14. September 2020 / 09:24 Uhr

Rechtshilfekollektiv der BSG Chemie fordert Wiederaufnahme der Ermittlungen gegen Polizeibeamte

Rechtshilfekollektiv der BSG Chemie fordert Wiederaufnahme der Ermittlungen gegen Polizeibeamte

Britt Schlehahn
Leipziger Volkszeitung
„Seit Jahren werden unsere Fanszene und der Verein durch die haltlosen Ermittlungen und Überwachungen der sächsischen Justiz zu Unrecht kriminalisiert“, sagt Chemie-Vorstand Marc Walenta. (Archivfoto)
Die Partie in Fürstenwalde hallt bei den Chemie-Fans weiter nach. (Archivbild) © Archiv
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Nachdem die Staatsanwaltschaft Frankfurt/O. die Ermittlungen gegen zwei Polizeibeamte eingestellt hat, die vor dem Spiel zwischen Union Fürstenwalde und der BSG Chemie einen grün-weißen Fan schwer verletzt haben sollen, regt sich Widerstand. Das Rechtshilfekollektiv der Leutzscher prangert die oberflächliche Vorgehensweise an.

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Leipzig. Am 16. Februar 2020 wurde ein Fan der BSG Chemie Leipzig beim Auswärtsspiel in Fürstenwalde schwer verletzt, als ihn zwei Polizeibeamte ohne Vorankündigung vom Zaun holten. Der Chemie-Anhänger verbrachte vier Wochen im Krankenhaus, musste mehrfach operiert werden. Im brandenburgischen Landtag wurde über den unverhältnismäßigen Polizeieinsatz diskutiert. Für die handelnden Einsatzkräfte soll der Vorfall allerdings keinerlei Folgen haben. Vergangene Woche wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Frankfurt/O. die Ermittlungen wegen Körperverletzung im Amt gegen die zwei Beamten der Bereitschaftspolizei aufgrund fehlender "konkreter nachweisbarer Körperverletzungshandlung" eingestellt hat.

Mit der Entscheidung wollen sich das Rechtshilfekollektiv und die aktive Fanszene der BSG Chemie nicht zufrieden geben. Rechtshilfekollektiv-Pressesprecherin Miriam Feldmann begründet das unter anderem so: "Die Ermittlungen gegen die beiden Beamten durch das brandenburgische LKA wurden - um es nett zu formulieren - mit einer gewissen Oberflächlichkeit geführt." So seien "mehrere ZeugInnen nicht gehört und die Videoaufnahmen nicht umfänglich ausgewertet worden". Der Staatsanwaltschaft hätten zur Aufklärung "qualitativ hochwertige Videoaufnahmen" zur Verfügung gestanden, die sie nicht in ihre Untersuchung einbezog und sogar so weit ging, eine Mitschuld bei einem helfenden Chemie-Fan erkennen zu wollen. Statt dessen wurden "die Argumente der Anwälte der Polizisten nahezu wortwörtlich im Einstellungsbescheid durch den Staatsanwalt repetiert".

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Das Rechtshilfekollektiv ist "entsetzt. Gerade Polizeibeamte müssen sich und ihr Agieren und Tun an strengen rechtlichen Maßstäben messen lassen. Die öffentlichen Debatten um 'Cop-Culture' und Polizeigewalt sollten eigentlich zu einem Umdenken in der Institution geführt haben. Leider reiht sich nun der Vorfall in eine Verdrängungskultur der brandenburgischen Polizei ein, deren Niveau eine ganz neue Ebene erreicht hat", so Feldmann weiter.

Nichts anderes als die sofortige Wiederaufnahme der Ermittlungen fordern daher das Rechsthilfekollektiv und die aktive Fanszene verbunden mit einer "breiten gesellschaftlichen Debatte über eine auf Abwehrreflexe eingeübte Polizeikultur - egal ob in Brandenburg, in Sachsen oder anderswo."