19. November 2020 / 15:51 Uhr

Regionalliga-Spiele im Dezember? Der VfL Wolfsburg II darf trainieren, andere nicht

Regionalliga-Spiele im Dezember? Der VfL Wolfsburg II darf trainieren, andere nicht

Benno Seelhöfer
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Wollen endlich die Pleiten-Serie beenden: Bryang Kayo und der VfL Wolfsburg II.
Wollen endlich die Pleiten-Serie beenden: Bryang Kayo und der VfL Wolfsburg II. © Roland Hermstein
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Wird in der Regionalliga im Dezember noch mal gespielt? Noch ist das offen, weil für die Klubs unterschiedliche Regeln gelten. Der VfL Wolfsburg II darf im Gegensatz zu anderen Vereinen auf den Trainingsplatz. Coach Henning Bürger spricht über die ungewisse Situation und die Niederlagen-Serie.

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Der Niedersächsische Fußball-Verband hat den Spielbetrieb für dieses Jahr bereits ausgesetzt, ab der Oberliga abwärts wird also nicht mehr gespielt. Die Profi-Ligen (Bundesliga, 2. Bundesliga und 3. Liga) hingegen sind von dem Sport-Verbot der Bundesregierung für November ohnehin ausgenommen, für sie gelten eigene Regeln, Corona-Tests sind an der Tagesordnung. Doch was ist mit der Regionalliga, die offiziell die höchste deutsche Amateur-Spielklasse ist, in der in der Realität aber viele Berufs-Fußballer kicken.

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Genau darin liegt das Problem. Grundsätzlich gilt für die vierthöchste Spielklasse auch der von der Bundesregierung verhängte Amateur-Sport-Stopp. Aber: In der Regionalliga Nord ist die überwiegende Anzahl der Spieler als Vertragsspieler gemeldet, für die die Vereine Sozialversicherungsbeiträge abführen - die Höhe der Bezahlung liegt häufig im drei- oder vierstelligen Bereich. Daher gibt es in der Liga keine klare Grenze zwischen Vollzeit-Berufs-Fußballern, Spielern, die bei ihrem Verein in Teilzeit angestellt sind, oder Kickern, die nebenbei noch in Vollzeit arbeiten und mit Fußball ihr Taschengeld aufbessern.

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Der VfL Wolfsburg II oder Werder Bremen II, wo durch die Bank Berufs-Fußballer aktiv sind, dürfen dank Sondergenehmigungen auch trainieren - schließlich gehen sie im Trainingsbetrieb ihrem Job nach. Doch auch der FC Oberneuland hat jetzt so eine Genehmigung erhalten. Der HSC Hannover beispielsweise darf aber nicht trainieren - obwohl er in derselben Staffel spielt. Und genau das sorgt bei einem möglichen Liga-Re-Start im Dezember - der Stand jetzt möglich wäre - für Chancen-Ungleichheit.

Der Norddeutsche Fußball-Verband würde im Dezember aber gerne wieder den Ball rollen lassen. "Wenn wir können, wollen wir auch", sagt Jürgen Stebani, Spielausschuss-Vorsitzender des Norddeutschen Fußball-Verbandes. Aber: "Ohne eine einheitliche Verfügungslage wird es im Dezember keinen Spielbetrieb geben." Deshalb hat der Verband schon vor einer Woche die Landesregierungen in Niedersachsen, Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein um Sondergenehmigungen für Regionalliga-Klubs gebeten, hilfreiche Rückmeldungen gebe es aber noch nicht, so Stebani. "Der Vorstoß ist gemacht worden, jetzt müssen wir abwarten."

Wettkampf-Anspannung fehlt

Der VfL Wolfsburg II darf zwar trainieren, doch in so einer ungewissen Situation ist das auch keine richtige Vorbereitung. "Das ist eine komplett neue Situation für alle Beteiligten hier im Nachwuchs-Leistungszentrum", sagt Coach Bürger, der eher nicht davon ausgeht, dass im Dezember noch mal gespielt wird. "Wir sind es gewohnt, einen gewissen Rhythmus und eine Anspannung vor Wettkämpfen zu haben. Das ist alles weg. Man braucht diesen positiven Stress."

Doch es nicht alles schlecht. Der VfL darf immerhin trainieren, Bürger weiß das Privileg zu schätzen. "Außerdem sieht man jetzt, wie Spieler abseits des Drucks wirklich ticken" - auch das sei ein positiver Nebeneffekt. Und: Das große Lazarett lichtet sich endlich. Mit Jesaja Herrmann dauert es nur noch bei einem Spieler in der Reha etwas länger. Michele Rizzi ist kurz vor der Rückkehr ins Team-Training. Sonst stehen dem Trainer alle anderen Akteure in den Übungen zur Verfügung. Bürger: "Jetzt haben wir wieder einen Konkurrenzkampf, das sehe ich positiv."

"Man macht sich enorme Gedanken"

Doch klar ist auch: Seine Premieren-Saison läuft für Bürger alles andere als nach Wunsch. Mit fünf Pleiten in Folge ging's in die Zwangs-Pause, dazu gab's einen großen Umbruch und viele Widrigkeiten durch Corona zu meistern. "Man macht sich schon enorme Gedanken, wie es zu so einer Niederlage-Serie kommen konnte", gibt Bürger zu. "Man überlegt Tag und Nacht, woher das kommt." Spurlos geht das alles nicht an ihm vorbei.

Was ihm Mut macht: "Ich bekomme weiterhin enorme Unterstützung Pablo Thiam." Natürlich sei mit dem Sportlichen Leiter des VfL-Nachwuchses "jeder Stein umgedreht worden. Aber", so Bürger, "wir sind uns alle einig, dass die Entwicklung unserer jungen Mannschaft weiter vorangetrieben wird. Natürlich ist der Blick auf die Tabelle nicht schön, aber da reden wir nicht ständig drüber. Uns geht es um unsere tägliche Arbeit und die Weiterentwicklung der Spieler."