16. September 2021 / 15:47 Uhr

Harte Arbeit, tolle Charaktere und viel Qualität: Die Erfolgsgeschichte des FSV Luckenwalde

Harte Arbeit, tolle Charaktere und viel Qualität: Die Erfolgsgeschichte des FSV Luckenwalde

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Michael Braune ist seit dieser Saison Cheftrainer des FSV 63 Luckenwalde.
Michael Braune steht seit der Saison 2021/22 als Cheftrainer beim FSV 63 Luckenwalde in der Verantwortung. © Frank Neßler
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Regionalliga Nordost: Unter Trainer Michael Braune gehört die Mannschaft aus der Kreisstadt in Teltow-Fläming überraschend zur Spitzengruppe der Liga und empfängt am Samstag den Spitzenreiter BFC Dynamo.

Nicht wenige dürften sich beim aktuellen Blick auf die Tabelle der Fußball-Regionalliga Nordost verwundert die Augen reiben. Während mit dem BFC Dynamo, dem Berliner AK, der VSG Altglienicke und Carl Zeiss Jena im Vorfeld der Saison durchaus im oberen Tabellendritten zu rechnen war, überrascht der FSV 63 Luckenwalde auf Rang drei des Klassements doch gewaltig. „Das ist sicherlich eine schöne Momentaufnahme“, sagt Dirk Heinze. Der langjährige Präsident des Vereins aus der Kreisstadt in Teltow-Fläming baut aber trotz des ganz starken Starts keine Luftschlösser. „Das sind 20 Punkte gegen den Abstieg. Wir wollen uns langfristig in der Liga etablieren.“

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Der FSV spielt seine fünfte Saison in der Regionalliga und fand sich bislang immer in der unteren Tabellenregion wieder. Daran, dass das 2021/22 bislang ganz anders aussieht, hat Michael Braune einen großen Anteil. Der 35-Jährige trat im Sommer als Chefcoach die Nachfolge von Jan Kistenmacher an. Zusammen mit seinen beiden Co-Trainern Steve Müller und Severin Mihm verfolgt er einen klaren Plan. Beschränkten sich die FSV-Teams in den bisherigen Spielzeiten in der vierten Liga in der Regel vor allem auf die Defensive und hofften vorne auf einen Geistesblitz von Spielmacher Daniel Becker, agieren sie in dieser Saison deutlich aktiver und offensiver. „Wir wollen schon versuchen, den Ball häufig in unseren Reihen zu haben und von hinten nach vorne flach durch zu kombinieren“, sagt Braune.

In Bildern: Die Trainer des FSV 63 Luckenwalde seit 1997

Klaus Kornmüller (Trainer des FSV 63 Luckenwalde von 1997 bis 2001). Zur Galerie
Klaus Kornmüller (Trainer des FSV 63 Luckenwalde von 1997 bis 2001). © Frank Neßler

„Natürlich klappt das nicht über 90 Minuten. Wir verfolgen aber einen ganzheitlichen Ansatz, haben unsere Idee vom Fußball und an dieser wollen wir Woche für Woche feilen. Mit 20 Punkten auf der Habenseite ist das natürlich leichter, als wenn du von Anfang an mit dem Rücken zur Wand stehst“, weiß der gelernte Fluggerätemechaniker, der Vollzeit in Dahlewitz arbeitet und sich selbst als sehr akribisch bezeichnet. „Neben der Familie und dem Trainerposten ist das schon sehr viel, macht aber Spaß.“

Braune selbst spielte im Nachwuchs- und Männerbereich viele Jahre für den FSV Luckenwalde. Er stieg als zentraler Mittelfeldspieler mit dem Team unter Trainer Ingo Nachtigall („Micha war immer offen, ehrlich und geradeaus. Er hatte eine überragende Schusstechnik. Er holt jetzt aus bescheidenen Bedingungen das Optimale heraus und ich freue mich sehr für ihn.“) 2009 in die Oberliga auf. Später trug er unter anderem das Trikot des RSV Waltersdorf, FSV Union Fürstenwalde und SV Lichtenberg 47. Bei den Berlinern beendete er mit 31 Jahren seine aktive höherklassige Laufbahn und sammelte an der Seite von Uwe Lehmann seine ersten Erfahrungen an der Seitenlinie.

Heimspiel gegen den BFC Dynamo

„Diese Entscheidung habe ich ganz bewusst getroffen und wollte mich auf das Trainersein konzentrieren.“ Von 2018 bis 2021 war er für die A-Junioren des FSV 63 verantwortlich, ehe die Beförderung folgte. „Für Außenstehende ist das vielleicht überraschend gewesen“, sagt FSV-Chef Heinze mit Blick auf die Entscheidung, einen Mann ohne Erfahrung als Cheftrainer im Herrenbereich zu installieren. „Aber das war kein Schnellschuss. Wir haben schon bei seinem Antritt als Coach der A-Junioren darüber gesprochen, dass das so kommen könnte.“

Am Samstag (13 Uhr) bekommen es die Luckenwalder, die vier Mal in der Woche trainieren, im heimischen Werner-Seelenbinder-Stadion mit dem Spitzenreiter BFC Dynamo zu tun. Ein Team von vielen in der Liga, das anders als die Blau-Gelben aus Teltow-Fläming unter Profibedingungen arbeitet. „Das ist einfach ein Unterschied. Diesen so gut es geht zu kaschieren, ist unsere Aufgabe. Wir wollen deswegen nicht rumheulen“, sagt Braune. Er selbst habe schon als Spieler immer viel hinterfragt und sich mehr Gedanken über das Spiel als andere Akteure gemacht. „Da war ich sicherlich auch ein schwieriger Typ, weil ich in jungen Jahren vielleicht oft auch nicht wusste, wie ich das richtig kommuniziere.“


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Auf die Frage nach dem aktuellen Erfolgsrezept sagt er: „Das ist eine Mischung aus individueller Qualität, harter Arbeit und super Charakteren.“ Zu diesen zählt Sommerneuzugang Leon Hellwig, der aus Rathenow kam und für seinen Trainer auf der Position im zentralen Mittelfeld zu den Besten der Liga gehört.

Er agiert oft an der Seite von Daniel Becker. Der 34-Jährige ist mit fünf Toren und drei Vorlagen Topscorer und wirkt fit wie selten zuvor. „Ich kenne Becks noch als Gegenspieler. Über seine Fähigkeiten am Ball müssen wir uns nicht unterhalten. Ich habe ihm aber ganz klar gesagt, was ich gegen den Ball von ihm erwarte. Ich glaube, er wollte es sich selbst und mir beweisen und macht das überragend.“ Damit lässt sich wohl auch die gesamte Arbeit beim Überraschungsteams der Liga am besten zusammenfassen.