02. August 2020 / 16:57 Uhr

Reifen-Drama in Silverstone: Hamilton rettet Sieg trotz Defekt – Vettel holt einen Punkt 

Reifen-Drama in Silverstone: Hamilton rettet Sieg trotz Defekt – Vettel holt einen Punkt 

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Drama in Silverstone: Die Reifen der Mercedes haben sich in den letzten Runden aufgelöst. Sebastian Vettel (links) konnte so noch einen Punkt retten.
Drama in Silverstone: Die Reifen der Mercedes haben sich in den letzten Runden aufgelöst. Sebastian Vettel (links) konnte so noch einen Punkt retten. © Getty/imago images
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Dramatisches Finale in der Formel 1: Lewis Hamilton hat beim Großen Preis von Silverstone gerade so den Sieg über die Ziellinie gerettet. Der linke Vorderreifen des Weltmeisters hatte sich aufgelöst.

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An einem Tag zum Vergessen für Sebastian Vettel und Nico Hülkenberg hat Formel-1-Dominator Lewis Hamilton den nächsten Schritt zu seinem siebten WM-Titel gemacht. Bei seinem am Ende spektakulären siebten Heimsieg auf nur drei Reifen in Silverstone gewann der Mercedes-Pilot am Sonntag kurios vor Max Verstappen im Red Bull und Charles Leclerc im Ferrari. Ex-Champion Vettel holte im lahmenden Ferrari als Zehnter noch einen Punkt, während Hülkenbergs Blitz-Rückkehr beim Großen Preis von Großbritannien bei Racing Point ganz kurzfristig platzte.

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"Ich dachte, die letzte Runde würde geschmeidig zu Ende gehen", sagte ein glücklicher Hamilton nach dem Rennen. Sein linker Vorderreifen war wie der von Teamkollege Valtteri Bottas eine Runde zuvor (er wurde am Ende nur Elfter) geplatzt. "Auf der Geraden ist der Reifen immer platter geworden." Dann kam es zum Platzer: "Ich habe so etwas wie in der letzten Runde noch nie erlebt, mir ist fast das Herz stehen geblieben." Vettel zeigte sich nach Platz zehn im Gespräch mit Sky enttäuscht: "Ich habe mich sehr schwer getan, kein Gefühl für das Auto bekommen. Ich fühle mich überhaupt nicht wohl. Es war der Wurm drin, und den haben wir nicht gefunden."

In der Gesamtwertung baute Weltmeister Hamilton seinen Vorsprung nach drei Triumphen in den ersten vier WM-Läufen weiter aus. Mit nun 87 Grand-Prix-Siegen ist Michael Schumachers Bestmarke von 91 greifbar. Der englische Dauersieger ließ auch keinen Zweifel daran, dass er am Saisonende mit Rekord-Champion Schumacher nach Titelgewinnen gleichziehen will. In seinem letzten Jahr bei Ferrari hat Vettel schon früh keinerlei Chancen mehr auf seine fünfte Weltmeisterschaft und verkommt im Mittelfeld völlig zum Statisten.



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Der Deutsche Sebastian Vettel im Cockpit von Ferrari, Weltmeister Lewis Hamilton bei Mercedes und Neuling Esteban Ocon bei Renault sind drei der 20 Fahrer, die für die Formel 1 2020 feststehen. Der SPORTBUZZER präsentiert alle Piloten der Motorsport-Königsklasse in ihren Teams. ©

Antriebseinheit von Hülkenbergs Racing Point defekt

Als die Ampeln ausgingen und Hamilton den Start gewann, war für Hülkenberg schon alles vorbei. Aus dem Comeback des 32-Jährigen aus Emmerich wurde nichts, da die Antriebseinheit an seinem Auto defekt war. Racing Point bekam den Wagen nicht flott und der Deutsche musste enttäuscht in der Garage aussteigen. Eigentlich sollte er für den mit dem Coronavirus infizierten Mexikaner Sergio Pérez einspringen. Sollte Pérez keine Freigabe durch die Ärzte erhalten, könnte der Deutsche beim zweiten Rennen in Mittelengland am kommenden Sonntag aber doch noch dabei sein.

"Die Power-Unit war nicht anzukriegen. Es ist natürlich bitter", sagte Hülkenberg bei RTL: "So ein Krimi die letzten Tage und dann das. Es war nicht zu reparieren." Er wolle sich nun fit halten. "Es wird sich in den nächsten Tagen zeigen, ob ich nächste Woche fahre." Auf dem Hochgeschwindigkeitskurs gab Mercedes wie erwartet das Tempo vor. Hamilton hatte sich am Samstag schon mit Streckenrekord die Pole-Position gesichert und zog an der Spitze kontrolliert seine Runden. Sechs der vergangenen sieben Rennen gewannen die Silberpfeile auf ihrer Paradestrecke unweit der Teamfabriken in Brackley und Brixworth. Unterbrochen nur durch Vettel im Ferrari vor zwei Jahren.

Vettel war von einer Überraschung weit entfernt

Doch von einer Überraschung war der Heppenheimer weit entfernt. Nach mehreren technischen Schwierigkeiten und keiner guten Vorstellung in der Qualifikation konnte sich der 33-Jährige von Startplatz zehn nicht nach vorne arbeiten. Zwei frühe Safety-Car-Phasen durch Unfälle von Kevin Magnussen (Haas) und Daniil Kvyat (Alpha Tauri) verhinderten jedoch einen normalen Rennverlauf, in gerade mal sechs der ersten 18 Runden konnte überhaupt frei gefahren werden.

Nach dem zweiten Restart verlor Vettel vor leeren Tribünen aufgrund der Corona-Bestimmungen aber sogar einen Platz und hatte fortan Probleme mit den harten Reifen. An der Spitze fuhren Hamilton und Bottas ungefährdet schnelle Runden und konnten das Tempo sogar nach Belieben dosieren. Das Duo ließ erahnen, was der Königsklasse des Motorsports im Verlauf der Corona-Saison in den nächsten Wochen wieder droht: ziemliche Langeweile.

Niemand ist in der Lage, mit den Branchenführern mitzuhalten. Erst ein eigener Fehler kostete den Doppelsieg, als Bottas in der 50. von 52 Runden von der Strecke abkam und sich seinen Reifen ruinierte. Das passierte dann auch Hamilton auf der letzten Runde, und er schleppte sich gerade noch so ins Ziel. Einzig Verstapppen konnte bis dahin zeitweise die Verfolgung aufnehmen, kam jedoch nie ernsthaft in Schlagdistanz. Dahinter war der Rückstand von Vettels Stallrivale Charles Leclerc lange riesig. Vettels bittere Realität waren hingegen Zweikämpfe im Niemandsland gegen Pierre Gasly von Alpha Tauri oder Esteban Ocon im Renault.

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Eigenwerbung für das kommende Jahr kann der Routinier im unterlegenen Ferrari derzeit nicht betreiben und steht weiterhin ohne Cockpit für 2021 da. Nach sechs Jahren muss er die Scuderia am Jahresende verlassen. In Silverstone betonte er, dass er sich mit einer Entscheidung Zeit lassen will und nichts überhastet. Eine Option soll ein Wechsel zu Racing Point sein. Der Rennstall wird im kommenden Jahr das neue Werksteam von Aston Martin.

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