24. September 2020 / 09:57 Uhr

Hallen-Chaos zum Saisonstart: Schließt Arena-Eigner Papenburg die Recken wirklich aus?

Hallen-Chaos zum Saisonstart: Schließt Arena-Eigner Papenburg die Recken wirklich aus?

Jonas Freier und Carsten Bergmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die Recken wollen weiter in der ZAG-Arena spielen, Günter Papenburg sperrt sich noch. Es geht um eine umstrittene Nebenkostenrechnung.
Die Recken wollen weiter in der ZAG-Arena spielen, Günter Papenburg sperrt sich noch. Es geht um eine umstrittene Nebenkostenrechnung. © imago images/Future Image
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Der TSV Hannover-Burgdorf droht zum Start der neuen Handball-Bundesliga-Saison ein Hallen-Theater. Eigner Günter Papenburg droht, die ZAG-Arena zum Auftakt nicht zur Verfügung zu stellen, ehe eine offene Nebenkostenabrechnung nicht beglichen wird. Auch die Stadt und die Region sind eingeschaltet.

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Corona ist diesmal nicht schuld: Den Handball-Recken droht ein Bundesliga-Start vor noch weniger als 2000 Zuschauern. So viele dürften nach der 20-Prozent-Regelung am 1. Oktober zum Heimspiel gegen Minden in die ZAG-Arena kommen. Doch möglicherweise müssen die Recken in die viel kleinere Swiss-Life-Hall (4200 Plätze) ausweichen und somit vor etwa 800 Fans spielen. Denn Eigner Günter Papenburg (81) droht damit, seine Arena nicht für die Recken aufzuschließen. Und das, obwohl es eine gegenseitige Vereinbarung gibt, dass alle Recken-Heimspiele dort stattfinden sollen.

"...dann müssen sie halt erst mal in der Swiss-Life-Hall spielen"

Aber Papenburg hat angeblich noch eine offene Nebenkostenrechnung von rund 400 000 Euro mit den Recken. Und sieht in diesem Zusammenhang auch die Politik in der Pflicht. Deshalb hat der Arena-Eigner am Montag einen Brief an Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (39) und Regionspräsident Hauke Jagau (59) geschrieben und um ein Gespräch gebeten.

Spielplan der TSV Hannover-Burgdorf in der Bundesliga-Saison 2020/21

<b>5. Spieltag:</b> Bergischer HC (H), Donnerstag, 22. Oktober 2020, 19 Uhr Zur Galerie
5. Spieltag: Bergischer HC (H), Donnerstag, 22. Oktober 2020, 19 Uhr ©

Auch den Recken habe er immer wieder signalisiert: „Lasst uns das gemeinsam lösen.“ Er habe „noch nicht mal verlangt, dass das auf einmal bezahlt werden soll“. Papenburg knallhart: „Wenn im Moment keiner Zeit hat, mit mir zu reden, dann müssen sie erst mal in der Swiss-Life-Hall spielen.“

Irritation bei den Recken

Recken-Geschäftsführer Eike Korsen (37) zeigte sich gestern überrascht und irritiert. Man sei gegenüber Papenburg gesprächs- und kompromissbereit. „Aber wir sind jetzt eine Woche vor dem Saisonstart – das ist ein riesiger organisatorischer Apparat, der schon so maximal strapaziert ist angesichts der Verordnungen.“ Korsen hält einen kurzfristigen Umzug für kaum machbar: „Wir können bei diesen verschärften Bedingungen nicht von heute auf morgen mal einen Spieltag organisieren. Wir sind voll auf die Arena ausgerichtet.“

Papenburg appelliert an Stadt und Region

Papenburg rechnet vor: „Wenn wir in der Arena nur 2000 Zuschauer haben, sind die Kosten trotzdem die gleichen. Die Arena braucht das Geld. Das eine ist das Sponsoring, worüber man reden kann – und das andere ist die Arena. Die hat ja Verluste genug gebracht.“ Er sei „der Letzte, der nicht bereit ist, zu helfen – aber es kann nicht immer heißen: Papenburg macht das schon.“

Er fordert, dass sich Region und Stadt zur Arena bekennen. „Das ist doch im öffentlichen Interesse, dass wir den Sport erhalten.“ Papenburg findet, dass die Recken darunter leiden: „Wir sehen ja, dass jetzt schon gute Spieler weggegangen sind. Das war eigentlich alles nicht gewollt, wir wollten ja eine starke Mannschaft haben.“

Jagau: "Befinden uns gerade in der Abstimmung"

Und wie reagiert die Politik? Jagau meinte gestern, in Sachen Eishockey habe es mal einen ähnlichen Brief gegeben: „Belit und ich befinden uns gerade in der Abstimmung, und wir werden ihm dann antworten.“ Papenburg bleibt dabei: Sollte er bis zum 1. Oktober keine Antwort haben, „dann ist die Halle zu“. Der Bauunternehmer nutzt den Handball-Bundesligisten, um politisch Druck auszuüben.

Recken prüfen rechtliche Schritte

Die Recken prüfen derweil alle möglichen rechtlichen Schritte, auch eine einstweilige Verfügung, um am 1. Oktober ihr Heimspiel in der ZAG-Arena bestreiten können. Ihr Standpunkt ist klar: Sollten die Nebenkosten tatsächlich die von Papenburg geforderte Summe ergeben, würde die Rechnung auch beglichen, heißt es aus dem Recken-Umfeld. Allerdings fordern die Handballer Nachweise, die die deutliche Kostenexplosion belegen.

Mehr zu den Recken

Bislang gab es weder eine detaillierte Auflistung noch eine Zahlungserinnerung. An den Zuschauern gestaffelte Mietkosten zuzüglich einer festen Nebenkostenpauschale. Große Posten wie die Verlegung des Hallenbodens und Sicherheitskräfte an den Spieltagen tragen die Handballer ohnehin selber. Die Fronten bleiben verhärtet. Zwei Jahre gilt der Vertrag von Papenburg und den Recken noch. Unklar, wie es dann weitergeht.

Für Drittligist Vinnhorst öffnet die Halle

Kurios: Am 3. Oktober wird die Arena auf jeden Fall für den Drittligisten TuS Vinnhorst beim Saisonstart gegen die SG Menden Sauerland öffnen – für 500 Zuschauer. Mäzen Martin Weiß (71) hat für seine Zeitarbeitsfirma ZAG die Namensrechte an Papenburgs Halle bis 2030 für 500 000 Euro pro Jahr gekauft.