21. November 2021 / 20:15 Uhr

Reifen-Attentat als größter Aufreger: Das Derby aus Sicht der Fans von Chemie Leipzig

Reifen-Attentat als größter Aufreger: Das Derby aus Sicht der Fans von Chemie Leipzig

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
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Die Chemie-Fans sorgten im Gästeblock für ordentlich Stimmung. © Christian Modla
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Das Derby ist vorbei. Die BSG Chemie Leipzig verlor gegen Lok mit 0:1. Doch die Fans feierten wie immer ihre Mannschaft – und das bis zum Schluss. Vor der Partie und im Stadion lief das Stadt-Duell ohne große Zwischenfälle ab. Einzig ein paar zerstochene Reifen an den geparkten Fahrrädern der Leutzscher Gäste sorgten am Ende für Unmut.

Leipzig. Kreativ waren sie ja schon immer, so auch dieses Mal: die zugelassenen Chemie-Fans traten als geschlossene Einheit auf und unterstützten ihr Team nach Leibeskräften. Nach dem Treffen um 11 Uhr am S-Bahnhof in Connewitz zog eine schier endlose Fahrrad-Karawane gen Probstheida. Am Lößnitzer Schacht war großes Treffen mit allen anderen Chemikern, gemeinsam zog man von dort zu Fuß durch den weitläufigen Park bis zum Gästeblock des Bruno-Plache-Stadions. Ein gemeinsames Gimmick war der grüne Schlauchschal mit Chemie-Symbol, den alle (!) Anwesenden im Block trugen.

Schwarze Jacke, Bluejeans und schwarze Schuhe sind der Dresscode, alle haben sich daran gehalten. Drei Einlasskontrollen hatten die Leutzscher zu überwinden. Bei der ersten Station wurden die Tickets kontrolliert, beim zweiten die Kontaktverfolgungsbögen eingesammelt. Bei der dritten wurden Leibesvisitationen vorgenommen. Besonderer Ehrgeiz wurde wohl darauf verwendet, eine entwendete Lokfahne zu finden. Tatsächlich kam es dieses Mal nicht zu Aktionen wie dem Verbrennen von gezogenen Fahnen der Gegenseite.

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Der 1. FC Lok Leipzig konnte am Sonntag das 104. Derby für sich entscheiden. Die Blau-Gelben gewannen knapp mit 1:0 gegen aufopferungsvoll kämpfende Leutzscher. Zur Galerie
Der 1. FC Lok Leipzig konnte am Sonntag das 104. Derby für sich entscheiden. Die Blau-Gelben gewannen knapp mit 1:0 gegen aufopferungsvoll kämpfende Leutzscher. ©

Anpfiff, die beiden Vorsänger mit klarer Ansage an den Block: „Es ist für jeden, der heute hier sein kann, ein absolutes Privileg! Lasst uns alles geben, um zu zeigen, was Chemie ist!“ Lautstarke Anfeuerung über die gesamte Zeit, die Reihen hüpfen und schunkeln. Gleich zu Beginn dann doch Pyro, dichter Qualm hüllt die 450 Chemiefans ein. Auch auf der Gegenseite zündelt es, zur „Begrüßung“ fliegen Leuchtspurgeschosse vom Lok-Dammsitz in Richtung Chemie. Ausgeglichenes Spiel in der ersten Halbzeit, jeweils zwei Großchancen auf jeder Seite. Als Alex Bury nach seinem Sololauf vorbeischießt, stöhnt Maler Hans Aichinger entnervt: „Wenn sich das mal nicht rächt!“ Kurzes Verschnaufen in der Halbzeit, dann geht es weiter. Spruchbänder werden gezeigt, die übliche gegenseitige Anmache.

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Die Lok-Ultras sind auch für die 10%-Gästekarten-Regel und solidarisieren sich damit mit der Gegenseite. Chemie drückt nur, hat das Kommando für 20 Minuten auf dem Platz übernommen. Klare Chancen spielen die Gäste nicht heraus. Als Lok das späte 1:0 schießt, kurz Stille. Doch dann drehen die Leutzscher nochmal auf, singen ihr traditionelles „Grün und weiß ein Leben lang“, feiern stolz ihre Mannschaft nach ihrer tollen Leistung. Am Ende gibt es ein paar zerstochene Reifen an den geparkten Fahrrädern. Eine wahre Heldentat, aber wohl der größte Aufreger bei diesem Derby.