20. Februar 2019 / 18:14 Uhr

Regionalligareform: Kommt jetzt die zweigleisige 4. Liga?

Regionalligareform: Kommt jetzt die zweigleisige 4. Liga?

Jürgen Rönnau
Lübecker Nachrichten
Schon 2010 protestierte der VfB gegen die oft veränderte Regionalliga.
Schon 2010 protestierte der VfB gegen die oft veränderte Regionalliga. © Wolfgang Maxwitat
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Am 19. März muss in Leipzig Konsens erzielt werden, wie aus drei Regionalligen zwei zu machen sind – Neues Modell plädiert für eine 4. Liga

Vor ein paar Tagen hat es Post gegeben für 54 Fußball-Regionalligisten und elf Teams aus der 3. Liga – allesamt Betroffene der geplanten Regionalligareform, die nicht voran zu kommen scheint. Absender waren die drei Präsidenten der Regionalverbände Nord-, Süd- und Nordostdeutschland. Sie wollen Druck aufbauen, um eine Lösung im Aufstiegsmodus zu finden – und dazu, so waren sie aufgefordert worden, sollen sie aus drei Regionalligen zwei machen. Für den 19. März sind alle angeschriebenen Vertreter nach Leipzig eingeladen, um das Problem konstruktiv und final zu diskutieren.

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Denn bisher steht nur fest, dass die Regionalligen West und Südwest künftig einen direkten Aufsteiger stellen werden – die drei anderen Regionalligen sollen ebenfalls zwei Aufstiegsplätze erhalten. Damit die nicht in einer Relegation ausgespielt werden, müssten alte Strukturen aufgebrochen werden – und genau das ist die Crux. Ganz deutlich heißt es in dem Einladungsbrief nach Leipzig: „Die Zeit des vorrangigen, bisweilen sogar ausschließlichen Formulierens eigener Interessenlagen muss jetzt ein Ende finden, gefragt sind die bestmöglichen Kompromisslösungen, welche die Interessen aller Vereine und Verbände am umfassendsten aufgreifen.“ Und drohend wird nachgeschoben, dass andernfalls der DFB-Bundestag am 27. September eine Entscheidung trifft „die den Interessen der Vereine aus dem Norden, Nordosten und Bayerns widerspricht, bzw. nicht gerecht wird“.

VfB Lübeck ist kompromissbereit

Allen Beteiligte ist klar, dass nur durch ein Splitting der Regionalliga Nordost, eine Verteilung der Klubs auf eine Nordliga (mit dem VfB Lübeck) und eine Südliga zielführend sein kann. Florian Möller, Vorstand des VfB Lübeck und Delegierter für den Leipzig-Termin, plädiert schon lange für eine Auflösung der strikten Verbandsgrenzen. Zuspruch bekommt er vom Landesverband Mecklenburg-Vorpommern. LFV-Präsident Joachim Masuch zeigte sich nicht verschlossen. Eine Neustrukturierung solle nach Kriterien wie Fläche, Reisewegen und Zahl der Teams erfolgen, ließ er Kompromissbereitschaft erkennen.

Mehr zu möglichen Regionalligareformen

Anders sieht das dagegen sein“Chef“, der Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbandes Erwin Bugar. Als der im Dezember gewählt wurde, erklärte er unmissverständlich, dass der Erhalt der Nordost-Staffel – in den Strukturen der DDR-Oberliga, wie es sie seit 1950 gab – für ihn „höchste Priorität“ habe. Das birgt Zündstoff, denn es kling nicht nach Kompromissbereitschaft. Und Bugar ist einer der Unterzeichner der Einladung nach Leipzig.

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Stefan Schnoor fordert "finanziellen Input"

Natürlich werden weiterhin auch andere Modelle diskutiert – etwa die 3. Liga zweigleisig laufen zu lassen. VfB-Sportdirektor Stefan Schnoor hatte dazu in einem LN-Interview gesagt: „Eine regionale Zweiteilung der 3. Liga wäre der gangbare Weg. Es wird immer gesagt, die 3. Liga sei ein tolles Produkt. Da frage ich mich, warum im Schnitt jeder Verein pro Saison 670 000 Euro Minus macht. Der DFB hat bei der Einführung der Eingleisigkeit einen Fehler gemacht. Jetzt obliegt es dem reichsten Verband der Welt diesen zu korrigieren – auch mit finanziellem Input.“

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Zuschauerkapazität: 15.292, Platz 16. 15 Regionalligisten spielen in größeren Stadien, als der VfB (Zweitvertretungen ausgeschlossen). Allen voran Klubs wie Alemannia Aachen, Waldhof Mannheim oder die Kickers Offenbach sind den Lübeckern mit ihren Arenen einen Schritt voraus. Investitionen in das traditionsreiche Stadion an der Lohmühle (sowie aktuell beim Umbau der Pappelkurve) bleiben auch in den kommenden Jahren nicht aus.  Zur Galerie
Zuschauerkapazität: 15.292, Platz 16. 15 Regionalligisten spielen in größeren Stadien, als der VfB (Zweitvertretungen ausgeschlossen). Allen voran Klubs wie Alemannia Aachen, Waldhof Mannheim oder die Kickers Offenbach sind den Lübeckern mit ihren Arenen einen Schritt voraus. Investitionen in das traditionsreiche Stadion an der Lohmühle (sowie aktuell beim Umbau der Pappelkurve) bleiben auch in den kommenden Jahren nicht aus.  ©

Neuer Vorschlag von Ex-VfL-Osnabrück-Manager Kaltenhoff

Die Drittligisten werden aber alles daran setzen, ihre Liga unangetastet zu lassen. Und es könnte sein, dass sie am 19. März in Leipzig einen eigenen Reformvorschlag machen. Den hat der Ex-Manager des VfL Osnabrück, Helmut Kaltenhoff, erarbeitet. Die Neue Osnabrücker Zeitung hat das Modell vorgestellt, schreibt: „Kernpunkt ist die Einführung einer 4. Liga in zwei Staffeln (Nord und Süd) mit je 16 Vereinen als Unterbau der 3. Liga, darunter sechs Regionalligen mit je 16 Klubs.“ Die Meister würden aufsteigen, sogar die Zweitplatzieren könnten über eine Relegation noch den Sprung in die nächsthöhere Liga schaffen.

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Das Facebook-Ranking in der Regionalliga Nord: Wer hat die meisten Fans? Das erfahrt ihr in der Galerie.  Zweitvertretungen sind hier ausgeschlossen.  Zur Galerie
Das Facebook-Ranking in der Regionalliga Nord: Wer hat die meisten Fans? Das erfahrt ihr in der Galerie.  Zweitvertretungen sind hier ausgeschlossen.  ©

Ob so oder so, bis zum zum 15. April 2019 will das DFB-Präsidium Klarheit über die künftige Aufstiegsregelung in der Regionalliga haben. Darum muss am 19. März der große Wurf gelingen – quasi die Quadratur des Kreises, wie Pessimisten sagen. Aber bereits vorher gibt es Gelegenheit sich auszutauschen. Vom 22. bis zum 24. Februar findet in Kassel der DFB-Amateurfußball-Kongress statt. Das Thema Regionalligareform steht zwar nicht explizit auf der Agenda – ganz sicher aber wird es im Hintergrund kontrovers und leidenschaftlich diskutiert.

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