12. November 2019 / 22:30 Uhr

Regionalliga: VfB Lübeck gegen Altona 93 zum Risikospiel erklärt

Regionalliga: VfB Lübeck gegen Altona 93 zum Risikospiel erklärt

Jürgen Rönnau
Lübecker Nachrichten
Im Hinspiel in Hamburg gab es kleinere Auseinandersetzungen zwischen den VfB-Fans und der Polizei - nun wurde das Rückspiel in Lübeck zum Risikospiel erklärt.
Im Hinspiel in Hamburg gab es kleinere Auseinandersetzungen zwischen den VfB-Fans und der Polizei - nun wurde das Rückspiel in Lübeck zum Risikospiel erklärt. © Agentur 54°
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Verband NFV hat "eigene Erkenntnisse" und überstimmt den VfB und die Polizei

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Krisensitzung beim VfB Lübeck nachdem es zuletzt zu knirschen begann hinter den Kulissen und auch im Fanlager Unruhe aufkam, der Vorstand machte Bestandsaufnahme. Die Botschaft nach dem Meeting: „Alle VfBer sind aufgefordert und eingeladen, jetzt ganz eng zusammen zu rücken, damit wir am Samstag gegen Altona gemeinsam in die Erfolgsspur zurückkehren.“ Total entspannt aber blickt man der Partie nicht entgegen. Denn der Norddeutsche Fußballverband (NFV) hat das Match gegen Altona zum „Risikospiel“ erklärt.

"Kein Grund, ein solches Szenario herauf zu beschwören"

Vorstandssprecher Thomas Schikorra ist empört. „Wir haben sofort interveniert, es gibt überhaupt keinen Anlass hier ein solches Szenario herauf zu beschwören“, sagt der Rechtsanwalt – und verweist zudem auf die Statuten. „Die NFV-Spielordnung regelt klar, wer bewertet, ob ein Spiel ein ’erhöhtes Risiko’ birgt, das dann besondere Maßnahmen erfordert. Und das ist der ausrichtende Verein – also der VfB, und das ist die Polizei. Beide Parteien waren sich total einig, dass diese Partie gegen Altona absolut nicht in die Risiko-Kategorie gehört.“ Zudem sei die Klassifizierung für den gastgebenenden Verein mit erheblichen Kosten verbunden. Das teilte man dem NFV mit. Der blieb stur, verwies auf einen Passus, nach dem der Verband auch nach eigenem Ermessen handeln könne.

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Im Hinspiel knickte ein "Gartenzaun" um, Polizei setzte Pfefferspray ein

Die Funktionäre wollen nämlich „Erkenntnisse haben“, dass Gefahr in der Luft liege – das habe sich im Hinspiel angedeutet. Damals, am 31. Juli, gewann der VfB in der Adolf-Jäger-Kampfbahn mit 2:1. Unter dem Jubel der Fans war ein Absperrgitter der Handelsklasse „Baumarkt-Gartenzaun“ weggeknickt, Polizei marschierte auf, Pfefferspray kam zum Einsatz. Eine völlig überzogene Aktion, wie Augenzeugen aus dem Fanblock berichteten. Man hätte verhindern wollen, hieß es, dass rivalisierende Fangruppen aneinandergeraten.

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Diese Angst treibt den NFV jetzt offenbar erneut um. Allerdings ist die Altonaer Fanszene übersichtlich, nie als aggressiv aufgefallen und im AFC als eigene Abteilung gut kontrolliert. Nach Lübeck wird eine Busfahrt für maximal 55 Personen angeboten. Der VfB - dessen Fans seit Monaten vor allem durch kreative und lautstarke Unterstützung ihrer Mannschaft auffallen - seinerseits hat im Doppelpass mit den Sicherheitsbehörden schon „echte“ Risikospiele mit Bravour durchgeführt. Zuletzt das Pokalspiel gegen den FC St. Pauli. Aber das lag in der Hoheit des DFB, das kann der NFV vielleicht nicht wissen . . .