29. November 2022 / 08:38 Uhr

Rekord-Mann Jamal Musiala beeindruckt bei der WM: Warum das DFB-Talent trotzdem mit sich hadert

Rekord-Mann Jamal Musiala beeindruckt bei der WM: Warum das DFB-Talent trotzdem mit sich hadert

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Jamal Musiala ist einer der großen Hoffnungsträger im DFB-Team.
Jamal Musiala ist einer der großen Hoffnungsträger im DFB-Team. © Getty
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DFB-Youngster Jamal Musiala überzeugte auch beim 1:1 im zweiten WM-Gruppenspiel gegen Spanien, stellte zudem eine weitere beeindruckende Marke auf. Der 19-Jährige vom FC Bayern hadert trotzdem mit sich selbst und übt Selbstkritik.

Wundert sich eigentlich noch jemand über das Wunderkind? Jamal Musiala spielte auch gegen Spanien auf wie einer, der schon mehrere Weltmeisterschaften erlebt hat. Seine Vorbereitung, diese elegante Ballannahme in Bedrängnis, machte den Weg frei für Joker Niclas Füllkrug und dessen Gewaltschuss zum 1:1 für die deutsche Nationalmannschaft. Damit wurde der Bayern-Profi im Alter von 19 Jahren und 274 Tagen zum jüngsten deutschen Spieler seit 1966, der in einem WM-Spiel einen Treffer vorbereitete. Wie passend: Dadurch löste Musiala seinen Münchener Teamkollegen und Mentor Thomas Müller ab, dem ein Assist im Alter von 20 Jahren und 273 Tagen bei der WM 2010 in Südafrika gegen Australien (4:0) gelang.

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Dazu kommt: Musiala initiierte gegen Spanien die meisten Chancen der DFB-Elf (drei), absolvierte die meisten erfolgreichen Dribblings der Mannschaft (vier von sechs), seine Passquote betrug 84 Prozent. Und das nicht in seiner bevorzugten Rolle, der Zehner-Position, sondern als Linksaußen. Von dort zog er oft in die Mitte. Mit dem Dreierwechsel in der 70. Minute rückte Musiala nach innen, Serge Gnabry von rechts nach links und der eingewechselte Leroy Sané auf die rechte Außenbahn.

Musiala befürchtete nach Remis gegen Spanien "schwere Nacht"

Obwohl er der mit Abstand beste DFB-Offensivakteur war und deshalb von den Spaniern meist gedoppelt wurde, wirkte Musiala hinterher nicht wirklich zufrieden mit seiner Leistung. In der 73. scheiterte er völlig frei vor Spaniens Torhüter Unai Simon. "Ich muss den Kopf hochhalten und den Ball passen oder ins Tor reinschießen", meinte Musiala selbstkritisch und sagte auf dem Weg zum Mannschaftbus: "Ich glaube, es wird eine schwere Nacht für mich. Ich muss das machen."

Allerdings versprühte er auch Hoffnung mit Blick auf den letzten Gruppenspieltag am Donnerstag (20 Uhr, ARD und MagentaTV) gegen Costa Rica: "Ich glaube, wir haben ein gutes Spiel gemacht. Es gibt trotzdem noch viele Sachen, die wir besser machen können. Aber wir sind noch im Turnier drinnen und müssen im nächsten Spiel Gas geben." Noch fehlt ihm, in der laufenden Saison Bayerns Top-Torschütze und Top-Vorbereiter (neun Tore, sechs Assists), ein Treffer bei dieser WM.

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Musiala, mit 19 Jahren und neun Monaten nach Youssoufa Moukoko (18) der zweitjüngste Spieler im 26-Mann-Kader des DFB, ist längst zu einem der Hoffnungsträger von Hansi Flick geworden. Lobeshymnen auf den gebürtigen Stuttgarter klingen wie ein alter Hut, selbst Mitspieler haben sich mit seiner Weltklasse abgefunden wie mit der Tatsache, dass es in Katar im Grunde nie regnet.

Hargreaves findet Musiala "einmalig"

Auf der Bühne WM findet seine Qualität natürlich ein noch größeres Echo. "Jeder Spieler ist anders, aber Musiala ist wirklich einmalig", sagte Englands früherer Nationalspieler Owen Hargreaves bei Eurosport und ergänzte: "Als ich ihn das erste Mal spielen sah, hat er mich sofort an Kaká erinnert: die Art und Weise, wie er sich bewegt, wie grazil er ist, wie gut er dribbelt." Dänemarks Ex-Nationaltorhüter Peter Schmeichel betonte in der BBC: "Derjenige, der mich am meisten begeistert hat, war Musiala. Er verspricht ein großartiger Spieler zu werden."

Ist Musiala längst. Sein Vertrag beim FC Bayern läuft bis 2026. Am 15., dem letzten Spieltag der Bundesliga-Saison vor der Unterbrechung durch die WM, absolvierte er beim 2:0 auf Schalke bereits sein 100. Pflichtspiel für die Münchner. Kein Teenager im Bayern-Trikot konnte diese Marke zuvor knacken. Dabei gelangen Musiala 20 Treffer. Der letzte U20-Spieler in der Historie des FC Bayern, der mit 13 Toren vor seinem 20. Geburtstag ähnlich erfolgreich war, heißt: Uli Hoeneß.

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