20. Februar 2019 / 07:57 Uhr

Reif für die Couch: Braucht Hannover 96 einen Mentaltrainer?

Reif für die Couch: Braucht Hannover 96 einen Mentaltrainer?

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Horst Heldt (von rechts),Thomas Doll und Gerhard Zuber auf dem Weg zum Trainingsplatz.
Horst Heldt (von rechts),Thomas Doll und Gerhard Zuber auf dem Weg zum Trainingsplatz. © Florian Petrow
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Immer wieder betonen Verantwortliche und Spieler von Hannover 96, wie wichtig der Kopf und die Mentalität im Bundesliga-Abstiegskampf seien. Wäre es da nicht konsequent, einen Mentaltrainer oder Sportpsychologen zu engagieren? Die Meinungen sind gespalten.

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Fußball wird mit den Füßen gespielt, aber Abstiegskampf ganz im Norden des Fußballers entschieden. „Das Ganze findet im Kopf statt“, weiß der 96-Manager. Für Horst Heldt ist 96 nicht Vorletzter, weil die Qualität der Mannschaft nicht für bessere Tabellenplätze tauge. „Es sei denn, man nimmt den Kopf als Qualitätsmerkmal dazu, dann haben wir schon ein Qua­li­täts­pro­blem.“ Im Abstiegskampf, führt Heldt aus, „ist der Druck für die Psyche eine ganz besondere Herausforderung. Das hat nichts damit zu tun, dass die Jungs nicht mehr Fußball spielen können.“

Einen Mentaltrainer für Hannover 96?

Wenn die heldtsche Analyse die 96-Probleme in der Psyche ortet, wäre es da nicht konsequent, jemanden dazuzunehmen, der sich damit auskennt? Einen Mentaltrainer oder Psychologen?

"Wenn die sportliche Leitung zustimmt, dann machen wir das"

96-Chef Martin Kind wäre sofort bereit, das zusätzliche Personal zu finanzieren. „Wenn die sportliche Leitung zustimmt, machen wir das.“ Kind hatte bereits im vergangenen Jahr vorgeschlagen, einen Men­tal­coach dazuzunehmen. „Ich habe das angeboten“, aber Ex-Trainer André Breitenreiter sei „sehr defensiv“ gewesen.

Die Stimmen zur Niederlage von Hannover 96 bei der TSG Hoffenheim:

Thomas Doll: Ich hatte wirklich gedacht, dass wir schon einen kleinen Schritt weiter sind nach dem Spiel gegen Nürnberg. Ein blutleerer Auftritt, wir sind überhaupt nicht in die Zweikämpfe gekommen. Da erwarte ich ein bisschen mehr Mut. Wir sind wie das Kaninchen vor der Schlange durch die Gegend gelaufen. Wir sollten schleunigst ein anderes Gesicht zeigen, sollten jetzt schon ein bisschen die Kurve kriegen. Das einzig Positive an diesem blöden Spieltag ist, dass alle anderen auch verloren haben. Zur Galerie
Thomas Doll: "Ich hatte wirklich gedacht, dass wir schon einen kleinen Schritt weiter sind nach dem Spiel gegen Nürnberg. Ein blutleerer Auftritt, wir sind überhaupt nicht in die Zweikämpfe gekommen. Da erwarte ich ein bisschen mehr Mut. Wir sind wie das Kaninchen vor der Schlange durch die Gegend gelaufen. Wir sollten schleunigst ein anderes Gesicht zeigen, sollten jetzt schon ein bisschen die Kurve kriegen. Das einzig Positive an diesem blöden Spieltag ist, dass alle anderen auch verloren haben." ©
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Ein Sportpsychologe muss "gewollt sein"

Bei Kind bewerben sich schon seit Monaten „mindestens einmal wöchentlich“ diverse Sportpsychologen. „Nach dem Hoffenheim-Spiel hat jetzt wieder ein Mentaltrainer auf drei Seiten sehr ausführlich begründet, warum seine Arbeit sinnvoll wäre und wie er helfen könnte“, berichtet der 96-Chef. „Aber es muss gewollt sein, gegen Trainer und Manager kann man das nicht durchsetzen.“

"Habe das als Spieler auch schon gehabt"

Wie steht nun der Manager zur Psychohilfe? „Das ist immer eine gute Idee“, sagt der Ex-Profi, „ich habe das als Spieler auch schon gehabt.“ Aber Heldt schränkt ein: „Das kann man nicht diktieren, das muss man als Spieler und Trainer wollen. Es macht keinen Sinn, wenn Martin Kind oder Horst Heldt entscheiden, dass das helfen könnte. Es wäre sinnlos, sie dahin zu schleppen, wenn sie sich dann nicht öffnen.“

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Ex-96-Sportpsychologin arbeitet bei St. Pauli

Breitenreiters Vorgänger Daniel Stendel hat bei 96 schon mit einer Sportpsychologin gearbeitet. Frauke Wilhelms Anstellung endete aber mit der Entlassung Stendels. Seit Januar trainiert die 45-Jährige jetzt die Gehirne der Profis vom FC St. Pauli. „Das ist kein Voodoo, sondern eine Chance, die Spieler noch intensiver zu betreuen“, erläutert Trainer Markus Kauczinski.

Doll will keinen Mentaltrainer

96-Trainer Thomas Doll schätzt das anders ein und will seine Spieler nicht auf die Couch setzen. „Ich sehe keinen Grund, dass der ein oder andere ein tiefgründiges Problem hat, weil er auf einmal nicht mehr kicken kann.“ Doll will keinen Mentaltrainer, sondern „mehr Feuer in den Zweikämpfen“.

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Am 28. Januar 2019 stellte Manager Horst Heldt den neuen Cheftrainer von Hannover 96 vor: Thomas Doll.  Zur Galerie
Am 28. Januar 2019 stellte Manager Horst Heldt den neuen Cheftrainer von Hannover 96 vor: Thomas Doll.  © imago/

"Jetzt wäre der falsche Zeitpunkt"

Laut Heldt hat 96 die Chance sowieso vertan – wie so viele Gelegenheiten zum rechtzeitigen Handeln in dieser Pannensaison. „Der Zeitpunkt ist entscheidend“ für die Einstellung eines Sportpsychologen, meint Heldt. „Der wäre da gewesen, aber jetzt ist es der falsche Zeitpunkt.“ „Am Anfang der Saison wäre das nicht schlecht gewesen, auch in der Winterpause wäre es möglich gewesen“, erklärt Heldt. „Es geht ja darum, das frühzeitig zu begleiten, auch mit Gesprächen außerhalb des Fußballs. Man muss sich kennenlernen und Vertrauen aufbauen, die Zeit haben wir nicht.“

Psychologen sehen "keine Probleme" mit dem Zeitpunkt

Die Psychologen, die sich bei Kind ins Gespräch gebracht haben, haben jedoch „keine Probleme mit dem Zeitpunkt“, sagt Kind. „Sie sehen auch jetzt die Chance, erfolgreich zu arbeiten.“

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