01. August 2020 / 13:43 Uhr

Es fehlt an Zulauf: Nur drei Vereine außerhalb des Stadtgebiets bieten Hockeysport an

Es fehlt an Zulauf: Nur drei Vereine außerhalb des Stadtgebiets bieten Hockeysport an

David Lidón
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Es fehlt in der Region Hannover an Alternativen für Hockeyspieler und -spielerinnen.
Es fehlt in der Region Hannover an Alternativen für Hockeyspieler und -spielerinnen. © imago images/foto2press
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In der Stadt spielen mit dem DTV Hannover, Hannover 78 oder dem DHC Hannover einige Vereine in höheren Hockey-Ligen mit. Ganz anders sieht es in der Region Hannover aus. Bei nur drei Vereinen außerhalb des Stadtgebiets wird Hockey angeboten, und das fast nur im Jugendbereich.

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In Hannover ist Hockey noch nie lediglich eine Randnotiz des Sportgeschehens gewesen. Vereine wie der DTV Hannover, Hannover 78 oder DHC Hannover haben Bundesliga-Erfahrung vorzuweisen und mischen weiterhin in hohen Spielklassen mit.

Wer jedoch das Stadtgebiet verlässt, findet nur noch drei Klubs vor, die das Ballspiel als Sparte anbieten. Lediglich der TSV Engensen, SC Hemmingen-Westerfeld und Mellendorfer TV halten die Hockeyfahne in der Region hoch – fast exklusiv im Jugendbereich.

Wistuba haucht Engensens Hockeysparte Leben ein

„Als wir vor sieben Jahren nach Engensen aufs Land gezogen sind, lag die Hockeyabteilung beim TSV am Boden“, sagt Spartenleiter Andreas Wistuba. Obwohl die Sparte seit fast 40 Jahren im Klub existiert, musste erst ein 75-maliger Nationalspieler wie Wistuba in den Burgwedeler Ortsteil ziehen, um dort dem Hockey neues Leben einzuhauchen. „Die Abteilung hatte lange überlebt, hing aber am Schlauch“, sagt er. Mit viel Engagement und Werbung in Schulen sowie Kindergärten wurden seit 2013 aus 20 nunmehr 100 Kinder, die in Engensen den Schläger schwingen.

„Es ist wirklich schwierig, im Hockey ohne viel Geld an Trainer zu kommen“, benennt Wistuba einen weiteren Grund für das Ödland in der Region. Auch einen Kunstrasenplatz, der für Punktspiele in höheren Klassen Pflicht ist, kann sich nicht jeder Verein leisten. In Engensen hilft man sich da selbst: Jugendliche Spieler werden zu Trainern ausgebildet, ein kleines Kunstrasenfeld von 4x20 Metern wurde mithilfe eines Sponsors in Eigenregie errichtet. „Technische Übungen, wie etwa kurze Ecken, können wir dort anbieten“, sagt Wistuba.

Mehr Sport in der Region Hannover

Stadtkonkurrenz übermächtig

Beim SC Hemmingen-Westerfeld sehen sie die Konkurrenz der Stadtvereine als übermächtig an. „Sie stecken viel Zeit und Geld in den Sport. Da ist es für uns schwierig, Mitglieder zu gewinnen“, sagt Abteilungsleiter Andreas Both. Die jüngere seiner zwei Altersgruppen musste der SCH mangels Zuspruch bereits auflösen. Das verbliebene Team der Jahrgänge 2001 und älter leidet an Nachwuchsproblemen.

„Der Hockeysport braucht kostspielige Ausrüstung und eine gut aufgestellte Infrastruktur“, sagt Both. Seine Mannschaft tritt im Ligabetrieb nur in der Halle an, Feldhockey ist in Hemmingen nicht möglich. Dafür besteht eine Kooperation mit dem HC Hannover – noch. „Wie das nach der Corona-Krise weitergeht, müssen wir abwarten“, sagt der Verantwortliche. Im Jahr 2013 wurde die Hockeysparte des SV Devese in den SC Hemmingen-Westerfeld aufgenommen. Both befürchtet, dass es in Zukunft kein Hockey mehr im Verein geben könnte.

Ebenfalls seit sieben Jahren wird beim Mellendorfer TV Hockey gespielt. Ein Kunstrasenplatz ist zwar vorhanden, „doch man muss das Risiko eingehen, nach drei bis vier Jahren nicht schon 1000 Mitglieder zu haben“, sagt Spartenleiter Phillip Terbrack. „Das stagniert lange, wenn die Sportart nicht so im Fokus steht.“ Die schwierige Mitgliedergewinnung ist nicht nur in seinem Klub das zentrale Thema. Hinzu kommen die teuren Rahmenbedingungen. „Man braucht eine Halle mit Banden, da muss gerade am Anfang viel investiert werden. Das schreckt viele Vereine ab“, sagt Terbrack.

Seit vergangenem Jahr kann der MTV sogar eine Frauenmannschaft anbieten. „Doch auch da ist noch Luft nach oben“, sagt der Sprecher in puncto Kaderstärke. Der gesamte Hockeysport in der Region Hannover kann Zuwachs gut gebrauchen, wenn er nicht von der Bildfläche verschwinden will.