04. Mai 2020 / 22:03 Uhr

Umfrage in der Regionalliga Nord: Geisterspiele, Abbruch mit Quotient oder Verlängerung

Umfrage in der Regionalliga Nord: Geisterspiele, Abbruch mit Quotient oder Verlängerung

Christoph Hage
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Wie geht es für die Spieler des HSC und des VfL Wolfsburg II weiter?
Wie geht es für die Spieler des HSC und des VfL Wolfsburg II weiter? © Boris Baschin
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Der Norddeutsche Fußball-Verband hat eine Umfrage über die Fortführung der Saison 2019/20 an die Teams der Regionalliga Nord verschickt. Diese können bis 7. Mai aus drei Möglichkeiten wählen: Fortsetzung mit Geisterspielen, Abbruch und Wertung via Quotient sowie Fortsetzung ab dem 1. September.

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Dieses fünfseitige Papier, das der Norddeutsche Fußball-Verband (NFV) da am Montag um 17.57 Uhr an die 18 Mannschaften in der Regionalliga Nord verschickt hat, hat es in sich. Unklar ist allerdings, was er damit bezweckt und wie der weitere Entscheidungsprozess ablaufen wird.

Zwei von drei Vorschlägen bringen die Verlängerung der Saison wieder auf den Tisch. Dabei hatten sich doch gerade in einer vom HSC Hannover initiierten Umfrage die Mehrheit für einen Saisonabbruch ausgesprochen (14 von 15 befragte Vereine), sollte die Saison nicht regulär bis zum 30. Juni beendet werden können. Was zählt die Meinung der Vereine noch?

"Wochenlang schert sich niemand um unsere Meinung"

Frank Kittel, Manager des Schlusslichts HSC Hannover, kritisiert vor allem den Zeitpunkt für die erbetene Antwort: 7. Mai, 12 Uhr, also 66 Stunden nach Erhalt des Schreibens: "Wochenlang schert sich niemand um unsere Meinung, und dann haben wir nicht einmal drei Tage für eine Antwort Zeit", sagt er.

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Der NFV informiert in seinem Schreiben zunächst über den Sachstand, den Status quo. "Sollten die Sportanlagen ab dem 4. Mai wieder zu Verfügung stehen und die Behörden bei Amateuren auf Corona-Tests verzichten, könnte man Ende Mai mit der Saison fortfahren", heißt es dort. Voraussetzung dafür seien einheitliche Beschlüsse der jeweiligen Behörden.

"Deshalb haben wir dieses Szenario nicht zur Abstimmung gestellt"

"Das wäre das beste Szenario und die Saison 2019/2020 könnte im Juli 2020 beendet werden. Es erklärt sich von selbst, sollten die Behörden dieses zulassen, dass die Saison unter diesen Voraussetzungen zu Ende gespielt wird und die neue Saison dann entsprechend verspätet beginnt. Deshalb haben wir dieses Szenario nicht zur Abstimmung gestellt", schreibt der NFV.

Ein Überblick: Das ist der Status quo bei Deutschlands Landesverbänden. Stand: 21. Mai 2020.

<b>Schleswig-Holstein:</b> Ob sie sich bei ihrem Weg auf Glatteis bewegen, wird sich zeigen. Klar ist: Das Präsidium des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes (SHFV) hat beschlossen, dass die Saison 2019/2020 nicht über den 30. Juni hinaus verlängert werden soll. Stattdessen wird sie ohne weiteren Spielbetrieb auslaufen. Mit anderen Worten: Sie ist abgebrochen worden. Die Entscheidung gibt unseren Vereinen die bestmögliche Planungssicherheit, wird SHFV-Präsident Uwe Döring auf der Homepage des Verbandes zitiert.

