04. Juli 2020 / 19:31 Uhr

Rekord-Triumph nach Schock-Start: Abt hält VfL-Frauen im Elfer-Krimi Pokalsieg fest

Rekord-Triumph nach Schock-Start: Abt hält VfL-Frauen im Elfer-Krimi Pokalsieg fest

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Jubel! Pernille Harder (M.) traf erst im Spiel und machte dann den entscheidenden Elfer zum 7:5-Sieg.
Jubel! Pernille Harder (M.) traf erst im Spiel und machte dann den entscheidenden Elfer zum 7:5-Sieg. © Getty Images
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Die VfL-Frauen sind zum sechsten Mal in Folge DFB-Pokalsieger! Der Wolfsburger Fußball-Bundesligist gewann das Finale gegen die SGS Essen mit 7:5 nach Elfmeterschießen und darf sich erneut Double-Sieger nennen!

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Rekord-Triumph nach Schock-Start: Frauenfußball-Bundesligist VfL Wolfsburg hat zum sechsten Mal in Folge (siebenmal insgesamt) den DFB-Pokal gewonnen - das ist bisher noch keiner Frauenfußball-Mannschaft gelungen. Mit 7:5 (1:2) setzte sich das Team von Trainer Stephan Lerch am Samstagnachmittag im Kölner Rhein-Energie-Stadion gegen die SGS Essen im Elfer-Krimi durch. Dabei hatte die Partie für den amtierenden Meister mehr als unglücklich angefangen.

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Zwei interne Rekorde stellten die VfL-Frauen am vergangenen Wochenende in der Liga mit dem 5:0 gegen Leverkusen (ungeschlagen Meister, meiste Punkte) auf. Jetzt gab's die nächste Bestmarke: Seit 2015 ging der DFB-Pokal in jedem Jahr nach Wolfsburg, zudem gewann der VfL den Titel 2013, als dem Klub das Triple gelungen war. Macht in der Summe sieben Titelgewinne, sechs davon auf Reihe - aber diesmal war es unter den Augen von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg ein ganz hartes Stück Arbeit.

Auf einigen Positionen veränderte Lerch sein Team vom Vergleich zum Liga-Finale. Torhüterin Friederike Abt, Lena Goeßling, Ewa Pajor, Pernille Harder und Ingrid Engen kehrten wieder ins Team zurück. Trotz Top-Besetzung wurde der Seriensieger aber böse überrascht: Bereits nach elf (!) Sekunden ging Essen in Führung. Ein langer Ball segelte über Sara Doorsoun hinweg, Lea Schüller lauerte und hob den Ball über Torhüterin Abt in den Kasten.

Auch das Blitz-Tor war ein Rekord, es war der schnellste Treffer, der jemals in diesem Wettbewerb erzielt wurde. Die bisher schnellsten Tore in einem Pokalfinale hatten 2007 Renate Lingor und Kozue Ando (beide 1. FFC Frankfurt) 2014 jeweils in der dritten Minute gemacht.

DFB-Pokalfinale 2020: VfL Wolfsburg - SGS Essen

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DFB-Pokalfinale 2020: VfL Wolfsburg - SGS Essen © Getty Images

Die Wolfsburgerinnen wirkten geschockt, die SGS machte es dagegen gut, störte früh den VfL-Spielaufbau. Harder gab nach fünf Minuten den ersten Schuss ab - zu harmlos. Besser machte sie es nach starker Vorarbeit von Anna Blässe in der 11. Minute, als sie einen Pass in den Rückraum direkt in die Maschen knallte - 1:1!

Doch Essen steckte das Gegentor bestens weg, ging nur wenig später erneut in Führung. Erst hatte Abt noch stark im Sitzen einen von Doorsoun abgefälschten Schuss von Nicole Ayomi pariert, die anschließende Ecke köpfte dann aber Marina Hegering in ihrem letzten Spiel für Essen (geht zum FC Bayern) ins Tor. Bis zur Pause passierte nicht mehr viel, Popp hatte noch die beste VfL-Chance auf den Ausgleich.

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Auch nach dem Seitenwechsel tat sich Wolfsburg schwer, Essen stand gut, war hellwach, giftig und lauerte auf Gegenstöße. So wie in der 59. Minute, als Jana Feldkamp plötzlich vor Abt auftauchte, aber nur den linken Innenpfosten traf. Und dann schlug die Stunde von Blässe: Nach einer geklärten Ecke in der 70. Minute feuerte sie den Ball aus 30 Metern aufs Tor - und unten links rein! Dieser Treffer hatte sich überhaupt nicht angebahnt, Essen schien alles unter Kontrolle zu haben.

So haben die VfL-Frauen den DFB-Pokalsieg 2020 gefeiert!

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So haben die VfL-Frauen den DFB-Pokalsieg 2020 gefeiert! © Getty Images

Es wurde sogar noch bitterer für die SGS: In der Schlussphase nickte Dominique Bloodworth am zweiten Pfosten eine Ecke zum 3:2 ein! Spiel entschieden? Nein!

Es war noch noch immer nicht Schluss: Essen bekam in der Nachspielzeit noch einen fragwürdigen Freistoß am direkt an der Strafraumkante der Wolfsburgerinnen zugesprochen. Irini Ioannidou trat an - und traf zum erneuten Ausgleich - es ging in die Verlängerung!

VfL-Frauen holen den DFB-Pokal 2020

Und dort wollte keines der beiden Teams den womöglich entscheidenden Fehler machen. Der VfL drückte, doch Essen verteidigte tief - und gut. Torchancen gab es kaum, die beste hatte Claudia Neto, die in der 113. Minute aus 15 Metern den Innenpfosten traf. Es blieb beim 3:3, die Entscheidung fiel im Elfmeterschießen.

Die ersten vier Schützinnen trafen, dann vergab die erfahrene Popp, setzte den Ball links daneben. Aber auch Ioannidou scheiterte, Abt parierte unten links stark. Und auch den nächsten Schuss hielt die VfL-Torfrau. Alles lag an Harder - und die Torschützenkönigin traf locker, der VfL holte den Titel!

"Ich ärgere mich sehr. Das darf eigentlich nicht sein", sagte Matchwinnerin Abt in der Sportschau mit Blick auf das Gegentor zum 3:3."Umso schöner, dass ich dem Team noch mal helfen konnte."

VfL-Frauen holen den DFB-Pokal 2020

VfL: Abt - Blässe, Doorsoun, Goeßling, Bloodworth - Engen (97. Neto), Popp - Huth (89. Wolter), Harder, Rolfö (70. Maritz) - Pajor.
Essen: Johannes - Klasen, Brüggemann. Hegering, Ostermeier - Feldkamp - Oberdorf, Senß - Knaak (78. Ioannidou), Schüller, Anyomi (64. Petzelberger).
Schiedsrichterin: Nadine Westerhoff (Wanne-Eickel).
Tore: 0:1 (1.) Schüller, 1:1 (11.) Harder, 1:2 (17.) Hegering, 2:2 (70.) Blässe, 3:2 (85.) Bloodworth, 3:3 (90.+1) Ioannidou.