20. Februar 2020 / 10:49 Uhr

Von hier kommen Haaland, Minamino und Co.: Ein Blick hinter die Kulissen von Red Bull Salzburg

Von hier kommen Haaland, Minamino und Co.: Ein Blick hinter die Kulissen von Red Bull Salzburg

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Erling Haaland entwickelte sich bei Red Bull Salzburg zum Top-Torjäger. Sein Entdecker war Christoph Freund, Sportdirektor des Klubs. Ein Besuch an der Salzach.
Erling Haaland entwickelte sich bei Red Bull Salzburg zum Top-Torjäger. Sein Entdecker war Christoph Freund, Sportdirektor des Klubs. Ein Besuch an der Salzach. © imago images/Belga/GEPA Pictures/Plusphoto (Montage)
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Zahlreiche Stars machten bei Red Bull Salzburg ihre ersten Schritte als Profi oder wurden gar in der Klub-Akademie ausgebildet. Dazu gehören neben BVB-Star Erling Haaland auch Liverpool-Zugang Takumi Minamino und zahlreiche Bundesliga-Spieler. Ein Blick durchs Schlüsselloch vor dem Europa-League-Duell mit Eintracht Frankfurt.

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Beim Spaziergang am Fuße der Alpen, entlang des Ufers des deutsch-österreichischen Grenzflusses Salzach, sind in der Ferne einige Stimmen zu vernehmen – „mehr Druck“, „enger dran sein“. Wenige Gehminuten und eine Rechtskurve später ist dann auch zu sehen, wo die Anweisungen herkommen: von einem halben Dutzend Fußball-Trainer, die Jugendmannschaften coachen.

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Auf dem Akademie-Gelände des FC Red Bull Salzburg im Salzburger Stadtteil Liefering knapp hinter der deutschen Grenze herrscht an diesem sonnigen, aber stürmischen Winter-Tag reger Betrieb. Mehrere Autos mit dem Rote-Bullen-Logo des österreichischen Klubs stehen auf den Parkplätzen. Erwachsene unterhalten sich oder telefonieren neben dem Kunstrasen-Platz – die Eltern der jungen Fußballer, die gerade angestrengt den Anweisungen ihrer Trainer folgen.

Ein Zaun und ein elektrisches Tor verhindern, dass ungebetene Gäste die Anlage betreten können – Zutritt nur mit Genehmigung, prangert auf einem Schild. Zu groß ist die Anzahl derer, die sich dem Geschehen gerne nähern würde. Red Bull Salzburg und die Akademie sind in aller Munde, spätestens nach dem viel beachteten Wechsel von Nachwuchs-Star Erling Haaland zu Borussia Dortmund. Das Ausbildungszentrum des österreichischen Klubs hat daher einen Besichtigungsstopp für Medienvertreter ausgesprochen. Es bleibt nur der Blick über den Zaun.

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Erling Haaland mischt die Fußball-Welt auf und trifft für den BVB am laufenden Band. Der <b>SPORT</b>BUZZER stellt den jungen Norweger näher vor – von A wie Ausstiegsklausel über L wie Leeds bis Z wie Zorc! Zur Galerie
Erling Haaland mischt die Fußball-Welt auf und trifft für den BVB am laufenden Band. Der SPORTBUZZER stellt den jungen Norweger näher vor – von A wie Ausstiegsklausel über L wie Leeds bis Z wie Zorc! ©

Der Sehnsuchtsort der Nachwuchs-Kicker liegt derweil einige Kilometer entfernt von der Akademie. Im Salzburger Vorort Kleßheim steht die Red Bull Arena der Salzburger Profis. Dort hatte der neue BVB-Torjäger Haaland noch bis Dezember für Furore gesorgt. Sportdirektor Christoph Freund lädt in sein Büro. An der Wand neben seinem Schreibtisch hängt ein Foto aus der Kabine – mit dabei: Haaland, im Kreis der damaligen Mannschaftskollegen.

Der Wirbel um den Transfer des 19-Jährigen nach Dortmund überstrahlte die Winterpause. Dabei war diese aus Salzburger Sicht nicht nur deshalb turbulent. Mit Takumi Minamino hat ein zweiter wichtiger Spieler das Team verlassen – in Richtung Liverpool, zum Champions-League-Sieger von Welt-Trainer Jürgen Klopp.

