27. Februar 2020 / 16:03 Uhr

Rekord beim SC Langenhagen: Basketballerin spielt 522 Pflichtspiele in Folge

Rekord beim SC Langenhagen: Basketballerin spielt 522 Pflichtspiele in Folge

Matthias Abromeit
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Seit drei Jahren läuft Barbara Kunze für den SC Langenhagen auf.
Seit drei Jahren läuft Barbara Kunze für den SC Langenhagen auf. © deisterpics/Stefan Zwing
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Pausen kennt sie nicht: Barbara Kunze hat seit über 33 Jahren kein Punktspiel verpasst. Dabei fing die Steuerfachangestellte erst im Alter von 15 Jahren an. Ans Aufhören denkt die 52-jährige noch lange nicht.

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Eine Serie für die Geschichtsbücher ist es schon jetzt. Dabei ist sie noch gar nicht zu Ende. Barbara Kunze ist die ewige Basketball-Barbara. Aus ihren Teams ist und war sie nicht wegzudenken. Und Kunze ist immer da gewesen. Wirklich immer.

Seit Februar 1987 hat die Burgdorferin in 33 Jahren kein einziges Punktspiel versäumt – weder wegen Krankheit oder Verletzung noch aus privaten Gründen – und schon gar nicht wegen Sperren. „Das sind jetzt 522 Punktspiele in Folge“, sagt die 52-Jährige. Das 523. steht am Sonntag ab 12 Uhr mit den Bezirksoberliga-Frauen des SC Langenhagen bei den Linden Dudes II an.

Kunze bleibt von Verletzungen und Krankheiten verschont

„Es hat halt immer gepasst. Erkältungen hatte ich in den Herbstferien oder der Weihnachtspause oder im Sommer. Mit meinem Körper habe ich wohl richtig Glück gehabt“, sagt Kunze. Verletzungen gab es in drei Jahrzehnten bis auf Kleinigkeiten wie verdrehte Daumen nicht. Und auch ihre zwei Kinder halten sie nicht vom Spielen ab. „Beide sind im Spätsommer geboren. Bis zum vierten oder fünften Schwangerschaftsmonat habe ich noch gespielt. Und dann nach der Geburt nach wenigen Wochen schon wieder angefangen“, sagt sie. „Kind raus, Bauch weg, Barbara beim Basketball“ – so lautet Kunzes Motto.

Los ging es vor über 30 Jahren beim Heeßeler SV. Zur Galerie
Los ging es vor über 30 Jahren beim Heeßeler SV. ©

Kunze findet erst spät zum Basketball

Diese einmalige Karriere hätte aber auch ganz anders verlaufen können. „Ganz früher habe ich davon geträumt, in einer 4×100-Meter-Staffel um die Kurve zu flitzen“, sagt Kunze. Doch die Eltern sahen keine Notwendigkeit, ihre Tochter zum Sport zu schicken. „Warum, das wissen sie nicht mehr. Aber wir sind alle draußen aufgewachsen. Haben dort getobt und gespielt.“ Erst mit 15 Jahren setzte sie sich durch. Im Schulsport machte ihr auch das Spiel mit dem orangen Ball Spaß. „Ich bin dann mit zwei Klassenkameradinnen einfach zum Basketball-Training beim Heeßeler SV gegangen.“ Für Trainer Les Blanchard, der auch jetzt noch mit 71 Jahren das Jugendtraining im Burgdorfer Vorort leitet, war es damals ein Glücksfall.

Talent fällt früh auf

Nur ein Jahr später bestritt sie im September 1983 ihr erstes Freundschaftsspiel. „Ich hörte da, wie der gegnerische Trainer des TSV Krähenwinkel/Kaltenweide seinen Mädchen sagte: Passt auf die Fünf auf“, sagt Kunze. „Unser Trainer hatte die Trikots irgendwie verteilt. Ich schaute, wer die Fünf hatte und merkte erst dann, dass ich gemeint war.“ Es folgten zahlreiche weitere Partien in der Jugend. Einzige Verletzung blieb drei Jahre später ein gebrochenes Wadenbein. Doch schon nach zwei Monaten Pause startete Kunze ihre bis jetzt andauernde Serie als Spielerin.

