01. September 2020 / 09:00 Uhr

Kolumne: Manager-Legende Reiner Calmund über Lionel Messi, Toni Kroos und die TV-Gelder-Verteilung

Kolumne: Manager-Legende Reiner Calmund über Lionel Messi, Toni Kroos und die TV-Gelder-Verteilung

Reiner Calmund
RedaktionsNetzwerk Deutschland
In seiner Gast-Kolumne für den <b>SPORT</b>BUZZER thematisiert Reiner Calmund unter anderem den Barca-Abgang von Lionel Messi und eine mögliche Leverkusen-Rückkehr von Toni Kroos.
In seiner Gast-Kolumne für den SPORTBUZZER thematisiert Reiner Calmund unter anderem den Barca-Abgang von Lionel Messi und eine mögliche Leverkusen-Rückkehr von Toni Kroos. © Getty Images (Montage)
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In seiner Gast-Kolumne für den SPORTBUZZER beschäftigt sich Reiner Calmund mit dem bevorstehenden Wechsel von Lionel Messi. Der langjährige Manager von Bayer Leverkusen blickt zudem auf eine mögliche Rückkehr von Toni Kroos zur Werkself und eine Anpassung der Verteilung der TV-Gelder.

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Als ich neulich öffentlich über die Kündigung von Weltstar Lionel Messi beim FC Barcelona sprach, habe ich auch einen spaßigen Einwurf in Richtung meines langjährigen Arbeitgebers untergebracht. "Wenn er nicht den richtigen Klub findet und nicht zu teuer ist, dann würde ich nochmal ganz gerne meine Drähte zu Bayer Leverkusen glühen lassen."

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Ich bekam eine Menge Reaktionen. Doch wie es oft der Fall ist, haben einige das Augenzwinkern nicht erkannt - und haben direkt die Messi-Festspiele in der BayArena herbeigesehnt.

Bayer 04-Fußballchef Fernando Carro reagierte dagegen lustig auf meine Anregung. Ich schrieb ihm: "Lieber Fernando, der Vorschlag, Messi zu Bayer 04 zu holen, ist zwar ein bisschen bescheuert. Trotzdem lautet mein Motto: Fragen kostet nichts und Du hast als Spanier und Barcelona-Experte die besten Außenseiter-Chancen. Alles Gute, Dein bekloppter Freund Calli.“ Carros amüsante Antwort ließ nicht lange auf sich warten: "Verhandele gerade mit WW, aber wir sind uns mit Neymar einig.“ Dahinter platzierte er einen lachenden Smiley. „WW" ist Werner Wenning, viele Jahre Vorstandschef und Aufsichtsrats-Vorsitzender der Bayer AG, aktuell mächtiger Vorsitzender des Leverkusener Aufsichtsrats.

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Man könnte mir mit meinem kleinen Messi-Traum nostalgisches Denken unterstellen, zumal ich die damaligen Weltklassespieler Bernd Schuster und Rudi Völler im etwa gleichen Alter zu Bayer 04 gelotst habe. Bernd Schuster bestritt unmittelbar vor seinem Wechsel von Atlético Madrid 1993 noch das UEFA-Cup Halbfinale. In seiner ersten Saison belegte er bei der Wahl zum "Tor des Jahres" in der ARD-Sportschau die ersten drei Plätze und wurde außerdem noch für das Tor des Jahrzehnts geehrt.

Rudi Völler schoss wenige Wochen vor seinem Wechsel 1994 zu Bayer 04 noch zwei Tore beim 3:2 im WM-Achtelfinale gegen Belgien in den USA. Rudi war als "Tante Käthe" deutscher Publikums-Liebling, er wurde ja unter anderem 1990 Weltmeister und 1993 Champions-League-Sieger mit Olympique Marseille.

Das war mein Plan mit Völler und Schuster

Beide haben Mitte der 90er Jahre nur rund eine Millionen Mark Ablöse gekostet und auch ihre Gehälter waren damals gut, aber absolut vertretbar. Es war für Bayer ein großer Deal, auch weil die mächtigen Vereins-Bosse Bernard Tapie und Jesus Gil den beiden Weltstars mit der Transfersumme aufgrund ihrer großen Verdienste entgegenkamen.

Obwohl meine Planung, neben Völler als Sportdirektor auch Schuster als Cheftrainer zu installieren, wegen Kontroversen mit dem "Blonden Engel", nicht hundertprozentig aufging, kann man dieses Projekt trotzdem als gelungen abhaken. Dafür steht insbesondere Völler mit knapp 30 Jahren als Gesicht von Bayer 04 gerade.

Die Beträge, die momentan im höheren dreistelligen Millionen-Bereich um den Messi-Deal gehandelt werden, sind schon schwindelerregend. Ich bin zwar ein großer Verehrer von Messi, trotzdem kann ich dieses Zahlenwerk auch nur schwer nachvollziehen.

Vielleicht kehrt Toni Kroos zu Leverkusen zurück

Außerdem möchte ich natürlich nicht die Hauptrolle des Traumtänzers im aktuellen Fußball-Business spielen. Auch Rudi Völler betont ja ganz richtig, zwischen Bernd Schuster, ihm und Messi bestehe schon noch ein großer Unterschied. Damit hat er natürlich Recht. Aber wer weiß? Vielleicht ist ja Real-Star Toni Kroos mal zu solch einem Schritt zu bewegen, zu ihm besteht auch aufgrund seiner Zeit bei Bayer ein guter Draht und Toni hat in Köln ein schönes Haus, in das er später einmal ziehen möchte.

Nostalgie und Tradition sind zwar weiterhin sehr wichtig, allerdings hat sich der Profifußball wirtschaftlich völlig korrekt in unglaublich hohe Spähren katapultiert. Als weltweiter TV-Quotenkönig und idealer Werbe-Partner für sehr viele große Marken brauchen sich die Vereine wegen der hohen Kapitalzuführung bei niemanden zu rechtfertigen.

Ich bin uneingeschränkt für eine solidarischen Verteilung der TV-Gelder. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass wir dieses Thema 1999 beim Confed-Cup in Mexiko im Rahmen der DFB-Delegation mit Gerhard Mayer-Vorfelder, Dr. Franz Böhmert, Karl-Heinz Rummenigge und Rudi Völler diskutiert und angeschoben haben. Die solidarische Finanzspritze darf jedoch nicht dazu führen, dass die Gehälter der ohnehin schon gut bezahlten Durchschnitts-Profis noch mehr aufpoliert werden.

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Für mich wären Kapital-Rücklagen, soziales Engagement, Infrastruktur, Nachwuchsförderung und bezahlbare Eintrittspreise für den normalen Fan lohnende Positionen, womit man die Gehälter und Transfersummen grundsätzlich etwas deckeln könnte. Und bei allem Big Business, wie jetzt zum Beispiel im Fall Messi, sollte niemals vergessen werden, wo der Fußball herkommt - und, ganz entscheidend, wo er hingehört: in die Herzen seiner unzähligen Fans und Zuschauer.