23. Januar 2021 / 16:54 Uhr

Reaktionen zur SHFV-Entscheidung: Hier Zustimmung, dort Ablehnung

Reaktionen zur SHFV-Entscheidung: Hier Zustimmung, dort Ablehnung

Volker A. Giering
Lübecker Nachrichten
Eines der letzten Spiele, das vor der Unterbrechung noch stattfinden konnte: SV Eichede gegen Eutin 08, hier Eichedes Evgenij Bieche (l.) gegen Kevin Hermann von Eutin. Verantwortliche beider Vereine äußern sich im Sportbuzzer zu den Plänen des SHFV, die Saison fortzusetzen. 
Eines der letzten Spiele, das vor der Unterbrechung noch stattfinden konnte: SV Eichede gegen Eutin 08, hier Eichedes Evgenij Bieche (l.) gegen Kevin Hermann von Eutin. Verantwortliche beider Vereine äußern sich im Sportbuzzer zu den Plänen des SHFV, die Saison fortzusetzen.  © 54°/Garve
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Die Saison 2020/21 soll fortgesetzt werden, das hat der SHFV-Verband wie vermeldet entschieden. Der LN-Sportbuzzer hörte sich um und hat erste Reaktionen von einigen Vereinen aus der Region eingesammelt.

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Olaf Gehrken, Vorsitzender vom SV Eichede: „Noch ist das viel Konjunktiv. Grundsätzlich finde ich die Ausrichtung, die beginnende Saison in einer vernünftigen Art und Weise zu Ende zu spielen, zu einhundert Prozent richtig. Von dem Hamburger Model, die Saison abzubrechen, wenn ab 14. Februar kein Trainingsbetrieb wieder möglich ist, halte ich nichts. Die Vorbereitungszeit von vier Wochen zu minieren, darüber kann man reden. Ich finde es sehr positiv, dass der SHFV-Verband einen Wettbewerb durchführen möchte. Das ist ein richtiger Ansatz und dem Sport zugewandt.“

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Timo Gothmann, Teammanager beim SV Todesfelde: „Ich persönlich bin da eher der Meinung der deutlichen Mehrheit aller Umfragen zu diesem Thema. Ich gehe davon aus, dass der SHFV sich die Entscheidung nicht leicht gemacht hat. Aber ich denke den Optimismus haben die entscheidenden Herren wohl ziemlich exklusiv. Zum eventuell im Februar endenden Lockdown kommt ja auch noch die Witterung. Die Erfahrung hat doch gezeigt, dass ein regelmäßiger Spielbetrieb nicht vor Mitte oder Ende März auf den Plätzen zu bewerkstelligen ist. Und dann sind ja zusätzlich noch englische Wochen nötig. Eine Platzfreigabe, gerade auf städtischen Plätzen, sehe ich da in weiter Ferne. Natürlich tragen wir die Entscheidung unseres Verbands mit, aber für die Planung der Vereine wäre eine klare Entscheidung, die dann ja nur Abbruch hätte lauten können, besser gewesen. Jetzt müssen wir die Jungs weiter im Training halten. Für was? Für wann? Keiner kann das sagen. Wir hangeln uns von Monat zu Monat. Das ist ja auch mit Kosten verbunden. Man hat jetzt viel Aufwand, aber keine Einnahmen. Und vielleicht, sogar höchstwahrscheinlich, ist das alles für die Katz. Wir haben ja Glück, im DFB-Pokal gespielt zu haben und somit über zusätzliche Einnahmen aus dem letzten Jahr zu verfügen. Aber das geht sicher nicht jedem Verein so. Über Auf- und Abstieg will ich gar nicht groß ins Detail gehen. Aber wird die Regionalliga überhaupt soweit durchkommen, um Absteiger zu ermitteln? Kann ein Oberliga-Verein mit gutem Gewissen für die Regionalliga melden, ohne zu wissen, wie die wirtschaftliche Zukunft aussieht? Es ist ja momentan nicht gerade so, dass einem die Sponsoren die Tür einrennen. Schon gar nicht, wenn man ab Sommer noch mehr Geld benötigt. Bei aller Anerkennung für den Optimismus und die Arbeit über jegliche Planspiele des SHFV, denke ich aber, dass sie den Vereinen mit der Entscheidung einen Bärendienst erweisen.“

