05. November 2021 / 18:09 Uhr

"Schlag ins Gesicht": Fortuna-Coach Sommer enttäuscht über Heimrechttausch

"Schlag ins Gesicht": Fortuna-Coach Sommer enttäuscht über Heimrechttausch

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
David Sommer (Trainer Fortuna), Fortuna Babelsberg - TSV Chemie Premnitz, AOK Landespokal Brandenburg, Saison 21/22, 31.07.2021, Potsdam, Foto: Benjamin Feller
"Es ist nicht irgendein Spiel, für viele Menschen im Verein und im Stadtteil ist es das Spiel überhaupt", sagt Fortuna-Trainer David Sommer mit Blick auf das getauschte Heimrecht im Landespokal-Viertelfinale. © Benjamin Feller/Archivbild
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AOK-Landespokal: Im Viertelfinale kann Landesligist Fortuna Babelsberg sein Spiel gegen Cottbus aus Sicherheitsgründen nicht zu Hause austragen.

Einmal einen großen Gegner im Fußball-Landespokal bei sich begrüßen – davon träumt jeder Amateurverein im Pokalwettbewerb. Landesliga-Nord-Vertreter Fortuna Babelsberg hat das große Los gezogen und trifft im Viertelfinale des Cup-Wettbewerbes auf den Regionalligisten FC Energie Cottbus. Eigentlich sollten die Schützlinge von Trainer David Sommer den ehemaligen Bundesligisten aus der Lausitz am 13. November (13 Uhr) auf dem Sternsportplatz empfangen. Doch Pustekuchen!

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Der Fußball-Landesverband Brandenburg (FLB) sowie die beteiligten Vereine haben sich nämlich darauf verständigt, dass das Viertelfinale im AOK-Landespokal Brandenburg im Cottbuser Stadion der Freundschaft ausgetragen wird, um allen „logistischen und sicherheitsrelevanten Vorgaben“ gerecht werden zu können. Dies schrieb der FC Energie am Freitagmorgen auf seiner Homepage – bevor es eine öffentliche Stellungnahme des FLB zum Heimrechttausch, der inzwischen auch schon im Ansetzungssystem DFBnet eingetragen ist, gab.

In Bildern: Fortuna Babelsberg wirft Victoria Seelow aus dem Landespokal.

Im Achtelfinale des AOK-Landespokals sorgte die Fortuna aus Babelsberg (schwarze Trikots) für die Überraschung: Die Kicker vom Stern bezwangen Oberligist Victoria Seelow mit 1:0 (0:0). Das Tor des Tages gegen in der Endphase nur noch neun Gäste erzielte Dennis Weber in der 90. Minute vom Elfmeterpunkt. Zur Galerie
Im Achtelfinale des AOK-Landespokals sorgte die Fortuna aus Babelsberg (schwarze Trikots) für die Überraschung: Die Kicker vom Stern bezwangen Oberligist Victoria Seelow mit 1:0 (0:0). Das Tor des Tages gegen in der Endphase nur noch neun Gäste erzielte Dennis Weber in der 90. Minute vom Elfmeterpunkt. © Marius Böttcher

Fortuna-Trainer Sommer, dessen Team in der Praxis gar keine Wahl gelassen wurde, ist davon alles andere als begeistert: „Es ist nicht irgendein Spiel, für viele Menschen im Verein und im Stadtteil ist es das Spiel überhaupt. Als wir von der Nachricht erfahren haben, herrschte vor allem Traurigkeit.“ Viele Leute im Verein hätten im Hintergrund ehrenamtlich gearbeitet, um dieses Spiel überhaupt zu ermöglichen, was für so einen kleinen Verein laut Sommer „natürlich eine Riesenaufgabe“ sei. Trotzdem hätten sich Spieler bemüht, Sponsoren zu akquirieren, um überhaupt den notwendigen finanziellen Rahmen schaffen zu können. „Es wurden Plakate in Auftrag gegeben, Tickets gedruckt und vom Caterer schon viel für die Versorgung am Spieltag eingekauft. Grundsätzlich stieg die Vorfreude im ganzen Verein von Tag zu Tag“, berichtet der 33-jährige Potsdamer.

