18. Juli 2020 / 15:21 Uhr

"Einfach froh, hier zu sein": Das sagt Filip Kuzmanovski über seinen Wechsel zur TSV Hannover-Burgdorf

"Einfach froh, hier zu sein": Das sagt Filip Kuzmanovski über seinen Wechsel zur TSV Hannover-Burgdorf

Simon Lange
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Neuzugang Filip Kuzmanovski (links) fühlt sich bei den Recken sichtlich wohl.
Neuzugang Filip Kuzmanovski (links) fühlt sich bei den Recken sichtlich wohl. © Florian Petrow
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Nach einem Jahr beim SC Magdeburg ist sich Filip Kuzmanovski sicher, mit seinem Wechsel zur TSV Hannover-Burgdorf "den richtigen Schritt" gemacht zu haben. Auf den 24-Jährigen wartet in der kommenden Saison eine besonders schwere Aufgabe: Er soll Superstar Morten Olsen auf der Spielmacherposition ersetzen. 

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Nein, so richtig zeigen möchte er das Tattoo nicht – und wirklich drüber reden am liebsten auch nicht. Das macht ihn gleich sympathisch. Der neue Re­cke Filip Kuzmanovski (24) will sich nicht in den Vordergrund drängen. Später dann, sportlich. Tatsächlich prangt ein großer Jesus auf dem linken Oberarm des neuen Recken-Spielmachers. Darüber eine Schar Engel. Göttlicher Beistand ist dem Nordmazedonier wichtig, das Tattoo hat er sich nach seinen Armverletzungen zugelegt. Zum Schutz „und als Motivation“.

Der Balkan-Block wird immer größer

Der 24-Jährige spricht ru­hig, fast schüchtern, mittlerweile sogar ein bisschen auf Deutsch. Den Rest erledigt Teamkollege und Übersetzer Ivan Martinovic. Der Balkan-Block wird immer größer bei den Recken. Erst Kroate Ilija Brozovic, dann der Slowenen-Doppelpack mit Urban Lesjak und Nejc Cehte, dazu der Österreich-Kroate Martinovic – und jetzt eben Kuzmanovski.

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Her mit dem Ball: Neuzugang Johan Hansen erwartet das Spielgerät sehnsüchtig. Zur Galerie
Her mit dem Ball: Neuzugang Johan Hansen erwartet das Spielgerät sehnsüchtig. ©

Den Nordmazedonier freut es. „Das macht es mir leichter, mich hier einzugewöhnen. So kann ich mich zunächst besser verständigen. So fühle ich mich sicherer“, sagt Kuzmanovski, der noch einen Monat warten muss, bis seine Frau Monika aus der Heimat nachkommt in die List. „Jetzt bringen wir dir erst mal schnell Deutsch bei“, sagt Martinovic und klopft dem Neuen auf die Engelsschulter.

Recken wollten Kuzmanovski schon im letzten Jahr

Ein paar Brocken kann er noch aus seiner kurzen Zeit in Magdeburg. Vor einem Jahr war er vom Klub Eurofarm Rabotnik Bitola zum SCM gewechselt – statt zu den Recken. Gegen die TSV Hannover-Burgdorf hatte er mit Bitola im EHF-Cup ge­spielt und den Recken in zwei Spielen elf Tore eingeschenkt. Die TSV wollte ihn verpflichten. Doch Ex-Bundesliga-Spieler Momir Ilic riet Kuzmanovski zum Wechsel nach Magdeburg. Das sei die richtige Wahl.

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Eine Fehleinschätzung, wie sich herausstellte. Denn Kuzmanovski kam beim SCM kaum zum Zug. Er war un­glück­lich, unzufrieden mit der geringen Spielzeit. „Im­mer nur trainieren, aber nur fünf Minuten spielen. Das war mir zu wenig. Und dann auch nur in der Abwehr“, blickt Kuzmanovski zurück. Gut, dass Recken-Sportchef Sven-Sören Christophersen diese Situation im Auge be­hielt. Im zweiten Anlauf wurden sich beide einig. Kuzmanovski bat in Magdeburg um Vertragsauflösung, anschließend unterschrieb er in Hannover bis 2023. „Das ist jetzt der richtige Schritt, hier kann ich mehr Spielzeit bekommen und mich entwickeln“, ist der 24-Jährige froh. „Hier habe ich das Vertrauen von den Trainern Carlos Ortega und Iker Romero. Von ihnen kann ich viel lernen.“

"Ich freue mich riesig auf die neue Saison"

Auf Kuzmanovskis Gesicht macht sich ein Lächeln breit: „Ich freue mich riesig auf die neue Saison. Hannover hat eine Mannschaft mit sehr vielen jungen Spielern. Ich weiß, dass die alle hungrig sind, so wie ich.“ Natürlich könne er sich in den ersten Trainingswochen „noch nicht so be­wei­sen“, Spielzüge und Zweikämpfe werden erst ab Au­gust intensiv trainiert. „Aber ich bin einfach froh, hier zu sein. Die Atmosphäre fühlt sich gut an.“

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Kreative Recken-Fans in der Festung! ©

Man merkt es ihm an. Im Auftakttraining lachte der nordmazedonische Nationalspieler viel und flachste mit dem anderen Neuen, dem Dänen Johan Hansen. Die Recken nahmen das Duo gut auf.

"Werde alles im Training geben, so dass es auch im Spiel gut wird"

Zuneigung ist hilfreich, denn auf Kuzmanovski wartet die schwierigste Aufgabe, die man sich nur vorstellen kann: Superstar Morten Olsen auf der Spielmacherposition zu ersetzen. „Da ist natürlich großer Druck da. Morten kann man eigentlich nicht ersetzen“, weiß Kuzmanovski, „aber ich werde alles im Training ge­ben, so dass es auch im Spiel gut wird.“ Der neue Mittelmann stellt sich der Verantwortung, das Re­cken-Spiel zu lenken, zusammen mit dem noch jüngeren Alfred Jönsson (22) aus Schweden.

Pluspunkt: Kuzmanovski kann im Gegensatz zu Olsen auch in der Abwehr spielen, die Recken sparen sich also einen ständig fliegenden Wechsel. Zur Not kann der Rechtshänder auch im linken Rückraum agieren. Er ist die neue Allzweckwaffe der Recken. Eine, die voll mit Ehrgeiz steckt, aber auch mit Verständnis. Den Europapokalverzicht der Recken findet er „natürlich enttäuschend, da hätte man als junger Spieler weiter viel Erfahrung sammeln können. Aber ich verstehe auch die Entscheidung. We­gen der Corona-Krise geht es den Vereinen gerade überall in Europa so. Da müssen wir alle durch.“

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Europa als "großes Ziel"

Den Europa-Traum aufgeben will Kuzmanovski trotzdem nicht: „Ich will mit der Mannschaft in der nächsten Saison wieder oben angreifen. Es wieder nach Europa zu schaffen, ist mein großes Ziel.“ Und dann ist da ja noch das Final-Four. Kuzmanovski hebt die Augenbrauen: „Warum sollten wir da nicht gewinnen können?“