30. November 2019 / 18:28 Uhr

Recken-Trainer Carlos Ortega im Interview: "Damit hat kaum jemand gerechnet"

Recken-Trainer Carlos Ortega im Interview: "Damit hat kaum jemand gerechnet"

Sportredaktion Hannover
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Recken-Trainer Carlos Ortega im SPORTBUZZER-Interiew.
Recken-Trainer Carlos Ortega im SPORTBUZZER-Interiew. © imago images/Jan Huebner
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Carlos Ortega ist der Architekt der aktuellen Erfolge der TSV Hannover-Burgdorf. Im SPORTBUZZER-Interview lobt der Coach den Recken-Nachwuchs, fordert aber auch einen gestandenen Nachfolger für Morten Olsen.

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Nach einer durchwachsenen Vorsaison mit Rang 13 hat Trainer Carlos Ortega die Recken aktuell auf den dritten Tabellenplatz der Handball-Bundesliga geführt. Der 48-Jährige ist ein akribischer Arbeiter, bei dem sich auch in der trainingsfreien Zeit vieles um Handball dreht. Davon hält ihn auch nicht Familienbesuch vor dem Spiel der TSV Hannover-Burgdorf beim SC DHfK Leipzig (Sonntag, 16 Uhr) ab, wie er im Ge­spräch mit dem SPORTBUZZER erzählt.

Herr Ortega, am Mittwoch hatten Sie und die Profis mal Pause. Wie war dieser Tag ohne Handball?

Ich war bei meiner Familie, hatte den ganzen Morgen frei. Derzeit ist meine Schwiegermutter zu Besuch. Wir waren in der City, wir haben eingekauft und dann etwas gegessen. Ganz ohne Arbeit geht es aber nicht. Nachher bereite ich mich mit Videos auf unser Spiel am Sonntag in Leipzig vor und schaue mir außerdem noch zwei Champions-League-Spiele an. Ich verfolge auch im Internet die Begegnungen in ausländischen Spielklassen wie der ersten spanischen Liga.

Das Programm der Recken im Dezember

<b>Gegen Berlin (8. Dezember, 13.30 Uhr, Tui-Arena):</b> Die Füchse sind, gemessen an ihren Ansprüchen, nur mittelmäßig in die Saison gestartet, zuletzt gab es allerdings drei Siege in Folge, etwa gegen die Löwen und Magdeburg, Donnerstag steht das nächste Topspiel gegen Melsungen an. Für Ex-Recke Martin Ziemer ist das Spiel in der Tui-Arena die erste Rückkehr nach Hannover, der dritte Füchse-Torwart sitzt jedoch meist nur auf der Bank oder auf der Tribüne. Zu Hause haben die Recken alle Möglichkeiten, diese extrem schwere Aufgabe zu meistern. <b>Siegchance 60:40.</b> Zur Galerie
Gegen Berlin (8. Dezember, 13.30 Uhr, Tui-Arena): Die Füchse sind, gemessen an ihren Ansprüchen, nur mittelmäßig in die Saison gestartet, zuletzt gab es allerdings drei Siege in Folge, etwa gegen die Löwen und Magdeburg, Donnerstag steht das nächste Topspiel gegen Melsungen an. Für Ex-Recke Martin Ziemer ist das Spiel in der Tui-Arena die erste Rückkehr nach Hannover, der dritte Füchse-Torwart sitzt jedoch meist nur auf der Bank oder auf der Tribüne. Zu Hause haben die Recken alle Möglichkeiten, diese extrem schwere Aufgabe zu meistern. Siegchance 60:40. ©
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Aktuell sind die Recken Dritter. Wie kommt es zu dieser überraschenden Zwischenbilanz?

Ich glaube, damit hat kaum jemand gerechnet. Aber die Mannschaft hat sich sehr gut vorbereitet und stand in den ersten Wochen sehr kompakt. Die bisherige Ausbeute ist super, das Selbstvertrauen ist da. Wir haben nur zweimal verloren – in Melsungen (25:31) und in Kiel (23:32). Die Ergebnisse waren etwas zu hoch, das stört mich, aber beide Gegner gehören zur absoluten Bundesliga-Elite.

Welche Auftritte haben Ihnen besonders gefallen?

Wir haben vier tolle Spiele abgeliefert: die beiden Siege gegen Flensburg, das muss man gegen den Meister erst einmal schaffen. Das Heimspiel gegen Magdeburg hat mir auch sehr gut gefallen. Und auch im Duell mit den Rhein-Neckar Löwen war die Mannschaft richtig stark. Da sind wir schlecht gestartet und lagen mit 3:9 hinten, haben dann aber aufgeholt. Zum Schluss hätten beide gewinnen können, das Un­ent­schie­den ist okay.

