23. Juni 2021 / 21:19 Uhr

Regenbogen-Debatte: Thomas Hitzlsperger nimmt DFB in die Pflicht - "Auch Emotionen zeigen"

Regenbogen-Debatte: Thomas Hitzlsperger nimmt DFB in die Pflicht - "Auch Emotionen zeigen"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Thomas Hitzlsperger übte deutliche Kritik am Vorgehen der UEFA und des DFB in der Diskussion über die Beleuchtung der Münchener EM-Arena.
Thomas Hitzlsperger übte deutliche Kritik am Vorgehen der UEFA und des DFB in der Diskussion über die Beleuchtung der Münchener EM-Arena. © IMAGO/ULMER Pressebildagentur (Montage)
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Die Diskussion über die Beleuchtung der Münchener EM-Arena in Regenbogen-Farben bestimmte den Vorlauf des abschließenden Gruppenspiels gegen Ungarn. Thomas Hitzlsperger kritisierte das Vorgehen der UEFA und des DFB in der Debatte und richtete eine Forderung an DFB-Präsident Rainer Koch.

In der Debatte um das UEFA-Verbot der regenbogenfarbenen Beleuchtung der Allianz Arena in München hat Thomas Hitzlsperger am Mittwochabend auch den Deutschen Fußball-Bund in die Pflicht genommen. In einem Interview mit dem ZDF kurz vor dem abschließenden EM-Gruppenspiel in München gegen Ungarn erklärte der Vorstandsvorsitzende des VfB Stuttgart, dass er sich ein größeres Engagement des DFB um Interimspräsident Rainer Koch nach dem Regenbogen-Verbot durch die UEFA wünscht. Koch hatte die Entscheidung der UEFA am Dienstag verteidigt. "Ich traue mich, zu sagen, dass viele Fußballfans in Deutschland vom Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes erwarten, dass er im nächsten Schritt seine persönliche Haltung dazu nennt", sagte Hitzlsperger, der sich 2014 als homosexuell geoutet hatte.

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Hitzlsperger forderte von Koch weiter, "dass er auch Emotionen zeigt, die die Leute auch sehen wollen und sich dafür einsetzt, dass sowas nicht mehr vorkommt." Zudem solle der Interimspräsident, der sich das Amt aktuell als Nachfolger des zurückgetretenen Fritz Keller mit Peter Peters teilt und zugleich UEFA-Vertreter beim DFB ist, "seine Stimme erheben in der UEFA, um eine Verbesserung zu erzielen". Generell erwarte er von Koch künftig eine klarere Positionierung in Sachen Gleichberechtigung, Menschenrechte und Vielfalt.

Zum Hintergrund: Die UEFA hatte in dieser Woche einen Antrag von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) abgelehnt, die Arena im letzten Gruppenspiel der DFB-Elf gegen Ungarn in Regenbogenfarben zu erleuchten. Sie hatte dies damit begründet, dass der Antrag politisch motiviert sei. Hintergrund der Debatte ist ein Gesetz, das die Informationsrechte von Jugendlichen in Hinblick auf Homosexualität und Transsexualität in Ungarn einschränkt, das kürzlich vom ungarischen Gesetz gebilligt worden war. Die Regenbogenflagge steht als Symbol für die Akzeptanz und Gleichberechtigung von Menschen, die sich nicht mit dem traditionellen Rollenbild von Mann und Frau oder anderen Normen rund um Geschlecht und Sexualität identifizieren.

Laut Hitzlsperger: UEFA lehnte bereits im Mai eine Regenbogen-Beleuchtung in München ab

Laut Hitzlsperger hat die UEFA bereits im Mai eine Regenbogen-Beleuchtung des Münchner EM-Stadions abgelehnt. Der DFB habe damals angeregt, die Arena an einem spielfreien Tag in Regenbogenfarben zu beleuchten. "Die UEFA hat dieses abgelehnt, einfach mit dem Verweis unter anderem auf die Kurzfristigkeit der Anfrage", sagte Hitzlsperger am Mittwochabend im ZDF. "Und ein paar Wochen später sagen sie, man könnte doch auch einen anderen Spieltag wählen. Und das passt dann nicht mehr zusammen", sagte der ehemalige Nationalspieler. Die UEFA laufe damit der Diskussion und der Entwicklung hinterher

Hitzlsperger ergänzte, dass das UEFA-Verbot möglicherweise sogar gut für die Debatte war. "Die Diskussion, die entstanden ist aufgrund dessen, ist so viel größer und geht über so viele Tage, dass die UEFA, glaube ich, enorm unterschätzt hat, was sie damit angerichtet hat." Sie habe sich selbst in ein schlechtes Licht gerückt und viele Fußballfans mobilisiert. "Die Fans haben heutzutage einen größeren Anspruch“, Verbände müssten sich klar positionieren. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin erläuterte gegenüber der Zeitung Die Welt, dass aus seiner Sicht die Regenbogen-Angelegenheit politisch sei, weil gegen die Entscheidung der Regierung eines anderen Landes protestiert werden sollte. "Die UEFA kann kein Werkzeug für jeden Politiker sein, der uns anruft und sagt: Ihr macht jetzt bitte dies und jenes gegen diesen oder jenen Politiker", sagte der Slowene.