18. September 2019 / 12:08 Uhr

Real, Nudelsuppe und der Europa-Start des VfL Wolfsburg: Arnold im SPORTBUZZER-Interview

Real, Nudelsuppe und der Europa-Start des VfL Wolfsburg: Arnold im SPORTBUZZER-Interview

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Maximilian Arnold schoss gegen Real das bisher letzte Europa-Tor des VfL Wolfsburg
Maximilian Arnold schoss gegen Real das bisher letzte Europa-Tor des VfL Wolfsburg
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Er schoss das bisher letzte Europa-Tor des VfL Wolfsburg – 2016 gegen Real Madrid: Vor dem Start der neuen Europa-League-Saison spricht Maximilian Arnold über  Fußball-Abende auf der Couch, Nudelsuppe und die neuen internationalen Aufgaben.

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Dreieinhalb Jahre nach den Champions-League-Spielen gegen Real Madrid ist der VfL zurück auf Europas Bühne. Einer der Wolfsburger Protagonisten der beiden Spiele gegen die Königlichen war Maximilian Arnold. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der 25-jährige Mittelfeldspieler über die Erinnerung an Real und die neuen internationalen Aufgaben.

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Herr Arnold, Sie haben das bisher letzte VfL-Tor in einem Europacup-Spiel geschossen – wie gut erinnern Sie sich daran?

Natürlich gut! Wann schießt man schon mal ein Tor gegen Real Madrid? Außerdem war es mein einziges Tor im Europapokal.

Na, dann erzählen Sie mal...

Der Ball kam rechts raus auf Bruno Henrique, der hat noch ein- oder zweimal ein bisschen gewackelt und ihn dann reingebracht. Und da habe ich mich dann von Sergio Ramos weggeschlichen und ihn irgendwie reingemacht.

Geschlichen ist gut – Sie sind in bester Mittelstürmer-Manier auf den kurzen Pfosten gegangen, da gehörten Sie ja eigentlich gar nicht hin.

Stimmt, keine Ahnung wieso ich da plötzlich war. Aber ich weiß noch, dass ich beim Jubeln überhaupt nicht wusste, was ich machen sollte. Vor Freude in den Block springen? Gar nichts machen? Ich war völlig überfordert.

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Gut in Schuss: Wolfsburgs Legende Roy Präger liegt mit VfL-Bundesliga-Toren auf Platz 11. Zur Galerie
Gut in Schuss: Wolfsburgs Legende Roy Präger liegt mit VfL-Bundesliga-Toren auf Platz 11. ©

Beim Rückspiel machten Sie sich dann selbst schwere Vorwürfe...

Ich spiele vorm ersten Gegentor einen katastrophalen Fehlpass und dann fälsche ich anschließend auch noch die Flanke so blöd ab, dass der Ball Ronaldo direkt vor die Füße fällt. Kurz danach fällt gleich das zweite Tor, das war schon extrem bitter. Heute muss ich sagen: Wir waren insgesamt vielleicht tatsächlich ein bisschen zu ängstlich an dem Abend in Madrid.

Sind die beiden Spiele gegen Real Ihre größten Erinnerungen an europäische Spiele mit dem VfL?

Natürlich, aber es gab auch andere tolle Momente. Unser Sieg gegen Manchester United im letzten Spiel der Gruppenphase 2015. Oder das Jahr davor in der Europa League, mein allererstes Europapokal-Spiel beim FC Everton. Ich hab’ mich so unfassbar auf das Spiel gefreut, hab’ vorher noch daran gedacht, wie ich früher mit meinem Kumpel Pascal die Europapokal-Abende am Fernseher verfolgt habe. Und dann saß ich nicht mehr auf der Couch, sondern stand auf dem Platz. Schon irre. Leider haben wir das Spiel 1:4 verloren.

Wie verliefen denn diese Europacup-Abend auf der Couch?

Meistens zu zweit, wir haben uns Abendessen gemacht und dann geschaut. Vor allem Dortmund. Ich war immer so ein bisschen BVB-Sympathisant, Pascal war richtiger Dortmund-Fan. Das Ding gegen Malaga 2012 mit dem Santana-Tor in der was-weiß-ich-wievielten Minute der Nachspielzeit, das war schon Wahnsinn.

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Fällt für mehrere Monate aus: Xaver Schlager. Foto: Erwin Scheriau/APA ©

Haben Sie dann selbst gekocht?

Auch. Manchmal gab’s Salat, manchmal haben wir uns Chili con Carne oder etwas in der Art gemacht.

Sie können kochen?

Klar, das ist jetzt auch wieder mehr gefragt, seit der Kleine da ist. Statt einfach nur rumzusitzen, wenn Lio gestillt wird, mache ich dann schon mal Essen. Ich kann das zwar nicht so gut wie meine Frau, aber auf jeden Fall gut genug.

Ihr Top-Gericht?

Eine Nudelsuppe nach Art meiner Mutter, ziemlich aufwendig, da muss das Fleisch zwei Stunden kochen, damit es sich ordentlich vom Knochen löst. Als ich die das erste Mal gemacht habe, musste ich allerdings zwischendurch noch zehnmal meine Mutter anrufen.

Achten Sie stark auf Ihre Ernährung?