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Diese Spiele haben ja auch die Recken-Fans begeistert, wie groß ist ihr Anteil am bisherigen Abschneiden?

Ich glaube, ihre Unterstützung hat entscheidend zu unserem bisherigen Abschneiden beigetragen. Mit 8000 Besuchern in der Tui-Arena oder 4000 Zu­schau­ern in der Swiss-Life-Hall entsteht eine ganz heiße Atmosphäre – und dann sind wir ein Mann mehr auf dem Parkett.

Welche Rolle spielen die Neuen?

Sie haben Frische mitgebracht. Torwart Domenico Ebner hat eine enorm positive Ausstrahlung, er trägt immer ein Lachen im Ge­sicht. Ivan Martinovic hat vor allem in der Offensive schon sein großes Talent und Können gezeigt, in der Abwehr braucht er noch fünf bis sechs Kilogramm mehr auf den Rippen. Ich bin aber sicher, dass Ivan auch Defensivstärke entwickeln wird, das braucht halt seine Zeit. Alfred Jönsson war leider in den ersten acht Wochen verletzt, er wird aber auch jeden Tag besser. Ich sehe seine Zukunft zunächst eher auf der linken Rückraumseite, nicht sofort in der zentralen Position als direkter Nachfolger von Morten Olsen.

Die Recken spielen Rollstuhlbasketball

Die Recken trainierten am Dienstag mit Hannover United. Zur Galerie
Die Recken trainierten am Dienstag mit Hannover United. ©

Im Kader stehen auch zahlreiche Talente aus der Recken-Schmiede, wie zufrieden sind Sie mit deren Entwicklung?

Sie haben sehr gute Fortschritte gemacht. Unser Linkshänder Malte Donker ist superaggressiv in der Abwehr, im Angriff gibt es noch Luft nach oben. Joshua Thiele hat sich sehr gut entwickelt, er ist kräftiger ge­wor­den und hat viel Spielintelligenz. Hannes Feise entwickelt sich allmählich zu einem echten Spezialisten im 5:1-Deckungssystem als vorgezogener Mann wie Cristian Ugalde. Ich glaube, dass auch in der Offensive seine Zukunft eher auf Linksaußen liegt als im Rückraum, da haben wir doch drei, vier andere Alternativen, beispielsweise auch Martin Hanne, der erst 18 Jahre alt ist. Vincent Büchner, der ebenfalls Linksaußen spielt, ist körperlich stärker als Ugalde oder Timo Kastening. Auch er macht einen richtig guten Job.

Ein wichtiges Bindeglied zwischen den Talenten und den Profis ist Co-Trainer Iker Romero. Sein Vertrag läuft aus, hoffen Sie, dass er bleibt?

Iker ist ein sehr wichtiger Mann für mich, beinahe ein Freund. Man braucht im Tagesgeschäft jemanden, dem man voll und ganz vertrauen kann. Ich glaube auch, dass seine Arbeit im Verein sehr geschätzt wird. Ich würde mich über eine weitere Zusammenarbeit sehr freuen. Ich weiß aber nicht, ob er vielleicht im Sommer doch die Chance ergreift, selbst als Chef irgendwo tätig zu werden.

TSV Hannover-Burgdorf: Das ist der Recken-Kader der Saison 2019/20 in Bildern:

Die Handball-Bundesligamannschaft des TSV Hannover-Burgdorf. Zur Galerie
Die Handball-Bundesligamannschaft des TSV Hannover-Burgdorf. ©

Im Recken-Spiel dreht sich derzeit alles um Morten Olsen, der im Sommer geht. Wie wird es ohne ihn laufen?

Morten wird nicht sofort zu ersetzen sein, nicht von Al­fred, auch nicht von Veit Mävers. Beide Jungs haben viel Talent und nehmen eine gute Entwicklung. Aber man braucht Zeit und Erfahrung, um die zentrale Position ausfüllen zu können. Das geht nicht als Teenager oder mit Anfang zwanzig, da braucht man gestandene Spieler – mindestens um die 25 Jahre.

Ihr eigener Vertrag in Hannover läuft bis 2021, gibt es schon Pläne für die Zeit danach?

Meine Familie ist sehr glücklich hier. Der Verein ist seriös und zahlt pünktlich. Ich bin offen für Gespräche. Es wird auf jeden Fall eine Entscheidung geben, weil mein ältester Sohn 2021 die Schule abschließen wird.

Von Carsten Schmidt und Stefan Dinse

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