09. März 2019 / 09:12 Uhr

Recken-Überflieger Timo Kastening im Interview: "Da kannst du nicht Tatütata machen"

Recken-Überflieger Timo Kastening im Interview: "Da kannst du nicht Tatütata machen"

Simon Lange
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Kein abgehobener Typ: Recke Timo Kastening steht vor seinem ersten Länderspieleinsatz.
Kein abgehobener Typ: Recke Timo Kastening steht vor seinem ersten Länderspieleinsatz. © Florian Petrow
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Premiere für Timo Kastening (23): Der Recke steht am Sonnabend vor seinem Länderspieldebüt. Die deutsche Handball-Nationalmannschaft bestreitet in Düsseldorf um 14 Uhr gegen die Schweiz ihr erstes Spiel nach der WM im Januar. Der Sportbuzzer sprach vorab mit dem Rechtsaußen der TSV Hannover-Burgdorf.

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Timo Kastening, Ihr Länderspieldebüt steht an. Wie nervös sind Sie schon?

Ganz ehrlich, bisher nicht mehr als sonst. Vielleicht kommt das direkt vor dem Spiel, wenn du dir das Nationaltrikot überstreifst, du die Deutschland-Jacke anhast und einläufst in die Halle mit den 10 000 Fans. Und dann die Nationalhymne ertönt. Das werden die Momente sein, die man auch nicht vergessen wird. Aber bis dahin galt und gilt es, hier beim Lehrgang meine Arbeit zu erledigen. Es waren und sind so viele Eindrücke hier, da hat der Kopf gar nicht Zeit, zu denken: Wow, jetzt steht dein erstes Länderspiel an.

Können Sie denn die Hymne?

Ja, die kann ich. Ich werde nicht „brüh“ singen ...

... „brüh“ statt „blüh im Glanze“ – wie Sarah Connor damals. Wer fängt denn an auf Rechtsaußen? Lemgos Tim Hornke oder Sie? Hat das der Bundestrainer schon entschieden?

Nein. Da habe ich auch kein Gefühl. Es gab immer zwei Aufstellungen, mit denen er trainiert hat, aber mit welcher er anfängt, weiß ich nicht.

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Hat Christian Prokop Sie mal an die Seite genommen?

Insgesamt führt er die ganze Woche schon Gespräche mit Spielern. Besonders aber mit denen, die auch bei der WM dabei waren. Mit mir hat er persönlich noch nicht gesprochen.

Wie begeistert sind Sie von der Woche? Wie ist die Stimmung?

Generell sehr gut. Gefühlt habe ich mit jedem Einzelnen schon vorher mal gesprochen oder einen Kaffee getrunken. Man kennt sich. Alle untereinander. Mit Tim Suton aus Lemgo bin ich zum Beispiel sehr gut befreundet. Auch mit Paul Drux und Christopher Rudeck, mit denen habe ich zusammen Jugendnationalmannschaft gespielt. Und mit Matthias Musche. Natürlich habe ich mich zunächst noch ein bisschen neu gefühlt. Aber schon nach einem Tag nicht mehr. Es war nicht so, dass ich etwas Besonderes machen musste, damit die Leute wissen, wer ich bin.

Bei der ganzen Belastung – wie haben Sie den Kopf freigekriegt?

Man macht generell nicht viel. Viel schlafen. Häufig sitze ich mit Fabian Böhm und Tim Suton in der Lobby. Wir trinken ganz gerne Kaffee bei diesem Lehrgang. Manchmal habe ich einen richtigen Kaffeekopf (lacht). Ansonsten gab es viel Fußball. Dienstag waren wir im Stadion, Dortmund gegen Tottenham gucken. Mittwoch haben wir Paris gegen Manchester und Donnerstag Frankfurt gegen Inter im TV geschaut. Alles gute Spiele.

Die Laufbahn von Timo Kastening in Bildern

Timo Kastening wechselt als Jugendspieler 2008 vom TSV Barsinghausen in den Recken-Nachwuchs. Dieses Bild zeigt ihn 2011. Zur Galerie
Timo Kastening wechselt als Jugendspieler 2008 vom TSV Barsinghausen in den Recken-Nachwuchs. Dieses Bild zeigt ihn 2011. ©

Bekommen Sie Tipps von den Recken-Kollegen Böhm und Häfner?

Auf jeden Fall. Weil sie wissen, wie ich sonst in Hannover spiele. Bei Spielzug XY oder Abwehrformation Z jetzt bei der Nationalmannschaft kommen beide auch zu mir und geben Ratschläge. Das hilft.

Wie viel Spielanteile erhoffen Sie sich für das Debüt?

Man will immer so viel wie möglich spielen. Dafür ist man Sportler. Das gilt natürlich auch hier bei der Nationalmannschaft. Wenn ich schon dabei bin, fahre ich nicht hin, um 60 Minuten auf der Bank zu sitzen. Da bin ich Sportler durch und durch. Ob es dann 60 oder null Minuten werden, weiß ich nicht.

Vier Tage Lehrgang vorweg in Kamen – ganz schön lang, oder?

Es war so wie ein Kurztrainingslager. Man trainiert, schläft, isst und trainiert wieder. Es ist anstrengend, alleine für den Kopf, besonders wenn man das erste Mal so richtig dabei ist und im Hinterkopf hat, am Sonnabend auf jeden Fall fit zu sein. Es macht aber natürlich auch Spaß.

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<b>28. Spieltag:</b> SG Flensburg-Handewitt (A), Donnerstag, 19. März 2020, 19 Uhr Zur Galerie
28. Spieltag: SG Flensburg-Handewitt (A), Donnerstag, 19. März 2020, 19 Uhr ©

Wie ernst wird das Freundschaftsspiel gegen die Schweiz genommen?

Schon sehr ernst. Wir spielen vor 10 000 oder 11 000 Zuschauern. Es ist das erste Spiel nach der WM. Es wird live übertragen. Das Spiel ist wichtig für den Handball. Da kannst du nicht einfach hinfahren mit einer bunten Truppe und Tatütata machen.

Der WM-Boom soll aufrechterhalten werden ...

Richtig. Und dann muss man auch in solchen Spielen begeistern.