Natürlich, heute noch mehr als früher. An Sonntagen gönne ich mir manchmal was, aber ansonsten bin ich da ziemlich streng, esse nichts aus Weizenmehl, dafür viel Dinkel und Vollkorn. Und ich achte auf den sogenannten richtigen Zucker. Ich hatte mal Ernährungsberatung, habe da eine Menge gelernt. Ich will Profifußball spielen, bis ich 35 bin – um das zu schaffen, muss ich entsprechend leben und vernünftig mit meinem Körper umgehen.

Das Spiel des VfL ist unter Oliver Glasner anders geworden, mehr Läufe, mehr Sprints – wie ist es für Sie?

Ich habe seltener den Ball.

Weil Sie „nur“ noch für die Balleroberung zuständig sind und den Ball dann möglichst schnell wieder abgeben müssen?

So ungefähr, ja.

Ist das okay für Sie?

Hm. (überlegt lange). Ich wäre schon gern häufiger am Ball, das macht schon mehr Spaß. Aber ich denke, das gilt für andere Spieler auf meiner Position auch.

Ihre Grund-Aggressivität kommt Ihrer Rolle aber eigentlich entgegen. Ein VfL-Fan sagte mir neulich „Ich mag den Arnold, weil er so ein richtiger ,Arschloch-Spieler’ ist“. Empfinden Sie das als Kompliment?

Nein, das sehe ich eher nicht als Kompliment. Ich denke, dass ich außerhalb des Platzes schon ein netter und umgänglicher Mensch bin. Im Spiel gehören Emotionen schon mal dazu, aber es gibt Grenzen. So ein bisschen Ärger und Stress und auch mal ein passender Spruch, das ist okay. Solche Typen brauchst du eigentlich in jeder Mannschaft.

Aber Sie würden nicht sagen, dass Sie es sind, der diese Rolle beim VfL ausfüllt?

Eher nicht. Ich lege mich natürlich auch mal mit einem Gegenspieler an, aber ich bin da schon ruhiger geworden. Und an so richtig brutale Fouls...

..wie etwa das von Gjasula gegen Gerhardt am dritten Spieltag...

...kann ich mich bei mir eigentlich gar nicht erinnern.

Sie sind seit acht Jahren bei den Profis dabei, haben von der Vizemeisterschaft bis zum Fast-Abstieg quasi alles erlebt, haben Spieler mit großen Namen kommen und gehen sehen. Wie gefällt Ihnen der „neue“, etwas bescheidenere VfL?

Extrem gut. Ich glaube tatsächlich, dass das der richtige Weg ist. Wir sind nicht der Verein, der jedes Jahr Dritter werden kann. Und die beiden Relegationen haben sich bei mir so tief eingebrannt, dass ich wahrscheinlich vor jeder Saison sagen werde: Bitte erst einmal nichts mit unten zu tun haben! Wenn wir es schaffen, dass der VfL konstant in der oberen Tabellenhälfte dabei ist, haben wir viel erreicht. Und die Außendarstellung passt dazu. Ich weiß nicht, ob man das noch sagen muss, weil es ja fast alle sagen, aber: Marcel Schäfer ist in dieser Hinsicht unfassbar wichtig für den VfL – und auch im Zusammenspiel mit Jörg Schmadtke ein echter Glücksfall für den Verein.

Mit Schäfer zusammen haben Sie 2016 schon gegen Gent gespielt, einem der Gruppengegner jetzt in der Europa League.

Ja, wir haben im Hinspiel in Gent schon 3:0 geführt, Max Kruse muss eigentlich das 4:0 machen – und dann kassieren wir noch zwei Gegentore. Aber im Rückspiel haben wir 1:0 gewonnen, da brannte nichts mehr an.

Kannten Sie die beiden anderen Gegner?

Nein, Olexandrija liegt in der Ukraine, alles andere musste ich erst einmal im Internet nachschauen. Und über St. Étienne wusste ich auch nicht viel.

St. Étienne stand 1976 im Endspiel des Europapokals der Landesmeister im Endspiel, verlor 0:1 gegen die Bayern…

…das war 18 Jahre vor meiner Geburt.

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Hätten Sie es lieber gehabt, wenn der VfL in Lostopf zwei gewesen wäre und dann vielleicht Top-Klubs wie Arsenal oder AS Rom die Gegner hätten sein können?

Man guckt ja immer auf beides: Sind es attraktive Spiele? Und ist es sportlich machbar, zwei Teams hinter sich zu lassen? Die sportliche Perspektive ist dabei immer die wichtigere. Und ich glaube, dass wir in der Gruppe gute Chancen haben – auch wenn wir genau wissen, dass die anderen auch was können, sonst hätten sie sich ja nicht für die Europa League qualifiziert.

Beim Stichwort „Dreifach-Belastung“ schütteln viele Spieler oft den Kopf und sagen: Ich spiele lieber als zu trainieren. Sie auch?

Eigentlich schon, aber ich weiß auch, wie hart das sein kann. 2015, rund um die Europa-League-Spiele gegen Neapel, hatten wir eine englische Woche nach der anderen, spielten dabei unser Pokal-Halbfinale in Bielefeld. Ich hatte in der Liga davor eine Gelbsperre und stand danach bei sieben Spielen in drei Wochen sechsmal in der Startelf. Das merkst du dann schon – anschließend haben wir nach 2:0-Führung nur 2:2 gegen Hannover gespielt.

Aber in dieser Phase haben Sie – in Bielefeld – Ihren ersten Doppelpack für den VfL erzielt. Vielleicht kann das als gutes Omen dienen.

Meinetwegen gern.