„Eddy“ Schultz, Ligamanager von Eutin 08: „Ich sehe das kritisch und bevorzuge das Hamburger Modell, wonach die Saison abgebrochen werden sollte, wenn der Trainingsbetrieb ab 14. Februar nicht wieder aufgenommen werden kann. Das Problem aus meiner Sicht ist, dass die Politik alles vor sich herschiebt. Wie soll das funktionieren? Die Jungs haben vier Monate nichts getan. Preußen Reinfeld hat erst zwei Spiele seit März 2020 ausgetragen. Das ist doch keine normale Punkterunde, sondern reine Wettbewerbsverzerrung. Unsere zweite Mannschaft müsste noch 17 Spiele bis zum geplanten Saisonende am 13. Juni austragen. Am besten die Saison abbrechen, dann kann man vernünftig für die neue Spielzeit 2021/22 planen. Die Aufstiegsregelung im Hinblick auf die Regionalliga kann man einfach mit einem direkten Duell mit Hin- und Rückspiel lösen, wenn Eichede und Todesfelde tatsächlich die einzigen interessierten Klubs sein sollten.“

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Jan-Hendrik Schmidt, Sportlicher Leiter von Preußen Reinfeld: „Natürlich wünschen auch wir uns so bald wie möglich wieder unserem geliebten Hobby nachgehen zu können. Aber die aktuellen Zahlen, der gerade verlängerte Lockdown stimmen mich nicht gerade allzu positiv, dass wir noch vor Ostern zu einem „normalen“ Betrieb im Hobbyfussball kommen werden. Der Hamburger Fußball-Verband macht es dort besser. Planungssicherheit wird hier immer wichtiger und die sehe ich in Schleswig-Holstein leider aktuell überhaupt nicht. Mir persönlich fehlt aber auch die Fantasie, wie man die Saison bis zum 13. Juni durchziehen möchte. Wir sind Amateure, ständige englische Wochen wäre eine fast nicht zu ertragende Belastung für alle. Ein Abbruch der aktuellen Saison und ein geordneter Start der Saison 2021/22 im Regelbetrieb einer 18er Staffel ist hier klar mein Favorit.“

Sascha Strehlau, Trainer vom FC Dornbreite: „Für mich ist das der richtige Schritt. Wir leben seit einem Jahr mit der Pandemie und wollen Spiele unter Wettbewerbscharakter, allemal besser als nur Freundschaftsspiele bis August – wie möglicherweise in Hamburg. Für die Motivation wäre es jedoch schön, wenn man bald einen genauen Termin wüsste. Wir freuen uns, wenn es wieder losgeht. Die Gesundheit steht im Vordergrund. Wobei die Vereine vor dem Lockdown gute Hygienekonzepte hatten.“

Florian „Ebbe“ Albrecht, Trainer vom Oldenburger SV: „Die Frage ist, wann wir wieder loslegen können und dürfen. Wenn es zeitnah geschieht und wir nur die einzelnen Staffeln mit Hin- und Rückrunde spielen, würde man das gewuppt bekommen. Ob man es dann noch hinbekommt, die Gruppen wie geplant zu tauschen, wage ich zu bezweifeln. Es steht und fällt mir der Frage, wann wir starten können.“

Marco Kalcher, Vorsitzender von Grün-Weiß Siebenbäumen: „Wenn wir rechtzeitig anfangen können, finde ich das im Sinne aller gut. Ich glaube allerdings, dass wir nicht vor April beziehungsweise Ostern wieder Fußball spielen werden. Dafür sind die Corona-Zahlen einfach noch zu hoch. In diesem Fall wird die Zeit eng, wenn die Saison bis 13. Juni beendet sein soll. Man darf nicht vergessen, dass wir erst zwei Punktspiele ausgetragen haben.“

Martin Ghafury, Sportlicher Leiter vom TuS Hartenholm: "Wir finden es definitiv gut, dass der SHFV sich flexibel zeigt und man sieht, dass man sich dort mit der Thematik beschäftigt. Keiner weiß, wie die Pandemie sich weiterentwickelt und es bringt keinem was die Saison jetzt schon abzubrechen. Die Sportler werden sich freuen, dass der Verband positiv gestimmt ist und wir hoffen, dass wir bald gemeinsam wieder auf dem Platz stehen können. Trotzdem muss man vorsichtig an die Sache rangehen, da wir aktuell leider noch keine positive Tendenz in der Pandemie sehen. Wir sollten erst an Fußball denken, wenn wir die Pandemie im Griff bekommen haben und unbesorgt auf den Platz können."