25. März 2020 / 13:22 Uhr

Saisonabbruch in der Regionalliga? Der HSC und die große Ungewissheit

Saisonabbruch in der Regionalliga? Der HSC und die große Ungewissheit

Christoph Hage
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Weiß nicht, wie es weitergeht: HSC-Trainer Martin Polomka
Weiß nicht, wie es weitergeht: HSC-Trainer Martin Polomka © Florian Petrow
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Offiziell ist die Regionalliga Nord nur bis zum 25. April ausgesetzt - wie es dann weitergehen soll, weiß aber niemand. Ein Abbruch der Saison ist möglich, davon würde der HSC Hannover profitieren. Das ist aktuell aber zweitrangig, wie die Verantwortlichen betonen.

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Es sei unfassbar schwer, sagt Martin Polomka. „Jeder Spieler ruft an und fragt dich ‚Trainer, wie geht es weiter?‘ Und ich habe keine Ahnung. Das ist für mich als Derjenige, der die Entscheidungen trifft, ein schlechtes Gefühl.“

Dabei gibt es bei 83 Partien vor dem regulären Ende der Regionalliga-Saison eigentlich nur zwei Optionen: entweder weiterspielen oder abbrechen. Muss der HSC auf sportlichem Wege zurück in die Oberliga oder kann das Schlusslicht davon profitieren, dass es keine Absteiger geben wird? Viele Fragen, keine Antworten.

Geisterspiele in der Regionalliga keine Alternative

Der HSC befinde sich zwölf Tage nach dem letzten gemeinsamen Training noch immer in der Findungsphase, sagt Teammanager Frank Kittel: „Es ist eine Ausnahmesituation, in der heute keiner eine verbindliche Aussage darüber treffen kann, wie es in vier Wochen aussieht.“

Der HSC finanziere sich hauptsächlich über Sponsorengelder und eben Zuschauereinnahmen. Geisterspiele wie in der 1. und 2. Bundesliga sind für die Regionalliga keine ernstzunehmende Alternative. „Nun zahlt es sich aus, dass wir einen der kleinsten Etats der Liga haben und keine wilden Sachen gemacht haben“, sagt Kittel. „Wir sind gut und gesund aufgestellt.“ Die Aufwandsentschädigungen für Februar seien normal an die Spieler überwiesen worden.

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Die Trainer Martin Polomka (links, HSC Hannover), Jan Zimmermann (Mitte, TSV Havelse) und Christoph Dabrowski (rechts, Hannover 96 II) sind in der Winterpause auf dem Transfermarkt aktiv geworden.  Zur Galerie
Die Trainer Martin Polomka (links, HSC Hannover), Jan Zimmermann (Mitte, TSV Havelse) und Christoph Dabrowski (rechts, Hannover 96 II) sind in der Winterpause auf dem Transfermarkt aktiv geworden.  ©

Kiene hat zuhause "gefühlt noch zugelegt"

Die Trainingspläne, die die Akteure mit nach Hause bekamen, seien nicht mehr als eine Bewegungstherapie, eine Beschäftigungsmaßnahme. „Mit Fußball hat das nicht viel zu tun“, sagt Polomka. Und daran sei in diesen Tagen ohnehin nicht zu denken. „Diese Woche will ich mal mit jedem Einzelnen telefonieren. Ich will mit den Jungs reden, und zwar nicht über Fußball, da gibt es derzeit Themen, die wichtiger sind.“

Spieler Niklas Kiene etwa treibt täglich drei bis vier Stunden Sport, „damit der Tag rumgeht“. Vor und nach der Arbeit im Homeoffice geht es eine Runde laufen und anschließend an die Fitnessgeräte in den eigenen vier Wänden. „Gefühlt habe ich körperlich noch zugelegt“, sagt der HSC-Vizekapitän.

Die HSC-Spieler halten sich in ihren eigenen vier Wänden fit, hier Niklas Kiene (links) und Yannick Bahls (rechts).
Die HSC-Spieler halten sich in ihren eigenen vier Wänden fit, hier Niklas Kiene (links) und Yannick Bahls (rechts). © privat
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"Im Moment ist das nur ein Rumgeeiere"

Theoretisch würde die Saison für den HSC am­ 25. April mit dem Kellerduell beim Heider SV weitergehen – sechs Tage nach dem Ende der Sportsperre würde das Schlusslicht also zum einen Punkt besser dastehenden Vorletzten reisen. „Da stelle ich mir ernsthaft die Frage: Wie soll das funktionieren?“, sagt Polomka und stellt ratlos fest: „Ich weiß nicht, wie ein regulärer Spielbetrieb laufen kann und soll.“

Kittel wird um einiges deutlicher: „Egal, welche Entscheidung getroffen wird – und ich glaube, es kann eigentlich nur eine geben – wir brauchen zwingend eine, und das zeitnah. Im Moment ist das nur ein Rumgeeiere, und wir haben keine Planungssicherheit. Ich bin nicht so blauäugig, zu glauben, dass in 14 Tagen wieder alles gut ist.“

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DFB, DFL und NFV spielen auf Zeit

Der Sportmanager mache sich in diesen Tagen ohnehin mehr Gedanken über kranke und ältere Menschen, als darüber, „ob wir ab dem 25. April wieder Fußball spielen. Der Fußball ist in so weite Ferne gerückt.“ Sein Appell: „Alle Personen, die aktuell auf der Suche nach einer Entscheidung sind, werden immer den Ansatz haben, diese zum Wohle des Sports zu treffen und nicht zum Wohl des Einzelnen.“

Der Deutsche Fußball-Bund, die Deutsche Fußball-Liga und damit auch der Norddeutsche Fußball-Verband spielen indes auf Zeit. Jürgen Stebani, Vorsitzender des NFV-Spielausschusses, stellt auf der Homepage klar: „Mit jeder Verlängerung der Auszeit wird der Abbruch dieser Saison wahrscheinlicher.“ Stand jetzt ist sie nur bis zum 19. April unterbrochen.

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