Kunze will kleine Brötchen backen

Es folgten 19 Jahre in Heeßel und sieben Spielzeiten beim MTV Gifhorn in der 2. Regionalliga. Ein Angebot aus Braunschweig für die 1. Regionalliga lehnte sie ab. „Viermal in der Woche Training und dann noch Punktspiele – da hätte ich den Spaß am Basketball verloren.“ So ging es irgendwann nach Heeßel zurück – wo ihr Ehemann Ralf Rautenberg, den sie dort schon zuvor kennen- und lieben gelernt hatte, noch immer Trainer war. Seit drei Jahren spielt sie nun für den SC Langenhagen. In ihrer Erinnerungskiste kommen alle Mannschaftsaufstellungen der vergangenen Jahre hervor. „Das waren insgesamt 155 Mitspielerinnen. Und bis auf zwei habe ich alle noch vor Augen“, sagt Kunze.

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Eine ganze Familie im Basketball-Wahn

In jenen Jahren spielte sich ein großer Teil des Familienlebens in der HSV-Halle an der Dorfstraße ab. „Mein Mann war Trainer, Spieler und ist noch immer Schiedsrichter. Die Kinder sind von Anfang an mit in der Halle gewesen.“ Und bekamen so auch den Ehrgeiz der Mutter mit. „Ich kämpfe um jeden Ball und werde auch schon mal laut. Meine Kinder sagen immer, es sei toll, dass sie einen anderen Familiennamen hätten. Ich sei so peinlich.“ Eines hatten die Kinder aber nicht mitbekommen: Kunzes einzigen Aussetzer in den ersten Jahren. „Einmal habe ich einer Gegenspielerin in den Bauch gekniffen. Sie hatte meine Schwester so drangsaliert. Ich höre noch heute, wie sie gequiekt hat. Manchmal habe ich auch jetzt noch Gewissensbisse.“

Ein Leben für das Ehrenamt

Für Kontinuität steht Kunze auch im Privaten. Steuerfachgehilfin lernte sie nach dem Abitur in Burgdorf einst in Hannover, arbeitete 14 Jahre in der Landeshauptstadt, dann in Burgdorf. Aus dem Elternhaus in der Auestadt zog sie später mit ihrer Familie nur ein paar Straßen weiter in das Haus des Großvaters.

Natürlich steht sie auch im Sport für Kontinuität. „Den Trainerjob habe ich aber nach 34 Jahren jetzt aufgegeben. Da fehlte es an Verlässlichkeit der Kinder. Aber selber spielen will ich noch ein wenig“, sagt Kunze, die nebenbei auch noch Schiedsrichterin, Spartenleiterin beim Heeßeler SV und Kassenwartin des Basketball-Bezirks Hannover ist.

Kunze ist noch lange nicht fertig

Der vierte Platz bei der deutschen Ü40-Meisterschaft 2015 im Team der SG Wolfenbüttel/Heeßel war einer ihrer größten sportlichen Höhepunkte. „Es gibt in den Ü-65-Klassen aber auch Europameisterschaften“, bemerkt sie vielsagend. Da muss die ewige Basketball-Barbara nur noch läppische zwölf Jahre weitermachen. Nur eines wird wohl nicht klappen. Mit ihrer Tochter Lisa spielte sie schon in einem Team beim HSV. Doch dass es einmal drei gemeinsame Generationen werden, ist nicht in Sicht. „Enkel gibt es noch nicht. Lisa ist gerade mit der Ausbildung fertig, Finn studiert.“ In 20 Jahren vielleicht. Auszuschließen ist bei Barbara Kunze nichts.