25. Mai 2020 / 07:11 Uhr

„Regionale Globalisierung“: Kickers Markkleeberg und Eintracht Süd gründen Verein

„Regionale Globalisierung“: Kickers Markkleeberg und Eintracht Süd gründen Verein

LVZ-Sportbuzzer
Leipziger Volkszeitung
Fußball-Visionäre mit klaren Zielen, von links: Sebastian Seyffert, Christian Rocca (beide Eintracht Süd) und Dirk Sauer (Kickers Markkleeberg).
Fußball-Visionäre mit klaren Zielen, von links: Sebastian Seyffert, Christian Rocca (beide Eintracht Süd) und Dirk Sauer (Kickers Markkleeberg). © Leon Heyde
Anzeige

Beide Clubs bündeln mit der Gründung des JFV Neuseenland e.V. im Großfeldbereich ihre Kräfte. Der neu geschaffene Verein übernimmt in den höchsten drei Altersklassen das Spielrecht der Stammvereine. Ziel ist durch ein einheitliches Ausbildungskonzept eine konzentrierte Förderung des Jugendfußballs in der Region zu gewährleisten. 

Anzeige

Leipzig. Dieses Projekt könnte den Nachwuchsfußball in Leipzig nachhaltig verändern. Mit der Gründung des Jugendförderverein Neuseenland e.V. mit Vereinssitz in Markkleeberg bündeln Kickers 94 Markkleeberg und SV Eintracht Leipzig-Süd ab kommender Saison die Kräfte im Großfeldbereich. Das Ziel: Eine Neusortierung des Jugendfußballs in der Messestadt.

Anzeige

Anfang des Jahres reifte der Entschluss, dass aus Konkurrenten Mitstreiter werden sollten. Für Jörg Menzel, 2019 zum Vorstandsvorsitzenden der Kickers gewählt, ein überfälliger Schritt: „Seit seiner Gründung hat unser Verein den Anspruch, leistungsorientierten Fußball zu spielen. Es hat sich allerdings gezeigt, dass das ständige Auf und Ab und das Niveau Landesliga nur in Kooperation mit einem Partner überwunden werden kann.“

Gleiches gilt für die Eintracht, die unter Leitung von Christian Rocca und Daniel Grönitz eine stolze Entwicklung hinlegte und mit ihren Großfeldteams in die Landesliga vordrang. Um sich nicht mehr gegenseitig im Weg zu stehen, gründeten Mitglieder beider Vereine Ende Februar den JFV, der von der A- bis C-Jugend das Spielrecht der Stammvereine übernimmt. Im Kleinfeldbereich starten die Teams weiter für den Stammvereinen – die Identifikation soll nicht verloren gehen. Ein einheitliches Ausbildungskonzept soll es jedoch auch von den Bambini bis zur D-Jugend geben.

Der Spagat „Kinder und Druck“

JFV-Schatzmeister Dirk Sauer bezeichnet das Projekt als „regionale Globalisierung“: „Es geht darum, eine konzentrierte Förderung des Jugendfußballs in der Region zu erreichen. Dabei wollen wir in jedem Jahrgang und jeder Spielklasse so breit aufgestellt sein, dass in den Teams große Leistungsunterschiede vermieden werden und der Verein für alle fußballbegeisterten Kinder eine Heimat bietet.“

Leistungs- und Breitensport wird also angeboten. Ein Spagat, der in der Region selten gewagt wird. „Kinder und Druck, das funktioniert nicht immer. Selbst leistungsorientiere Kinder können damit nicht immer umgehen, hören mit dem Fußball auf, sobald ihnen die Perspektive fehlt oder sie eine Auszeit benötigen“, sagt Sebastian Seyffert, JFV-Vorstandsmitglied und Torwarttrainer am DFB-Stützpunkt Nordsachsen.

Mehr zum Fußball in Leipzig

Pro Altersklasse werden mehrere Mannschaften gebildet, die sich aus den Stammvereinen speisen, künftig aber mit regionalen und überregionalen Talenten gespickt sein sollen. Zudem sollen Trainer weitergebildet und Spieler individuell gefördert werden. Mit seinen ersten Mannschaften will sich der JFV mittelfristig in der Regionalliga etablieren, im Breitensport sollen sich die Teams in der Stadtliga einfinden. Dies ist eine Kampfansage an Leipziger Vereine, die sich in ähnlichen Ligen wie Kickers und Eintracht bewegen oder auch die Ambition haben, über diese hinauszukommen.

