20. November 2020 / 08:24 Uhr

Regionalliga Nordost will am 4. Dezember starten - 1. FC Lok Leipzig wehrt sich

Regionalliga Nordost will am 4. Dezember starten - 1. FC Lok Leipzig wehrt sich

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Das Bruno-Plache-Stadion wird auch bei einem Re-Start der Regionalliga Nordost leer bleiben.
Das Bruno-Plache-Stadion wird auch bei einem Re-Start der Regionalliga Nordost leer bleiben. © André Kempner
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Der Termin für den Re-Start der Regionalliga Nordost steht. Bei den Verantwortlichen des 1. FC Lok Leipzig sorgt das für wenig Begeisterung. Die Probstheidaer wenden sich in einem offenen Brief mit deutlichen Worten an den Verband und stellen zahlreiche Fragen.

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Leipzig. Nicht in der kommenden Woche wie zunächst von verschiedenen Medien berichtet, aber doch zügig: Die Regionalliga Nordost will ihren Spielbetrieb am 4. Dezember wieder aufnehmen. Das ist das Ergebnis einer Spielausschusssitzung des zuständigen Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV) am Donnerstagabend. Geplant ist, dass unter Beachtung der aktuellen Verfügungslagen vom 4. bis 6., vom 11. bis 13. sowie vom 18. bis 20. Dezember gespielt werden soll. „Die Ansetzung von Nachholspielen ist ebenfalls im Dezember geplant“, heißt es in der Mitteilung.

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"Unverantwortlich und gesellschaftlich nicht zu vertreten"

Klar ist: Zuschauer werden nicht zugelassen sein. Den so stark von den Spieltagseinnahmen abhängigen Regionalligisten stehen Geisterspiele ins Haus. Die Fans müssen allerdings wohl nicht gänzlich auf ihre Clubs verzichten. Laut Verband befinde man sich in positiven Gesprächen mit dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR), "um per Livestream im Internet eine Übertragung von möglichst vielen Spielen zu gewährleisten".

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Gegen diese Pläne regt sich Widerstand beim 1. FC Lok Leipzig. Die Probstheidaer befinden sich derzeit bekanntlich in Kurzarbeit, nehmen die Möglichkeit des vollumfänglichen Mannschaftstrainings im Gegensatz zur BSG Chemie und dem ZFC Meuselwitz deshalb bisher nicht wahr. Am Donnerstag wandten sich die Verantwortlichen in einem offenen Brief an den NOFV. In Anbetracht der jüngsten Aufforderungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der Länder, jeden unnötigen Kontakt zu unterlassen, heißt es dort. "Mit einer möglichen Entscheidung, noch in diesem Jahr die 4. Liga fortzusetzen, wird der Fußball und in diesem Fall der NOFV an Ansehen verlieren. Während eines Lockdowns, in dem eine Vielzahl von Unternehmen ums nackte Überleben kämpfen und Familien aufgefordert werden, auf jegliche private Weihnachtsfeiern zu verzichten, ist es aus unserer Sicht unverantwortlich und gesellschaftlich nicht zu vertreten, die 4. Liga fortzusetzen.

Lok-Verantwortliche haben zahlreiche Fragen

Natürlich geht es den Blau-Gelben nicht nur um die gesellschaftliche Gesamtverantwortung. Der 1. FC Lok moniert vor allem auch die ungeklärten "wirtschaftlichen und pandemischen Rahmenbedingungen" eines Re-Starts. Die Clubs der Regionalliga Nordost verfügen nicht über hochdotierte Fernsehverträge, Ligasponsoren und hohe Zuschusszahlungen durch Verbände oder die öffentliche Hand. In diesem Zusammenhang ergeben sich für die Probstheidaer zahlreiche Fragen an den Verband:

  1. Wie sollten möglicherweise geforderte Coronatests finanziert werden? Werden die Kosten vom NOFV getragen? Wie viele Tests werden während des Spielbetriebs wöchentlich gefordert?
  2. Gibt es ähnlich der Regionalliga West staatliche Unterstützungsprogramme oder sind solche geplant? Setzt sich der NOFV im Sinne der Wettbewerbsgleichheit für eine gesamtdeutsche Lösung ein?
  3. Warum wird eine Fortführung der RL Nordost mit Geisterspielen angestrebt, bevor eine umfangreiche Ausgleichszahlung beschlossen wurde? Ist die Anzahl der möglichen Geisterspiele auf eine Anzahl begrenzt oder nimmt der Verband unkalkulierbare finanzielle Abenteuer für die Vereine wissentlich in Kauf?
  4. Wie wird regeltechnisch im Sinne gleicher Voraussetzungen verfahren, sollten sich Spieler oder Offizielle eines Teams mit dem Coronavirus infizieren? Welche Quarantäneregeln für eine Spielvorbereitung legt der NOFV in diesem Fall fest? Ab wie vielen Infizierten innerhalb eines Teams ist das jeweilige Team nicht mehr für den Spielbetrieb zugelassen?

Lok Leipzigs Präsident Thomas Löwe hatte bereits vor rund zwei Wochen gefordert, die Winterpause vorzuziehen. Sein Wunschtermin für den Wiedereinstieg: der 15. Januar. "Ohne Fans sehe ich keinen Sinn, dieses Jahr ein Spiel anzupfeifen. Für wen sollen wir denn spielen?" Dass sich die Mehrheit der Regionalliga-Clubs bei einer Telefonkonferenz für ein schnelles Comeback ohne Fans ausgesprochen hat, kann Löwe nicht verstehen. „Wir waren einer der wenigen Vereine, die klar Stellung genommen haben“, sagte er gegenüber dem SPORTBUZZER.