06. April 2021 / 17:54 Uhr

Reformvorschläge: Altherrenfußballer befürchten das Ende der niedersächsischen Meisterschaften

Reformvorschläge: Altherrenfußballer befürchten das Ende der niedersächsischen Meisterschaften

Eduard Warda
Göttinger Tageblatt
Der Ball ruht: Frühestens, wenn die 7-Tage-Inzidenz landesweit unter den Wert 50 fällt, dürfen die Mannschaften wieder in das Training einsteigen.
Die Altherrenmeisterschaften sollen auf Betreiben des NFV reformiert werden. © dpa
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Der Spielausschuss des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) will mit Reformvorschlägen die Altherrenmeisterschaften verschlanken. Vertreter von Göttinger Klubs befürchten demgegenüber, dass der Veranstaltung durch die Neuerungen der Reiz genommen wird.

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Vertreter von Göttinger Fußballklubs sorgen sich um die Zukunft des Altherrenfußballs in Niedersachsen. Hintergrund ist eine Beschlussvorlage des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV), nach der der Modus von Altherren-Landesmeisterschaften grundlegend geändert werden soll.

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So sollen bei den Titelkämpfen der Ü32-Teams nur noch 48 Mannschaften in die Qualifikation gehen, Startgelder entfallen, dafür gibt es auch keine Siegprämien mehr. Bei der Ü40 und der Ü50 soll es nur noch zwei Qualifikationsrunden mit 56 Teams geben, die Finalturniere bestreiten nur noch 16 Mannschaften. Auch hier entfallen sowohl Startgelder als auch Siegprämien. Die Teilnahme an der sogenannten Players Night, dem geselligen Abschluss, ist nicht mehr verpflichtend, sondern freiwillig.

Diese Regelungen sollen auch für das Ü40-Hallenturnier mit maximal 16 Mannschaften gelten. Die Ü60-Meisterschaften bleiben ein Einladungsturnier, auch hier ist das Limit 16 Teams und die Teilnahme an der Players Night freiwillig.

Der Vorschlag basiert auf dem Ergebnis einer Arbeitsbesprechung des NFV-Spielausschusses unter der Leitung des Ausschussvorsitzenden Jürgen Stebani. Die NFV-Kreise müssen noch ihr Placet geben.

Der langjährige NFV-Verantwortliche Friedel Gehrke befürchtet, dass die Reform den Altherrenmeisterschaften auf lange Sicht das Wasser abgräbt – und das sehen auch Göttinger Vereinsvertreter so: „Das wäre das Ende des überregionalen Altherrenfußballs in allen Altersklassen in Niedersachsen“, sagt Jörg Lohse, Vorsitzender des mehrmaligen Ü32-Teilnehmers SC Hainberg und lange Zeit im NFV-Kreis Göttingen-Osterode für den Altherrenfußball zuständig.

Lohse befürchtet, dass die Idee „einschläft, weil die Rahmenbedingungen unattraktiv werden“. Sollte die Teilnahme an der Abendveranstaltung, die bisher der „krönende Abschluss“ gewesen sei, in Zukunft freiwillig sein, „wäre das das Ende der ganzen Geselligkeit“, sagt Lohse. „Da wird versucht, in der Corona-Pause durch die Hintertür das kaputtzumachen, was Gehrke in 25 Jahren auf die Beine gestellt hat.“

Streibel: „Veranstaltung würde ihren Reiz verlieren“

Auch Thomas Streibel, zuständig für die Altherrenteams der SG Lenglern/Harste, sieht das Vorhaben kritisch und findet: „Dadurch würde die Veranstaltung schon ihren Reiz verlieren.“ In den nächsten Tagen soll eine entsprechende Stellungnahme an den NFV geschickt werden. Wäre die Players Night nicht mehr Pflicht, könnten zwar Teams, die früher ausgeschieden sind, eher abreisen, aber: „Das hat eigentlich den Reiz und die Atmosphäre ausgemacht.“ Eine andere Befürchtung von Streibel ist, dass sich in Zukunft die immer gleichen Teams für die 16er-Finalrunde qualifizieren. „Dabei war das Finalturnier für viele Altherrenspieler das Highlight.“

Im Fußballkreis Göttingen-Osterode gibt es zwar mangels Teams keinen Altherren-Spielbetrieb, aber Steffen Köhne vom TSV Landolfshausen/Seulingen sieht den Oldie-Fußball gerade auch in der Region im Aufschwung begriffen: „Ich glaube, die Resonanz wäre besser als vor einiger Zeit“ – die Reform würde unter Umständen ein falsches Zeichen setzen.

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„Es ist lediglich ein Vorschlag, der als Diskussionsgrundlage dienen soll“, sagt auf Tageblatt-Nachfrage Ansgar Nieberg, beim NFV für den Spielbetrieb zuständig. Was sind die Beweggründe für den angestrebten Kurswechsel? Es sei schwierig, Ehrenamtliche für die Ausrichtung zu finden, die Qualifikationsturniere hätten in Kreisen mit Ligabetrieb „zu viele Spiele“ zur Folge, und schließlich sei das Ganze auch ein Kostenfaktor.

Apropos Ausrichtung: Die SG Lenglern/Harste sollte eigentlich im September das Ü40-Finalturnier des vergangenen Jahres ausrichten, das wegen Corona verschoben wurde. Seit Dienstag steht fest: Es wird wegen Corona erneut verschoben, auf 2022 – aber immerhin noch mit der alten Finalkonstellation und damit 32 Mannschaften.