24. März 2021 / 17:44 Uhr

Reaktionen aus Göttinger und Eichsfelder Vereinen zur geplanten Annullierung der Saison

Reaktionen aus Göttinger und Eichsfelder Vereinen zur geplanten Annullierung der Saison

Kathrin Lienig
Göttinger Tageblatt
Raphael Kopp ist froh, dass er nach der langen Pause genug Zeit hat, um wieder in Form zu kommen.
Raphael Kopp ist froh, dass er nach der langen Pause genug Zeit hat, um wieder in Form zu kommen. © Helge Schneemann (Archiv)
Anzeige

Mit Verständnis reagieren die Verantwortlichen, Trainer und Spieler aus den Göttinger und Eichsfelder Vereinen auf den Plan, die Fußball-Saison in Niedersachsen zu annullieren.

Anzeige

Der Niedersächsische Fußballverband plant – in Abstimmung mit den Kreisen – die Fußballsaison 2020/21 abzubrechen. Zu der Variante „Annullierung“ haben sich auch Trainer, Spieler und Vereinsverantwortliche aus der Region geäußert. Tenor: Die Entscheidung sei unumgänglich, allerdings führen die Befragten unterschiedliche Gründe für ihre Meinung an.

Anzeige

Dennis Erkner, Trainer des Oberligisten SVG Göttingen: „Die momentanen Signale, die aus der Politik kommen, lassen eine andere Entscheidung nicht zu.“ Es bereite ihm aber Sorgen, dass bis zum Start der nächsten Pflichtspiele viele Monate Pause zu überbrücken seien. „Letztlich war es absehbar, dass es auf diese Entscheidung hinausläuft, wir kommen in der Gesamtsituation zum jetzigen Zeitpunkt nicht voran.“ Er habe Angst, dass der Amateursport zu sehr leide und dass diejenigen, die die Liebe zum Spiel mitbringen, zu kurz kommen.

Fairplay beachten

Marion Jaschewski, Vorsitzende des Frauen-Oberligisten FFC Renshausen: „Ich war schockiert, dass der NFV sich so lange, so schwammig zu der Situation geäußert hat. Ich bin Krankenschwester und habe ständig mit dieser Pandemie und ihren Folgen zu tun. Für mich ist die Annullierung die logische Konsequenz. Bei unserer Oberliga-Mannschaft muss man auch immer bedenken, woher die Gegner kommen. Da hätte es dann Teams gegeben, die sich normal hätten vorbereiten dürfen, weil der Inzidenzwert in ihrem Kreis niedrig war, und andere, die nur kontaktlos hätten trainieren können, weil aufgrund hoher Werte nichts anderes erlaubt gewesen wäre. Mit Fairplay hätte das nichts zu tun gehabt. Als Mitglied im Frauen- und Mädchenausschuss des Fußballkreises habe ich auch gemerkt, wie schwierig die Kommunikation mit den Vereinen war. Wir konnten bislang immer nur schwammig formulieren, solange keine Beschlüsse vorlagen.“

Drei Sichtweisen

Florian Jünemann, Trainer des Landesligisten TSV Landolfshausen-Seulingen: „Ich sehe das aus drei Perspektiven. Aus pandemischer Sicht ist die Annullierung alternativlos und hätte auch schon früher kommen müssen. Bei der Vorstellung, demnächst in den Landkreis Salzgitter zu einem Spiel zu reisen, wo der Inzidenzwert um 200 liegt, habe ich arge Bedenken. Aus sportlicher Sicht finde ich es schade, dass wir keine Chance haben, uns für die schwachen Ergebnisse zu rehabilitieren. Wir hätten gern gezeigt, dass wir mehr leisten können als das Punktekonto hergibt“, sagt der Coach des Tabellenletzten, der noch keinen Punkt in den vier ausgetragenen Spielen geholt hat. „Der dritte Blickwinkel ist natürlich die Tabellensituation. Wenn die Saison in einer abgespeckten Variante zu Ende gespielt worden wäre, hätten wir ein Problem bekommen, mit wenigen Spielen die Saison noch zu retten. Hinzu wäre gekommen, dass wir vielleicht auf fünf, sechs Spieler hätten verzichten müssen, weil die nach der ersten Quarantäne zum Saisonstart schon von ihren Arbeitgebern die Pistole auf die Brust gesetzt bekommen haben und das Risiko nicht eingegangen wären, durch eine erneute Quarantäne ihren Arbeitsplatz zu verlieren.“

Der beste Weg

Knut Nolte, Trainer des Bezirksligisten SV BW Bilshausen: „Es bleibt nichts anderes übrig. Die Zeit wäre sowieso knapp geworden. Diese Entscheidung ist der beste Weg. Aber es sind auch zwei verlorene Jahre. Ich denke gerade an die Jungs, die aus der A-Jugend gekommen sind. Denen fehlt eine wichtige Zeit in der Entwicklung und Eingewöhnung im Herrenbereich.“ Vorwürfe könne man den Verantwortlichen keine machen: „Die Pokalspiele vor dem Start der Punktspiele waren eine gute Vorbereitung. Keiner konnte ahnen, wie sich das entwickelt und dass wir letztlich nur drei Bezirksliga-Spiele machen konnten.“

Mehr vom Sport in der Region

Persönliche lange Vorbereitung

Raphael Kopp, Torjäger des Fußball-Kreisligisten SV Eintracht Hahle: „Der NFV hat keine Möglichkeit, anders zu reagieren. Aus sportlicher Sicht ist die Entscheidung natürlich nicht schön, wir wollen alle wieder auf dem Platz stehen. Aber es ist in jedem Fall eine faire Lösung, die Saison zu annullieren und besser, als mit Ach und Krach alles durchzuziehen. Persönlich weiß ich, dass ich nach dieser langen Pause mehr Anlauf brauche, um mich vernünftig vorzubereiten.“