16. April 2022 / 14:17 Uhr

Rekordtorjäger der DDR: Joachim Streich ist tot

Rekordtorjäger der DDR: Joachim Streich ist tot

Matthias Roth
Leipziger Volkszeitung
Joachim Streich ist im Alter von 71 Jahren verstorben.
Joachim Streich ist im Alter von 71 Jahren verstorben. © dpa
Anzeige

DDR-Rekord-Nationalspieler Joachim Streich ist in der Nacht zum Samstag im Alter von 71 Jahren verstorben. Das bestätigte sein Umfeld. Streich litt am Myelodysplastischen Syndrom.

Joachim Streich lebt nicht mehr. Der 71-Jährige ist nach schwerer Krankheit am Karfreitag verstorben. Das bestätigte seine Familie am Sonnabend dem 1. FC Magdeburg. Der Rekordnationalspieler der DDR hatte seit längerer Zeit mit seiner angeschlagenen Gesundheit zu kämpfen. Zuletzt sollte er sich wegen Blutarmut an der Leipziger Universitätsklinik einer Stammzellentransplantation unterziehen. Eine Lungenentzündung ließ die Behandlung nicht zu. Nach Hans-Jürgen Dörner im Januar ist nun ein weiteres Idol des Ostfußballs aus den 1970er und 1980er Jahren gegangen.

Anzeige

102-facher Nationalspieler

Der in Wismar geborene Streich begann nach Anfängen in seiner Heimatstadt seine Karriere bei Hansa Rostock. Zwischen 1969 und 1975 erzielte er in 141 Spielen insgesamt 58 Tore. Nach dem Abstieg der Hanseaten wollte der Nationalspieler weiter in der Oberliga spielen und sich eigentlich dem FC Carl Zeiss Jena anschließen. DDR-Fußballfunktionäre verhinderten dies und stellten stattdessen die Weichen für einen Wechsel zum 1. FC Magdeburg. Von 1975 bis 1985 stürmte Streich für das Team von der Elbe.

Joachim Streich, hier im Juni 1974, spielte 102 Mal für die Nationalmannschaft der DDR.
Joachim Streich, hier im Juni 1974, spielte 102 Mal für die Nationalmannschaft der DDR. © mago/WEREK

Die große Erfolgsserie mit Europapokalsieg und Meistertiteln lag da aber schon hinter den Blau-Weißen. So blieb Streich 1983 der Gewinn des FDGB-Pokals. Ganz Torjäger steuerte er auch in diesem Spiel zwei Treffer beim 4:1-Sieg gegen den FC Karl-Marx-Stadt bei. Seinen Kultstatus bei den Fans hatte er sich da längst erspielt. Auf den Bolzplätzen in Magdeburg hieß bei den Steppkes nicht: „Ich bin heute Rummenigge oder Müller, sondern ich bin Streich.“ Bis heute unvergessen sind seine drei Treffer gegen den verhassten BFC Dynamo beim 4:1 in der Oberliga im November 1983.

Für die Nationalmannschaft spielte Streich seit 1969, nahm auch an der Weltmeisterschaft 1974 teil und erzielte zwei Tore. Gegen die Bundesrepublik wurde er allerdings nicht eingesetzt. Seinen 100. Auswahleinsatz feierte der Magdeburger ausgerechnet gegen England im Londoner Wembley-Stadion. Die DDR ließ sich nicht lumpen und brachte für diesen Anlass sogar einen eigenen Fußballwimpel als Erinnerung an Streichs Jubiläum in den Handel. Streich spielte in 102 Partien für die Nationalmannschaft. Da die Fifa aber inzwischen die Begegnungen bei Olympischen Spielen nicht mehr als Einsatz wertet, wurden dem Angreifer vier Spiele aberkannt. Streich erzielte 55 Tore – Rekord in der DDR-Auswahl.

Anzeige

Nach seiner Karriere als Spieler übernahm Streich den 1. FC Magdeburg als Trainer und formte aus der in die Mittelmäßigkeit abzustürzen drohenden Mannschaft wieder ein Spitzenteam mit vielen Talenten wie Dirk Schuster oder Markus Wuckel. Nach der Wende verließen nicht nur viele Profis den Verein auch Streich versuchte sein Glück in Westdeutschland und übernahm Eintracht Braunschweig. Mit wenig Erfolg wurde er noch vor Saisonende entlassen. Danach folgten noch kurze Engagements in Magdeburg und später in Zwickau.

Aufstiegsfeier ohne Streich

Streich, der vor allem wegen seines Torinstinktes erfolgreich und seiner Lauffaulheit berüchtigt war, verabschiedete sich Mitte der 1990er Jahre von der Fußballbühne und arbeitete fortan als Schuhverkäufer für eine Sportkette in der Innenstadt von Magdeburg. Dort wurde der Stürmer regelmäßig erkannt und musste noch häufig Autogramme auf Schuhkartons mit neuen Töppen schreiben.

Dem Fußball blieb er als Zuschauer in Rostock und Magdeburg treu und war regelmäßig auch als Experte mit seinem Rat bei der Presse gefragt. Sein 1. FC Magdeburg könnte rechnerisch schon am Sonntag, wohl aber in der kommenden Woche zu Hause gegen Zwickau in die 2. Bundesliga aufsteigen. Joachim Streich wird nicht mehr dabei sein.

Anzeige: Erlebe die gesamte Bundesliga mit WOW und DAZN zum Vorteilspreis