaat Sachsen für das Programm "Förderung der Integration von Flüchtlingen durch Sport" 500.000 Euro zur Verfügung. Diese Fördermittel werden nun gestrichen. Der SPORTBUZZER hat deshalb beim zuständigen Ministerium, bei der SPD, den Bündnisgrünen und der Linken im sächsischen Landtag nachgefragt.

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Leipzig. Der Freistaat plant für den nächsten Doppelhaushalt 2021/22 die Streichung der Gelder für das Landesprojekt "Förderung der Integration von Flüchtlingen durch Sport". Warum eigentlich? Zeichnet sich im Freistaat ab, dass laut politischer Entscheidungsträger eine gelebte Willkommenskultur flächendeckend existiert, die keinerlei Unterstützung für Vereine mehr verlangt? Der SPORTBUZZER fragte beim zuständigen Ministerium, bei der SPD, den Bündnisgrünen und der Linken im sächsischen Landtag nach.

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Das Sächsische Staatsministerium des Innern erklärt zur Streichung der finanziellen Mittel, dass "das Projekt seit 2015 immer auf die Dauer von zwei Jahren angelegt" gewesen sei. "Mit Hilfe der Projektförderung hat der Landessportbund ein gut funktionierendes Netzwerk mit den Kreissportbünden bzw. Vereinen aufbauen können, die in die Lage versetzt wurden, gute Integrationsarbeit zu leisten."

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Trotz dieser lobenden Worte erklärt das Ministerium: "Auch im Bereich des Sports musste im Zuge der Haushaltsaufstellung eine Fokussierung bei den zur Verfügung stehenden Haushaltsmitteln vorgenommen werden." Daher verweist das Ministerium bei der geplanten Streichung der Mittel auf "mehrere Bundesprogramme, die inhaltlich den gleichen Ansatz verfolgen". Somit gibt das Land die Verantwortung an den Bund ab und sieht keine Veranlassung, die entstandenen Netzwerke weiter zu unterstützen.

"Fatale Auswirkungen"

Was sagt die SPD-Landtagsfraktion? Albrecht Pallas, der innen- und sportpolitische Sprecher der Fraktion, erklärt gegenüber dem SPORTBUZZER: "Die SPD-Landtagsfraktion kämpft in den aktuell laufenden Haushaltsberatungen dafür, dass die notwendigen Gelder bereitgestellt werden. Das wichtige und vor allem erfolgreiche Programm muss ohne Wenn und Aber weitergeführt werden." Daher beschreibt Pallas die Streichung der Gelder "als Desaster". Die SPD "unterstützt die Forderungen nach einer weiteren Förderung, die durch Verbände und Vereine zu Jahresbeginn auch an uns herangetragen wurden und zu denen wir mit ihnen im Gespräch sind."

Auch die Bündnisgrünen nehmen die Streichung der Gelder nicht einfach hin. "Gemeinsames Sporttreiben im Verein ist eine Brücke für Menschen mit Migrationsgeschichten, um in einer neuen Heimat Fuß zu fassen und für Einheimische, um "die Anderen" besser kennenzulernen und Fremdenfeindlichkeit abzubauen." Die sportpolitische Sprecherin, Ines Kummer, spricht von einer "fatalen Auswirkung" für den Freistaat, dass "dieser gesellschaftliche Wert im Haushaltsentwurf der Staatsregierung" nicht zu finden sei.

Die sportpolitische Sprecherin stellt heraus: "In den letzten Jahren wurden viele gute Projekte aufgebaut, die eine langfristige Perspektive nicht nur verdienen, sondern so auch noch mehr Wirkung entfalten können. Die emotionale Kraft des Sporttreibens, die Entstehung eines WIR-Gefühls - diese Erfahrung kennen sehr viele Menschen. Dieses Gefühl sollten wir nutzen, um als Gesellschaft näher zusammenzurücken." Daher setzt sich die Fraktion für die "weitere Unterstützung des Projektes ein. Wenn es uns darüber hinaus gelingt, eigene finanzielle Mittel und Förderprogramme des Bundes aufzustocken, ist das ein Gewinn für uns alle."

Linke wollen Änderungsantrag einbringen

Als "nicht nachvollziehbar" schätzt die Sportpolitische Sprecherin der Linken, Marika Tändler-Walenta, die Streichung der Landesmittel ein. Vielmehr betont sie: "Integration ist kein Sprint, sondern ein Dauerlauf. Es ist erwiesen, dass Sport sehr positiv auf das Miteinander wirkt und damit eine der erfolgreichsten Inklusionsmaßnahmen ist. Dass im Moment weniger Geflüchtete nach Sachsen kommen, heißt nicht, dass die Bemühungen in diesem Bereich weniger werden.

Das zeigt auch das hohe Antragsvolumen für die Projektförderungen im Bereich "Integrative Maßnahmen"." Aus dem Grund betont Tändler-Walenta gegenüber dem SPORTBUZZER, dass ihre Fraktion "im Zuge der Haushaltsverhandlungen entsprechend einen Änderungsantrag für diesen Haushaltstitel einbringt."