17. Juli 2021 / 11:38 Uhr

Rekordwochenende bei der Tour de France? Tadej Pogacar vor Dreifach-Triumph

Rekordwochenende bei der Tour de France? Tadej Pogacar vor Dreifach-Triumph

Tom Mustroph
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Tadej Pogacar (r.) kann am Sonntag Historisches erreichen und einen dreifachen Triumph feiern. Mark Cavendish (kleines Bild, l.) würde mit einem Sieg im Sprintrennen am Samstag den Rekord von Eddy Merckx (kleines Bild, r.) brechen. 
Tadej Pogacar (r.) kann am Sonntag Historisches erreichen und einen dreifachen Triumph feiern. Mark Cavendish (kleines Bild, l.) würde mit einem Sieg im Sprintrennen am Samstag den Rekord von Eddy Merckx (kleines Bild, r.) brechen.  © IMAGOPanoramic International (Montage)
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Die 108. Tour de France neigt sich dem Ende zu und der Sieger steht bereits so gut wie fest: Vorjahressieger Tadej Pogacar. Der Slowene dominiert nun seit zwei Jahren die Tour. Sein Landsmann Matej Mohoric holte am Freitag seinen zweiten Tagessieg und unterstreicht die Vormachtstellung der Slowenen im Radsport.

Am Freitag gewann Matej Mohoric im slowenischen Meistertrikot seine zweite Etappe dieser Tour de France, beide Male als Ausreißer. Der Mann, den er in den Landesmeisterschaften auf Platz fünf locker hinter sich gelassen hatte, verteidigte hingegen ohne Probleme sein Gelbes Trikot. Tadej Pogacar ist die Gesamtwertung wohl nicht mehr zu nehmen. Vor dem Zeitfahren am Samstag hat er fünf Minuten und 45 Sekunden Vorsprung auf den Gesamtzweiten Jonas Vingegaard.

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"Mal sehen, wie ich heute Nacht einschlafe und morgen aufwache", sagte er scherzend am Freitagabend. Er warnte zwar: "An einem richtig schlechten Tag kann man im Zeitfahren auch einmal sechs Minuten verlieren." Er sagte aber auch: "Ich bin zuversichtlich, dass mir das nicht passiert." Für diese Zuversicht gibt es gute Gründe. Der Slowene gewann das letzte Zeitfahren der Tour de France 2020. Und beim ersten Zeitfahren dieser Tour in Laval war er wieder der Schnellste. Es war zugleich sein erster Tagessieg bei der Tour. Zwei weitere Erfolge in den Pyrenäen ließ er folgen. Ein vierter Sieg beim Zeitfahren am Samstag ist nicht unwahrscheinlich. Pogacar braucht ihn nicht für seinen Gesamttriumph, aber er ist ehrgeizig. "Ich mag Zeitfahren, ich gebe da gern 100 Prozent", sagte er.

Pogacar überflügelt alle – Cavendish vor historischer Marke

Es wäre die weitere Bestätigung seiner Überlegenheit. Die Siegerehrung auf den Champs-Élysées am Sonntag droht zum freudigen Dauerstress für ihn zu werden. Dort könnten ihm gleich drei Trikots überreicht werden. Neben dem Gelben fiele ihm aufgrund seines jugendlichen Alters auch automatisch das Weiße des besten Nachwuchsfahrers zu. Das Gepunktete Trikot des besten Bergfahrers hat er bereits in seinem Besitz. Diese Kollektion ist bisher einmalig. Nicht einmal Eddy Merckx schaffte dies. In den jungen Jahren des "Kannibalen" gab es das Weiße Trikot noch nicht. Merckx setzte aber eine andere Bestmarke: Er holte bei der Tour 1969 das Gelbe, das Gepunktete und auch das Grüne Trikot.

Als "grüner Frosch" fährt bei dieser Tour Mark Cavendish. Das Leibchen des besten Sprinters ist ihm kaum noch zu nehmen. Deshalb begleitete ihn auf den Pyrenäenetappen auch fast die komplette Abordnung seines Rennstalls Deceuninck Quick-Step, um sicher zu sein, dass er es im Zeitlimit ins Ziel schafft. Es wäre ein toller Erfolg bei seinem Comeback nach überstandenem Barr-Epstein-Syndrom und überwundener Depression. Er kann am Sonntag sogar Merckx überbieten. Bisher vier Etappensiege holte Cavendish bei dieser Tour – ist also gemessen an Tagessiegen allein fast so erfolgreich wie die neue Radsportbastion Slowenien. Mit diesen vier Siegen steht er bei insgesamt 34 Etappenerfolgen. Genauso viele holte Merckx in seiner Karriere. Gewinnt Cavendish den Sprint am Sonntag auf den Champs-Éysées, ist er dem großen Belgier enteilt.

Radsportlegende Merckx hält Slowenen für seinen Nachfolger

Der Altchampion und der aktuelle trafen am Freitag am Start der 19. Etappe sogar aufeinander. Merckx kam ins Velodrom von Mourenx, das auf seinen Namen getauft ist, weil er in der Stadt einen seiner ganz großen Siege feierte. Er umarmte Cavendish und wünschte ihm Glück.

Für seinen eigentlichen Nachfolger hält er allerdings Pogacar. "Er ist ein Riesentalent, und mir gefällt auch die Art, wie er Rennen fährt. Er kann die Tour noch viele Male gewinnen, fünfmal, sechsmal", meinte er. Erreicht Pogacar sechs Tour-Siege, wäre ein weiterer Merckx-Rekord gefallen. Darauf muss man aber länger warten, als nur bis zum Sonntag, wenn Cavendish nach den Sternen im Sprint greift.