12. Februar 2021 / 14:02 Uhr

RB Leipzigs OFCs: Red Vaticanos – Christliche Nächstenliebe auf dem Rasen und auch daneben

RB Leipzigs OFCs: Red Vaticanos – Christliche Nächstenliebe auf dem Rasen und auch daneben

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
Am 9. Mai 2019 sind die Red Vaticanos als Official Fan Club von RB Leipzig aufgenommen worden.
Am 9. Mai 2019 sind die Red Vaticanos als Official Fan Club von RB Leipzig aufgenommen worden. © Red Vaticanos
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Der SPORTBUZZER stellt in einer Serie die Offiziellen Fanclubs von RB Leipzig vor. In der zweiten Folge erzählt uns Red-Vaticanos-Sprecherin Doreen Steinbrenner, dass die Kirchenmitgliedschaft keine Voraussetzung ist, um dabei zu sein. Werte wie Nächstenliebe sollten aber dennoch ernst genommen und gelebt werden.

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Leipzig. Die Red Vaticanos sind einer der jüngeren Fanclubs von RB Leipzig. „Uns gibt es erst seit dem 1. Juli 2017“, erzählt Doreen Steinbrenner, Sprecherin des christlich-katholischen Vereins. Dazu passt auch die Entstehungsgeschichte: „Beim Reformationsjubiläum 2017 gab es in Lutherstadt Wittenberg ein Spiel zwischen der Mannschaft des Vatikan und einer Auswahlmannschaft aus Wittenberg. Die Gründungsmitglieder kannten sich schon vorher aus der Kurve. Sie sind dann aus Spaß zu diesem Spiel gefahren. Einer davon hatte ein Banner mit der Aufschrift Red Vaticanos gemacht und mitgenommen“, erzählt Steinbrenner von der Geburtsstunde.

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Zwei Jahre zwischen Gründung und OFC-Status

„Sie sind dort natürlich damit aufgefallen, wurden sogar bei Radio Vatikan erwähnt. Daraufhin ist ein bisschen aus einer Bierlaune heraus die Idee für einen eigenen katholischen Fanclub entstanden.“ Die Kirchenmitgliedschaft sei aber keineswegs Voraussetzung, um den Red Vaticanos beizutreten. „Ich selbst bin beispielsweise evangelisch“, so Steinbrenner dazu. „Wir fühlen uns jedoch den Werten besonders verbunden. Wer bei uns eintritt, muss entsprechend dahinter stehen.“

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Außerdem ist der Fanclub eher klein und familiär gehalten, zählt insgesamt lediglich 18 Mitglieder. Am 9. Mai 2019 wurden die Red Vaticanos als Official Fan Club der Roten Bullen aufgenommen. Die zwei Jahre zwischen Gründung und OFC-Status seien mehr oder weniger normal: „Der Verein will auch sehen, ob das jetzt ein Schnellschuss ist und die Gruppe sich nach kurzer Zeit wieder auflöst. Man muss sich als Fanclub bewähren, zeigen, dass es wirklich ein Vereinsleben gibt“, erklärt die Sprecherin.



Stadionwurst und Bier: Vorm Fernseher ist es nicht das Gleiche

Durch die Corona-Pandemie ist bei ihnen, wie auch bei allen anderen, das gemeinsame Mitfiebern und Anfeuern im Stadion weggefallen. Selbst zum Public Viewing konnte man sich nicht mehr treffen. Das gemeinsame Erlebnis fehlt. „Es ist nun mal im Wohnzimmer vorm Fernseher nicht die gleiche Atmosphäre, wie wenn man auf den Rängen mit der Stadionwurst und dem Bier in der Hand mitjubeln und mitfiebern kann. Manchmal fällt man ja bei einem Tor auch mal einem wildfremden Menschen um den Hals“, erinnert sich Doreen Steinbrenner an bessere Zeiten.

Einige Fanclub-Mitglieder hatten zu Beginn der Saison das Glück unter den Wenigen zu sein, die ins Stadion durften. Im September und im Oktober waren bei den Heimspielen gegen Mainz 05 (3:1) und gegen Schalke 04 (4:0) je 8500 Anhänger in der Red-Bull-Arena zugelassen. Nur noch 999 konnten dann beim Heimspiel gegen Hertha BSC (2:1) dabei sein. Einige Red Vaticanos hatten Karten für diese Begegnungen zugelost bekommen. „Die Rückmeldungen waren durchaus positiv, zumindest insofern, dass man überhaupt mal wieder an einem Spiel teilhaben konnte. Positiv haben sich unsere Mitglieder auch darüber geäußert, dass die Hygieneregeln von den meisten Besuchern wirklich eingehalten wurden“, so Steinbrenner.

Fußball rückt in den Hintergrund

Denn was muss – das muss. „Für mich persönlich ist der Fußball ein bisschen in den Hintergrund getreten. Weil ich jetzt eben mit Homeoffice und Homeschooling zu tun habe. Es sind andere Sachen in den Vordergrund gerückt: Was mache ich jeden Tag zu Essen? Wie kann ich meinen Kindern in der Schule weiterhelfen? Schaffe ich nebenbei noch meine Arbeit?“

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Obwohl die Red Vaticanos den Besuch der Spiele vermissen, bestehe bei den meisten die Einsicht, dass die Maßnahmen zum Schutz vor dem Virus sinnvoll sind. „Ich habe noch von niemandem gehört, dass jetzt auf Biegen und Brechen das Stadion wieder für die Besucher geöffnet werden muss“, so Steinbrenner. „Das wäre schon sehr schön, aber so lange, wie es die Infektionszahlen nicht zulassen, müssen wir eben darauf verzichten.“

Pandemie erschwert Wohltätigkeitsarbeit

Strukturell oder finanziell habe sich die Krise nicht auf den Fanclub ausgewirkt. Es seien keine Mitglieder abgesprungen, den Mitgliedsbeitrag zahlen sie trotzdem noch. Was in der Pandemie gelitten hat, ist die Wohltätigkeitsarbeit. „Wir haben eine Partnerschaft mit dem Pflegeheim Johann Hinrich Wichern. Die ist zustande gekommen, weil zwei unserer Mitglieder dort arbeiten. Wir haben bislang jedes Jahr einen Weihnachtsbaum für sie gespendet und helfen beim alljährlichen Sportfest im Heim mit oder eben bei Ausflügen“, erzählt Steinbrenner. „Den Weihnachtsbaum haben wir 2020 noch spenden können, durften aber beim Schmücken nicht helfen. Deshalb haben wir den Heimbewohnern als kleinen Gruß Adventskalender geschickt.“ Auch die Veranstaltungen des Heims konnten unter Pandemiebedingungen nicht stattfinden. Die Partnerschaft besteht aber trotzdem weiter. „Wenn wir uns schon als christlichen Fanclub bezeichnen, wollen wir auch etwas tun, woran man Nächstenliebe sehen kann.“