Erste Anlaufstellte hinter RB Leipzig

Hinter RB will der JFV die erste Anlaufstelle für Nachwuchsspieler werden und den Jugendfußball der Stadt über die Landesgrenze hinaus konkurrenzfähig machen. „Das Potenzial der Region schlummert“, ahnt Rocca, der mit Menzel die Vorstandsspitze bildet: „Noch vor einigen Jahren haben wir mit dem VfB Leipzig und dem FC Sachsen zwei Leipziger Vereine in der A-Jugendbundesliga gehabt, die es zum Großteil mit Spielern aus der Region dorthin geschafft haben. Ich frage mich, wo sind diese Spieler jetzt?“

Langfristig verfolgt der JFV das Ziel, seinen Nachwuchsspielern mit einer gezielten Ausbildung den Übergang in den überregionalen Frauen- und Männerbereich zu ermöglichen. Mit seiner Frauenmannschaft hat sich die Eintracht in die Regionalliga gekämpft, die Männer der Kickers sind festes Mitglied der Sachsenliga. Als Schnittstelle soll eine neu gegründete U23 dienen.

Mehr zum Fußball in Leipzig

Bei allen Ambitionen ist es den Verantwortlichen wichtig, keinem Verein die Existenzgrundlage zu nehmen. Kooperationsverträge mit umliegenden Klubs sollen ausgearbeitet werden. Für Christian Funke, JFV-Gründungsmitglied und Bereichsleiter Sport, Schulen und Kindertagesstätten der Stadt Markkleeberg ist dies wichtig: „Die Entwicklung soll nicht zulasten anderer Vereine ablaufen. Wenn der JFV die Eingliederung in die Markkleeberger Vereinslandschaft erreicht, ist eine Sogwirkung für alle anderen Vereine möglich. Die Marke JFV Neuseenland kann dann repräsentativ für die Region stehen.“ Der Imagegewinn soll lokale Sponsoren anziehen. Besondere Förderungen durch Verband oder Land gibt es, anders als für ein Nachwuchsleistungszentrum, für einen JFV nicht.

Der SFV beobachtet genau

Das Vorhaben wird auch beim Sächsischen Fußball-Verband (SFV) mit Spannung verfolgt. „Es ist immer gut, Vereine mit Visionen im Verband zu haben. Bis in die Regionalliga ist es ein langer Weg. So schnell, wie es sich die Verantwortlichen wünschen, wird es vielleicht nicht gehen. Als unsinnig betrachten wir dieses Projekt jedoch nicht“, sagt Alexander Rabe, Verantwortlicher für Öffentlichkeitsarbeit beim SFV. Vor allem die Ausbildung von Trainern wird vom Verband ausdrücklich begrüßt.

In der kommenden Spielzeit geht der JFV mit der A- und C-Jugend zunächst in der Landesliga an den Start, die B-Jugend spielt in der Landesklasse. Die Spielrechte der Eintracht-Teams werden übernommen. Alle weiteren Teams einer Altersklasse siedeln sich in den Ligen darunter an. Der Mitgliedsantrag beim SFV soll fristgerecht bis 31. Mai eingehen. Trainiert und gespielt wird sowohl im Sportpark Camillo Ugi (Kickers) als auch auf der Südkampfbahn (ELS), die 2018 mit neuen Rasenplätzen ausgestattet wurde.

Ein langer Weg steht dem JFV bevor, will er seine gesteckten Ziele in den nächsten Jahren erreichen. Wo sich die Visionäre in zehn Jahren sehen? „Wir wollen ein hochklassig spielender, angesehener Verein sein, der respektvoll mit seinen Spielern und Trainern umgeht und seine Marke in der Region etabliert hat“, so Christian Rocca. Vor allem wird sich der JFV am sportlichen Erfolg messen lassen müssen.

Leon Heyde