Nach SPORTBUZZER-Informationen hatte Fortuna erst am Dienstag die Zusage für die Durchführung des Spiels auf dem Sternsportplatz und die Abnahme des in Zusammenarbeit mit der Polizei, Stadt Potsdam und Landesverband erarbeiteten Sicherheitskonzeptes bekommen. Maßgeblich verantwortlich für die Verlegung seien jetzt die jüngsten Vorkommnisse beim Regionalliga-Spiel zwischen Energie und Fortunas Stadtteilrivalen SV Babelsberg 03 (2:0). Dabei wurde ein Geschäftsstellenmitarbeiter des SVB nach der Begegnungen körperlich angegriffen und die Abfahrt des Mannschaftsbusses verzögerte sich, weil eine Gruppe von rund 50 Energie-Fans die Stadionausfahrt blockierte.

"Uns wurde nicht einmal ein Kompromiss angeboten"

Erschwerend komme hinzu, dass die eigentlich zeitgleich am 13. November angesetzte Viertelfinalpartie des SVB bei Grün-Weiss Ahrensfelde aufgrund mehrerer bestätigter Coronafälle bei Nulldrei auf der Kippe steht. Bei einer Absage des Spiels bestünde die Gefahr, dass Nulldrei-Fans beim Fortuna-Spiel sind und in Auseinandersetzungen mit Energie-Anhängern geraten könnten. Ronny Beyer, beim FLB Mitarbeiter für „Gesellschaftliche Verantwortung und Vereinsberatung“, bestätigte auf SPORTBUZZER-Nachfrage am Freitagabend, „dass die spielleitende Stelle das Spiel neu angesetzt hat“ und die Partie in Cottbus stattfindet. „Die Neuansetzung erfolgte, nachdem Fortuna Babelsberg mit Zustimmung des Spielgegners und der spielleitenden Stelle auf sein Heimrecht verzichtet hat.“ Dem voraus sei eine Neueinstufung des Pokalspieles als Spiel mit erhöhtem Risiko gegangen.

„Uns wurde nicht einmal ein Kompromiss angeboten“, betont Sommer verärgert und empfindet die getroffene Entscheidung als „Schlag ins Gesicht“. Er verweist auch darauf, dass Energie vor zwei Jahren im Landespokal beim RSV Eintracht 1949 zu Gast war, der Luftlinie nicht viel weiter als Fortuna vom Stadion von Babelsberg 03 entfernt liegt. Als Mannschaft könne man die Bedenken sicherlich verstehen, sich aber nicht damit abfinden, dass man selbst jetzt benachteiligt ist.


Fortuna sorgt für Furore

„Wir werden jetzt dafür abgestraft, dass sich zwei andere Fangruppierungen nicht mögen. Das ist unfair und wir hoffen, dass der Landesverband noch nach einer anderen Lösung sucht. Wenn wir auf Grundlage dieser Gründe unser Spiel hergeben müssen, muss man den Landesverband wirklich fragen, warum man als kleinerer Verein weiter in diesem Wettbewerb starten soll. Ist es nicht das Ziel, so ein Spiel spielen zu dürfen?“, fragt der B-Lizenz-Inhaber, der das Traineramt bei den Babelsbergern vor der Saison von David Karaschewitz übernahm und im bisherigen Pokalwettbewerb mit Siegen über die Brandenburgligisten FSV Bernau und Grün-Weiß Lübben sowie den Oberligisten Victoria Seelow für Furore sorgte. „Auch 2022 wird Fortuna Babelsberg kein Stadion haben. Wir werden weiter Babelsberg im Namen tragen und in Potsdam Fußball spielen. Heißt das jetzt, dass wir nur aus den oben genannten Gründen nie ein Spiel gegen Cottbus bestreiten können?“

Ob die Babelsberger, die im Ligaalltag am Samstagnachmittag ab 14 Uhr Gastgeber für den FC Schwedt 02 sind, mit Blick auf die neu eingetretenen Umstände das Spiel in der Lausitz wahrnehmen, oder sogar einen Nichtantritt in Erwägung ziehen, stand am Freitagabend noch nicht fest. Ganz im Gegensatz zu der Tatsache, dass die Enttäuschung bei Spielern, Fans und Vereinsverantwortlichen auch 24 Stunden nach Übermittlung der für sie schlechten Nachricht weiterhin riesig war.