Salzburg-Sportchef Freund: Entwicklung "außergewöhnlich"

Freund machen diese Wechsel stolz. Seit acht Jahren verfolgt Red Bull Salzburg konsequent eine Philosophie: Junge Spieler ausbilden oder im Ausland scouten, über das „Farm-Team“ FC Liefering in der zweiten Liga an den Profifußball heranführen – und sie dann in der ersten Liga sowie auf europäischer Bühne zu umworbenen Top-Spielern formen. „Es war unser Plan, diesen Weg zu gehen, wir wussten immer, was wir wollen“, betont Freund. „Dass es in dem Maße aufgeht, wir regelmäßig so viele Transfers in der Größenordnung machen, ist außergewöhnlich.“

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Insgesamt haben die Salzburger seit 2014 ein Transfer-Plus jenseits der 200 Millionen Euro erwirtschaftet. „Der Grundstein dafür ist sicher, dass wir unserer Strategie immer treu geblieben sind. Wir haben den Fußball ja nicht neu erfunden, sind aber auch in schwierigen Phasen immer Überzeugungstäter des Konzepts und unserer Philosophie geblieben“, unterstreicht Freund. Red Bull Salzburg setzt darauf, „den 16- bis 18-Jährigen in Aussicht stellen zu können, in diesem Alter Profi-Fußball spielen zu können. Sie sehen ja schon, dass wir immer mit einem jungen Team auflaufen“, sagt der 42 Jahre alte Österreicher.

Als klassischen Ausbildungsverein sieht Freund den Klub aber nicht. „Mit dem Begriff tue ich mich grundsätzlich schwer“, sagt der Ex-Mittelfeldspieler. „Wir sind ein erfolgreicher Verein, der Spieler gut ausbildet. Wir müssen selten kurzfristig auf externe Transfers setzen, weil wir größtenteils die Abgänge intern durch unsere sehr gut ausgebildeten Spieler auffangen können.“

SPORTBUZZER-Reporter Roman Gerth (links) beim Ortsbesuch in Salzburg im Gespräch mit RB-Sportchef Christoph Freund.
SPORTBUZZER-Reporter Roman Gerth (links) beim Ortsbesuch in Salzburg im Gespräch mit RB-Sportchef Christoph Freund. © SPORTBUZZER

Dank Haaland, und Co. hat Salzburg einen "richtig guten Namen"

Abgänge à la Haaland und Minamino sind ein natürlicher Teil der Klub-Philosophie. „Wir haben im europäischen Fußball mittlerweile einen richtig guten Namen“, weiß Freund. Der FC Liverpool, wo mit Minamino, dem Ex-Leipziger Naby Keita und Stürmer-Star Sadio Mané gleich drei in Salzburg groß gewordene Akteure im Kader stehen, ist das beste Beispiel dafür. „Wir spielen einen ähnlichen Fußball mit schnellem Umschalten. Wir setzen auf extreme Schnelligkeit, auf offensive, aggressive Spielertypen“, sagt Freund über Ähnlichkeiten zu den Reds und fügt hinzu: „Das unterstreicht unsere Entwicklung ganz gut.“

Auch Bundesliga-Klubs sind zentrale Anlaufstellen ehemaliger Salzburger. In der Natur der Sache liegt, dass das ebenfalls zum Imperium von Getränke-Milliardär Dietrich Mateschitz gehörende RB Leipzig regelmäßig die nächste Station jener Spieler ist. Doch auch Wolfsburg, Gladbach oder Hoffenheim, beobachten genau, was an der Salzach passiert – dort überall spielen Ex-Salzburger.

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In der Europa League kommt es nun zum Duell mit Eintracht Frankfurt – und damit gleich mehreren Ex-„Bullen“. Abwehrspieler Martin Hinteregger ist Publikumsliebling bei den Hessen, Trainer Adi Hütter führte das Team aus der Main-Metropole im Vorjahr bis ins Halbfinale des Wettbewerbs. „Wir freuen uns richtig auf die Duelle und die Rückkehr von Adi und Martin in unser Stadion“, sagt Salzburgs Sportchef vor dem Hinspiel am Donnerstag (18.55 Uhr, DAZN) in Frankfurt.

Hinteregger durchlief die Red Bull Akademie, „er war nie ein Spieler von der Stange. Von der Art und Weise ist er in keine Schublade zu stecken, ein besonderer Fußballer mit großen Fähigkeiten“, betont Freund und fügt hinzu: „Einfach ein guter Typ.“ Und über Hütter, der Salzburg in der Saison 2014/15 trainierte, sagt Freund: „Er macht in Frankfurt einen sensationellen Job. Also Hut ab, ich habe großen Respekt vor seiner Arbeit.“ Mit Stefan Ilsanker kam im Winter aus Leipzig sogar noch ein dritter Ex-Salzburger – gemeinsam mit Hütter und Hinteregger gewann der Mittelfeldspieler 2015 das Double.

Eine Salzburger Vergangenheit hat auch Marco Rose – erst als Jugend-Trainer, später bis zum vergangenen Sommer bei den Profis. „Er kann sehr gut mit einer Mannschaft umgehen, deswegen ist er in der Bundesliga auch so erfolgreich“, lobt Freund den aktuellen Gladbach-Coach. Rose kam schon 2013 zu den Roten Bullen – und war damit einer der ersten, der dem Salzburger Nachwuchs in der 2014 eröffneten Akademie den Weg vom Fuße der Alpen in die weite Welt des Profifußball geebnet hat.