 Am 9. Mai entschied das Präsidium schließlich, die Saison mithilfe der Quotientenregel zu werten. Es gibt zwei Auf-, aber keine Absteiger. Sollte eine Mannschaft auf den Aufstieg verzichten, erfolgt keine Weitergabe des Aufstiegsrechts. Die ausstehenden Kreispokalspiele sollen als regionale Qualifikationsrunden vor Beginn der nächsten Saison gespielt werden. Bei den Frauen und Junioren steigen hingegen jeweils nur die Staffelsieger auf, Absteiger gibt es ebenfalls nicht.  Zur Galerie
Schleswig-Holstein: Ob sie sich bei ihrem Weg auf Glatteis bewegen, wird sich zeigen. Klar ist: Das Präsidium des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes (SHFV) hat beschlossen, dass die Saison 2019/2020 nicht über den 30. Juni hinaus verlängert werden soll. Stattdessen wird sie ohne weiteren Spielbetrieb auslaufen. Mit anderen Worten: Sie ist abgebrochen worden. "Die Entscheidung gibt unseren Vereinen die bestmögliche Planungssicherheit", wird SHFV-Präsident Uwe Döring auf der Homepage des Verbandes zitiert. Am 9. Mai entschied das Präsidium schließlich, die Saison mithilfe der Quotientenregel zu werten. Es gibt zwei Auf-, aber keine Absteiger. Sollte eine Mannschaft auf den Aufstieg verzichten, erfolgt keine Weitergabe des Aufstiegsrechts. Die ausstehenden Kreispokalspiele sollen als regionale Qualifikationsrunden vor Beginn der nächsten Saison gespielt werden. Bei den Frauen und Junioren steigen hingegen jeweils nur die Staffelsieger auf, Absteiger gibt es ebenfalls nicht.  ©

Allerdings geht auch der NFV in seinem Schreiben davon aus, dass "das Distanzgebot als zentrales Element der Corona-Strategie – sprich mindestens 1,5 Meter Abstand zwischen zwei Personen – bis mindestens Ende des Jahres bestehen bleiben dürfte".

"Daraus können sich entsprechende Schadensersatzforderungen ableiten lassen"

Rechtliche Haftungsrisiken seien nach wie vor gegeben, da es in den Satzungen und Ordnungen des Verbandes keine rechtliche Grundlage für einen Saisonabbruch gebe: "Daraus können sich entsprechende Schadensersatzforderungen ableiten lassen."

"Bitte wählen Sie deshalb einen Vorschlag aus, denn wir können aktuell nicht davon ausgehen, dass die Behörden die Sportanlagen für den Zuschauerbetrieb öffnen werden", schreibt der Verband. Stand heute seien Großveranstaltungen bis zum 31. August bundesweit verboten. "Erst am 6. Mai wird die Bundesregierung über eventuelle weitere Lockerungen der Auflagen beraten, danach die Länder." Für die einzelnen Vorschläge führt der Verband jeweils eine Pro- und Contra-Liste.

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Vorschlag Nummer eins sieht Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit, sprich Geisterspiele, vor. Es gebe eine "behördliche Anordnung, dass alle am Spiel beteiligten Personen einen Corona-Test mindestens 24 Stunden vorher absolviert haben" müssen. Die Kosten pro Testperson würden derzeit bei circa 150 Euro liegen.

Vorschlag Nummer zwei sieht den Abbruch der Saison 2019/2020 vor und die Ermittlung der Tabelle über die Quotientenregelung. Allerdings würde es, anders als im Handball, nicht nur Aufsteiger, sondern auch Absteiger geben. Auf der Contra-Seite führt der Verband hierzu die notwendig werdende Einberufung eines außerordentlichen NFV-Verbandstages auf. Alternativ könnten alle Vereine eine Verzichtserklärung unterzeichnen, damit die Haftbarkeit des Verband ausgeschlossen wird.

Vorschlag Nummer drei sieht das Einfrieren der Saison 2019/2020 und das Fortsetzen (sofern möglich) ab dem 1. September vor. Die Spielzeit 2020/2021 würde im Januar/Februar 2021 beginnen und als verkürzte Saison gespielt. "Wie diese verkürzte Saison aussehen soll, muss noch unter Berücksichtigung, insbesondere unter rechtlichen Gesichtspunkten, geprüft werden", schreibt der Verband.

Tabelle nach Quotientenregelung

Als Anlage zu Vorschlag 2 hat der NFV die Tabelle über die Quotientenregelung, bei der die Punkte durch die Anzahl der Spiele geteilt werden, errechnet. Demnach würde der VfB Lübeck in die 3. Liga aufsteigen und der HSC Hannover müsste zurück in die Oberliga.

  1. VfB Lübeck 2,44
  2. VfL Wolfsburg II 2,33
  3. SC Weiche Flensburg 08 2,00
  4. SV Drochtersen/Assel 1,76
  5. Eintracht Norderstedt 1,63
  6. SV Werder Bremen II 1,60
  7. Holstein Kiel II 1,50
  8. VfB Oldenburg 1,48
  9. TSV Havelse 1,45
  10. BSV SW Rehden 1,42
  11. Lüneburger SK Hansa 1,23
  12. Hannover 96 II 1,18
  13. FC St.Pauli II 1,08
  14. Hamburger SV II 1,05
  15. SSV Jeddeloh 0,88
  16. Altona 93 0,76
  17. Heider SV 0,67
  18. HSC Hannover 0,63